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05-06-2020 | Fintechs | Im Fokus | Article

Viele Fintechs trifft die Krise mit Wucht

Author:
Tosson El Noshokaty
3:30 min reading time

Das Corona-Virus kennt keine Grenzen und macht auch keinen Bogen um die Finanzwelt. Es droht die Bilanzen vieler Unternehmen der Finanzindustrie zu infizieren. Dabei trifft es nicht nur etablierte Banken oder Versicherer, sondern auch innovative Finanz-Start-ups.

Der Schock ist so heftig wie zu Zeiten der großen Depression, warnt die EU-Kommission und prophezeit einen Rückgang des europäischen Sozialproduktes um fast acht Prozent. Hart hat es bereits die französische BNP Paribas getroffen, die nahezu die Hälfte ihres Börsenwertes verlor. Und trotz ordentlicher Zahlen im ersten Quartal senken die Analysten in ihrem Ausblick bereits ihre Daumen über der Deutschen Bank. 

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Liquiditätsmanagement

Zeitgemäße Anforderungen an die Unternehmenssteuerung umfassen eine professionelle, einheitliche und zeitnahe Handhabung der Finanz- und Liquiditätsplanung mit regelmäßigen Soll-Ist-Vergleichen unter der Reduzierung externer Finanzierung und erweiterter Liquiditätsgenerierung. Unternehmen benötigen eine Liquiditätsplanung, um fällige Auszahlungen tätigen zu können. 

Solide Finanzunternehmen geraten unter Druck

Auch die Commerzbank schreibt erstmals seit 2014 wieder Verluste. Im ersten Quartal 2020 betrug der Fehlbetrag 295 Millionen Euro – eine Folge der Risikovorsorge für faule Kredite, die sich mit 326 Millionen Euro wegen Corona zum Vorquartal vervierfacht hat. Das gesamte Ausmaß der Belastungen von Banken, Versicherungen und anderen Finanzdienstleistern wird sich erst in den nächsten Quartalen zeigen. Das Virus bremst die Wirtschaft aus und trifft damit die Geldhäuser, die sich, zumindest in Europa, nach der Finanzkrise gerade erst wieder stabilisiert hatten. Die Wirtschaft gerät aus dem Gleichgewicht und selbst einst solide Unternehmen stehen vor dem Aus.

Und auch an den lange hochgelobten Fintechs geht die Corona-Krise nicht spurlos vorüber. Zwar sorgt die Pandemie dafür, dass immer mehr Menschen aus Selbstschutz Bankfilialen meiden, wenn diese überhaupt geöffnet sind. Doch nicht jedes Geschäftsmodell der jungen Angreifer wird funktionieren, da die Konsumbereitschaft der Menschen Minusrekorde aufweist und sich wohl so schnell nicht verbessern wird. 

Krise versperrt Start-ups den Weg zu den Kapitalgebern 

Auch institutionelle Geldgeber und Venture-Capital-Gesellschaften sind in der Krise mit Investments zögerlicher. Neue Finanzierungsrunden werden schwieriger und die hohen Bewertungen der Start-ups geraten unter Druck. Immerhin hat es N26 geschafft, bei prominenten Investoren wie der Allianz, Peter Thiel und dem Singapurer Staatsfonds Tencent 100 Millionen US-Dollar einzusammeln – bei einer Bewertung von weiterhin 3,5 Milliarden Dollar, was etwa der Hälfte der Deutschen Bank entspricht.

Fintechs wie Paypal oder Transferwise hingegen, die grenzüberschreitende Zahlungssysteme anbieten, spüren hingegen bereits Ergebnisdruck, weil etwa die Einnahmen aus der Reise- und Veranstaltungsbranche fehlen. Schwer wird es aktuell auch für Unternehmen wie Zoppa oder Auxmoney die online ungesicherten Kredite offerieren. Sie könnten unter dem Zahlungsausfall vieler Kunden leiden. Technologieanbieter aus den Bereichen Blockchain, Digital Identity oder Security werden dagegen von der Instabilität der Krise eher profitieren. Ihre Services, die Risiken erkennen und mildern, werden auch in der nach Corona-Welt gefragter denn je sein.

Fintechs brauchen mehr Ökonomie und weniger Nische

Dennoch sollten auch Finanz-Start-ups in der momentanen Krise zwei zentrale Handlungsempfehlungen beachten: 

  • Stärker den Gesetzen der Ökonomie folgen: Das heißt, Umsatz, EBIT, Earnings, EPS sind spätestens zur Krisenbewältigung wieder zu den relevanten KPIs geworden. Das fremdfinanzierte Wachstum und das schnelle gewinnen von Marktanteile bleibt wichtig, aber nicht mehr in der eindimensionalen Konsequenz.
  • Raus aus der Nische: Einige Fintechs waren sehr erfolgreich in bestimmten Kundensegmenten tätig, die in der Krise massiv unter Druck geraten. Die Kartenterminalanbieter Sumup oder iZettel etwa leiden unter dem einbrechenden Geschäft in der Gastronomie und im Retail Bereich. Sie stehen nun unter Druck, ihren Zielgruppe als Partner zur Seite zu stehen und sollten so schnell wie möglich ihr Angebotsportfolio erweitern, und ihren Kunden Kredite oder Gratisterminals anbieten – ähnlich wie die Brauereien, die ihren Kunden nicht nur Bier, sondern auch Tresen oder Mobiliar liefern. So hat das schwedische Fintech Klarna schnell reagiert und bietet nun einen kontaktlosen Rechnungskauf in allen Filialen der Bekleidungskette H&M an. Deren Kunden überweisen per App und können dank Rechnungskauf innerhalb von 30 Tagen zahlen.

Die dringend notwendigen Investitionen in Technologie, der Fokus auf den Kunden und der damit einhergehende notwendige Kulturwandel in vielen Unternehmen der Finanzwelt, bleibt in Zeiten des Virus keine als Purpose nach außen verkaufte Erklärung mehr. Die Branche muss jetzt mit Agilität einen großen Schritt in die digitale Zukunft gehen. 

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