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18-09-2020 | Finanzbuchhaltung | Im Fokus | Article

Gutes Forderungsmanagement schützt bei Pleitewelle

Author:
Angelika Breinich-Schilly
4:30 min reading time

Vielen Unternehmen bieten die staatlichen Hilfskredite in der Krise eine notwendige Verschnaufpause. Dennoch rechnen Experten mit einer coronabedingten Insolvenzwelle – spätestens 2021. Geschäftspartner können sich jedoch vor der Pleite ihrer Kunden schützen.

Die Wirtschaftsforschung des Inkassodienstes Creditreform hat jüngst rund 8.900 Unternehmensinsolvenzen für das erste Halbjahr 2020 gemeldet. "Damit ist die Zahl gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr um 8,2 Prozent zurückgegangen. Das Statistische Bundesamt bestätigte mit seiner April-Auswertung diesen Befund", so deren Leiter Patrik-Ludwig Hantzsch in der Zeitschrift "return" (Ausgabe 8 | 2020). 

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Betriebliches Rechnungswesen

Das betriebliche Rechnungswesen (ReWe) hat die Aufgabe der mengen- und wertmäßigen Erfassung, Verarbeitung, Offenlegung und Kontrolle aller Vorgänge im Unternehmen, die mit der betrieblichen Leistungserstellung zusammenhängen (Achleitner und Thommen 2012). Besprochen werden die Finanzbuchhaltung, der Jahresabschluss mit der Bilanz und der Gewinnund Verlustrechnung.

Der Effekt beruhe auf massiven Maßnahmen der Bundesregierung zur finanziellen Unterstützung, wie etwa der erleichterte Zugang zu Krediten der Förderbank KfW, Zuschüsse für Selbstständige und kleine Gewerbetreibende sowie Steuerstundungen und Staatsbeteiligungen. "Vor allem aber verschleiert die Aussetzung der Insolvenzantragspficht seit 1. März bis vorerst 30. September den tatsächlichen Zustand der Wirtschaft", betont der Autor, der die neuen Rubrik "Insolvenzmonitor" bei "return" betreut. 

Ab 2021 könnte Pleitewelle rollen

Auch andere Ökonomen gehen davon aus, dass die Covid-19-Krise mittel- bis langfristig zu zahlreichen Insolvenzen führen wird. Laut des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) "schlägt spätestens im Januar die Stunde der Wahrheit". 

"Die aktuelle Lage ist für kleine und mittelständische Unternehmen gefährlicher als nach der Weltfinanzkrise 2008, da die Wirtschaft in der gesamten Breite betroffen ist", meint auch Hantzsch. "Damals stieg die Zahl der Unternehmenspleiten alleine in Deutschland um rund zwölf Prozent. Abhängig von der Dauer der aktuellen Krise wird diese Zahl wahrscheinlich übertroffen werden."

Tipps zur Anspruchssicherung für Gläubigerunternehmen

Der BDIU rät Unternehmen daher, bei gefährdeten Geschäftspartnern Forderungsansprüche schon vor der Pleite zu sichern und damit die eigene Liquidität zu schonen. Hierfür hat der Verband einige praktische Ratschläge zusammengestellt, mit denen Unternehmer ihr Forderungsmanagement verbessern:

  1. Rechnungen rechtzeitig erstellen – Unternehmen müssen darauf achten, dass das Dokument die relevanten Informationen enthält, etwa den vollständigen Namen und die Anschrift sowohl ihres Unternehmens als auch die des Kunden. Die vereinbarten Preise, Mengen und gelieferten Produkte sollten genau genannt sein. Außerdem gehören in die Rechnung das korrekte Ausstellungs- und Lieferdatum, Art und Höhe der Steuern sowie ihre Steuernummer. 
  2. Fristsetzung – Die Rechnung sollte ein Datum enthalten, bis zu dem der Betrag vollständig ausgeglichen sein muss – zum Beispiel innerhalb der nächsten 14 Tage. Hält sich der Kunde nicht an diese Frist, gerät er gemäß § 286 BGB sofort danach in Verzug. 
  3. Ausstehende Zahlungen sofort anmahnen – Unternehmen sollten ihre Zahlungseingänge täglich prüfen und entsprechende Prozesse in der Buchhaltung etablieren. 
  4. Entwicklung einer abgestuften Mahnstrategie – Zahlt ein Kunde einmal eine Rechnung nicht, ist das keine Katastrophe, sondern vielleicht nur ein Zeichen für vorübergehende Probleme, oder er hat diese einfach übersehen. Die erste Mahnung sollte daher möglichst freundlich und verbindlich formuliert werden. Sie sollte zudem einen neuen Zahlungstermin enthalten. Erfolgt erneut kein Ausgleich, sollten im zweiten Schritt neben der Erinnerung gegebenenfalls nächste Schritte angedroht werden. Hierzu gehört zum Beispiel das gerichtliche Mahnverfahren. 
  5. Zahlungsfähigkeit der Geschäftspartner prüfen – Bezahlt ein sonst pünktlicher Kunde plötzlich nur noch nach Mahnung oder bittet um Aufschub oder Ratenzahlung, sind das Alarmsignale, die auf finanzielle Probleme hindeuten. Dann sollten Unternehmen die Leistungsfähigkeit überprüfen. Bei Neugeschäft kann es sinnvoll sein, Vorkasse zu vereinbaren. Auch Abschlagszahlungen haben sich als Sicherungsinstrument bewährt. 
  6. Zahlungsansprüche mit juristisch Mitteln sichern – Bleiben Kunden trotz Mahnung säumig, ist es gerade in Krisenzeiten ratsam, ein Mahn- oder Klageverfahren anzustrengen. 
  7. Immer den guten Ton wahren – Der säumige Zahler von heute kann schon morgen wieder der gute Kunde werden. Das passiert aber nur, wenn er das Gefühl hat, auch in einer schwierigen Situation, wie sie das Einfordern einer unbeglichenen Rechnung darstellen kann, fair behandelt worden zu sein. Es gilt die Devise: Reden hilft. Eventuell sind ja individuell angepasste Raten die richtige Lösung, um eine Eskalation dieser unangenehmen Sache zu vermeiden. 
  8. Factoring als schnelle Liquiditätslösung – Beim Forderungsverkauf übernehmen Dienstleister den Prozess rund um den Einzug. Der Unternehmen erhält für die Abtretung der Forderung sofort Geld – allerdings mit einem gewissen Abschlag.

Factoring etabliert sich im Mittelstand

Gerade für Mittelständler ist Factoring daher ein probates Mittel, um schnell an Geld zu kommen, bestätigt auch Springer-Autor Wolfgang Grundmann. Im Buch "Leasing und Factoring" schreibt er auf Seite 120: 

Factoring etabliert sich immer stärker im Mittelstand. Viele Unternehmen nutzen die Chance, Rechnungen an ein Factoring-Unternehmen zu verkaufen und schneller an liquide Mittel zu kommen. Damit verbessern sie die Bedingungen für ihre Finanzierung: Das Volumen der Forderungen nimmt ab, die Bonität dagegen zu. Das wirkt sich positiv auf das Rating bei Banken aus."

Durch den Verkauf der Forderungen vor deren Fälligkeit erhält der Factoringkunde laut Grundmann sofort liquide Mittel. "Ihm werden vom Factor 80 bis 90 Prozent der Rechnungssummen abzüglich der Factoringgebühr ausgezahlt. Die restlichen zehn bis 20 Prozent werden auf einem Sperrkonto, dem sogenannten Bardepotkonto, gebucht. Sie dienen dem Factor als Sicherheit für etwaige Reklamationen und Abzüge (Skonti, Rabatte) des Abnehmers. Bei Zahlung des Abnehmers an die Factoringgesellschaft wird auch dieser Rest dem Anwender gutgeschrieben. Buchhalterisch ist Factoring ein Aktivtausch."

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