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04-03-2019 | Fintechs | Kolumne | Article

Banken und Fintechs sollten Partner auf Augenhöhe werden

Author:
Martijn Hohmann
4 min reading time

Trotz vieler Innovationen setzen sich nicht alle Ideen der Fintech-Pioniere durch. Echten Trends laufen Banken dennoch meist hinterher. Eine Zusammenarbeit würde beiden Seiten helfen, meint Kolumnist Martijn Hohmann.

Das Beispiel der Automobilindustrie zeigt, warum Kooperation sinnvoller ist als Konkurrenz. In der Autoindustrie gibt es Autohersteller und Zulieferer und diese Aufteilung funktioniert hervorragend. Im Laufe der Zeit haben sich Firmen für eine der beiden Rollen entschieden und sich so im Zuge der Spezialisierung weiterentwickelt. Diese Aufteilung hat Bestand bis heute, auch wenn neue Akteure wie Tesla den Ring betreten haben und andere wie beispielsweise Apple schon wieder ausgestiegen sind.

Autoindustrie liefert Best Practice

Der Punkt ist, die Aufteilung in Hersteller und unterstützende Zulieferer ist aufgegangen. Die großen Autokonzerne sparen sich Entwicklungskosten bei vielen Komponenten und greifen lieber auf bewährte oder speziell für sie entworfene Teile von Zulieferern zurück. Hat sich ein Bauteil bei einem Konzern bewährt, wird es auch bei anderen verbaut. Es würde sich für den Zulieferer nicht lohnen, sämtliche Bauteile eines Autos zu entwickeln und diese schließlich zusammenzubauen. Außerdem müsste der Zulieferer mit den großen etablierten Marken auf dem Markt konkurrieren und Kunden von einem komplett neuen Produkt und Namen überzeugen.

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Digitalisierung und Fintechs – das traditionelle Bankgeschäft im Wandel

Das Thema Digitalisierung ist in der deutschen Kreditwirtschaft hoch priorisiert. Doch statt revolutionärer Strategien stehen meist Kostensenkungsmaßnahmen, flankiert durch die Optimierung des Online- und Mobile-Banking-Angebotes, im Fokus. Hinzu kommt das Thema Daten- und IT-Sicherheit. Das Buchkapitel wirft einen Blick auf das Geschäftsmodell der klassischen Kreditinstitute ihre Bedrohung durch Fintechs. 


Eine ähnliche Aufteilung wie in der Automobilindustrie kann sich auch zwischen Banken und Fintechs vollziehen, wenn beide Seiten begreifen, dass eine Zusammenarbeit viele Vorteile mit sich bringt. Schon so manche guten Ansätze solcher Start-ups sind an falschen Ambitionen gescheitert. Nicht jedes Unternehmen ist dazu berufen, die beste Bank der Welt zu werden. Fintechs fehlt bisweilen eine entscheidende immaterielle Grundlage für das Bankgeschäft – das Vertrauen der Kunden. Auch wenn der Finanzsektor per se keinen übermäßig guten Ruf besitzt, vertrauen die meisten Kunden ihrer eigenen Bank. Gleichzeitig sehen viele Kunden bisher gar nicht die Notwendigkeit, ihre Bank zu wechseln. Besonders im Bereich der Privatkunden ist es als Neueinsteiger daher schwer, sich Vertrauen zu erarbeiten und Kunden zu gewinnen.

Kunden agieren digital

Die vielen Möglichkeiten des Online-Handels, der digitalen Kommunikation und die zahllosen Apps auf Smartphones und Tablets haben die Kunden an eine digitale Zugänglichkeit gewöhnt. Und auch die gefühlte Komplexität von Produkten und Dienstleistungen, hat durch digitale Anwendungen stark abgenommen. Den Einstieg in dieses neue digitale Lebensgefühl bekommen Banken durch Zusammenarbeit mit Fintechs. Die Finanz-Startups sind am Puls der Zeit und haben die technischen und personellen Ressourcen für eine digitale Weiterentwicklung des klassischen Bankings. Sie sind meist gekennzeichnet durch eine agile Arbeitsweise, schnelle Entscheidungswege und eine disruptive Mentalität gekennzeichnet, die vielen Banken wesensfremd ist. Egal ob Banking as a Service oder neue digitale Kommunikations- und Vertriebskanäle – hier liegen oft die Stärken der Start-ups.

Fintechs machen Banken Beine

Wollen auch traditionelle Finanzinstitute agiler werden und den neuen Ansprüchen an digitaler Unmittelbarkeit heutiger Kunden genügen, müssen sie sich technisch neu aufstellen. Eine Aufgabe, die viel Aufwand verursacht und viele Ressourcen beansprucht. Zeit und Geld lassen sich sparen, wenn Banken auf fertige Lösungen der innovativen Jungunternehmen zurückgreifen. Damit es dazu kommen kann, braucht es Veränderungen aufseiten der Banken, vor allem im Bereich der Back Offices. Kundendaten müssen an einem Ort gebündelt werden, anstatt in vielen Bereichen getrennt voneinander abgelegt zu sein. Erst so gelingt es eine leistungsfähige Schnittstelle zu ermöglichen. Genau hier können digitale Angebote von Start-ups helfen, Kundendaten zu bündeln und neue Produkte und Dienstleistungen zu integrieren. Anschließend lassen sich neue Dienstleistungen problemlos skalieren.

Die Bank muss stetig näher an ihre Kunden rücken, egal ob im Privatkundengeschäft oder bei der Unternehmensfinanzierung. Dabei müssen Finanzdienstleister davon ausgehen, dass es immer neue Wege gibt, die eigenen Kundenbedürfnisse noch effizienter abzudecken. Statt der Entwicklung wichtiger Technologien und neuer Produkte hinterherzulaufen, sollten sie hier offen für innovative Ansätze der jungen Tech-Pioniere sein. Eine Schnittstelle zur Fintech-Umwelt ist nicht nur bald schon gesetzlich vorgeschrieben, sie ist auch besonders empfehlenswert. Das Stichwort lautet Open Banking.

Das gemeinsame Ökosystem schafft die Basis

Es wird mehr Partnerschaften zwischen Banken, Fintech-Unternehmen und anderen Dienstleistern, wie externen Buchhaltern und Anwälten geben, die alle in einem Ökosystem über vernetzte APIs arbeiten. So bekommen auch traditionelle Finanzhäuser die Möglichkeit Wallets, Blockchain, Videochat und Datenanalyse in bestehende Angebote zu integrieren. Erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen von Fintechs können so den eigenen Bankkunden bequem aus einer Hand zur Verfügung gestellt werden.

Die Start-ups wiederum bekommen so Zugang zu einer großen Anzahl von Verbrauchern, welche auf die Produkte im gewohnten Bankumfeld zugreifen können und diesen so höheres Vertrauen entgegenbringen. So profitieren sie vom größten Kapital der Banken: dem Vertrauen ihrer Kunden. Banken und Fintechs können so gemeinsam wachsen und sich den Herausforderungen der neuen Zeit stellen - als Partner auf Augenhöhe und mit klarer Rollenverteilung.

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