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26-02-2019 | Fintechs | Nachricht | Article

Per Beteiligung profitieren Banken von Fintechs

Author:
Elke Pohl
3 min reading time

Viele innovative Trends in der Finanzbranche kommen von jungen Fintechs. Um mit der rasanten Entwicklung Schritt zu halten, setzen Institute wie die Berliner Volksbank auch auf Beteiligungen. 

Wer auch in den kommenden Jahren als klassische Bank noch am Markt sein will, muss aus der Defensive kommen und auf Fintechs auf unterschiedliche Weise zugehen. Davon ist Carsten Jung, Vorstandsvorsitzender der Berliner Volksbank, überzeugt, wie er gestern während einer Veranstaltung des European Finance Forums Berlin betonte. Die Berliner Volksbank habe vor fünf Jahren begonnen, sich ernsthaft mit dem Thema Fintechs auseinanderzusetzen und mit der Gründung der Berliner Volksbank Ventures Unternehmensbeteiligungsgesellschaft mbH einen wichtigen Schritt getan, wie Jung erklärt. 

Beteiligungsgesellschaft mit schlanken Prozessen

Die Gesellschaft sei der Corporate Venture Capital Fonds der Berliner Volksbank. Er begleite junge, innovative Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Wachstumsstrategie und stehe für Stabilität, Verlässlichkeit, Gemeinschaft und Partnerschaft auf Augenhöhe, betonte der Vorstandschef. Das Unternehmen sei eigenständig mit eigenem Führungsteam und treffe Investitionsentscheidungen autonom sowie außerhalb der Konzernstruktur. Schlanke Prozesse und schnelle Reaktionszeiten seien ihr Kennzeichen.

Notwendig werde diese Hinwendung zu Technologieunternehmen aufgrund der Tatsache, dass Fintechs in der gesamten Wertschöpfungskette von Banken mit diesen konkurrieren und Antworten darauf nötig seien. Neben dem Kopieren dieser Geschäftsmodelle und Kooperationen sieht die Berliner Volksbank in der Investition eine besondere Möglichkeit der Teilhabe am Gründerboom; allen voran in der Gründerhauptstadt Berlin. Daher habe die Beteiligungsgesellschaft ein Fondsvolumen von 20 Millionen Euro aufgelegt und in elf Portfoliounternehmen investiert, die im weitesten Sinn Bezug zum Geschäftsmodell von Banken haben. Der Fonds beteiligte sich bislang an den Start-ups Bergfürst, Liqid, Figo, Acatus und Tradeplus, der Proptech Planradar, die B2B-SMEs Flexperto, Inventorum, Smacc und Hypatos sowie Marley Spoon, ein digitaler Lieferant von Kochrezepten und Zutaten.

Skizze reicht nicht fürs Investieren

Das besondere an der Berliner Start-up-Szene sei nicht nur der starke Unternehmergeist der Gründer und die oft internationale Belegschaft, sondern auch, dass zwar viel externes Geld aufgenommen werde, Banken dabei aber bisher eine geringe Rolle spielen. Im Vordergrund stünden Familie und Freunde, Business Angels und Venture Capital. Dabei seien Finanzierungsprobleme oft der Grund dafür, dass 70 Prozent der Start-ups nach durchschnittlich 2,8 Jahren scheitern. 

Im Schnitt investiert Berliner Volksbank Ventures 750.000 Euro in ein Unternehmen. Und das oft erst in der zweiten oder dritten Investitionsrunde und in der Regel in Form von Minderheitsbeteiligungen als Lead- oder Co-Investor. "Wir erwarten von Start-ups mehr als eine Idee und eine Skizze", betont Jung. Es müsse schon genaue Vorstellungen zum Produkt und erste Umsätze geben. Und man behalte es sich vor, auch wieder auszusteigen.

Kundenschnittstellen besetzen

Banken, ist Jung überzeugt, müsse es gelingen die Kundenschnittstellen zu besetzen, um auch in Zukunft am Markt erfolgreich mitmischen zu können. Woher dann die angebotene Dienstleistung kommt – ob aus dem eigenen Haus oder von externen Anbietern – sei zweitrangig. Zudem gebe es international den Trend, das eigentliche Bankgeschäft um weitere Angebote zu erweitern. Daher müsse man sich Gedanken machen, was man zusätzlich anbieten könne. Sein Haus denkt dabei zum Beispiel an die alte genossenschaftliche Idee von Erwerbergemeinschaften, die man digital organisieren könnte. Er distanzierte sich von dem Bild, die Volks- und Raiffeisenbanken sei angestaubt oder altbacken, weil man eine Genossenschaft ist. So gehört laut Jungs Aussage etwa die VR-Banking-App zu den führenden am Markt.

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