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24-05-2017 | Fintechs | Interview | Article

"Die Finanzdienstleistungsbranche steht unter hohem Automationsdruck"

Author: Eva-Susanne Krah

2:30 min reading time

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Interviewee:
Sebastian Ostrowicz

ist Principal bei Horváth & Partners. 

Banken und Finanzdienstleister müssen sich angesichts der dynamischen Automatisierung ihrer Branche nach der Decke strecken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wohin die Reise geht und worin der Charme von Robotics-Lösungen liegt, erklärt Sebastian Ostrowicz im Interview mit Springer Professional. 

Springer Professional: Herr Ostrowicz, Robotic-Lösungen setzen sich nicht zuletzt dank der Fintech-Revolution in der Finanzbranche immer stärker durch. Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Vorteile für Banken, Finanzdienstleister und Versicherer?

Sebastian Ostrowicz: Die Finanzdienstleistungsbranche steht unverändert unter einem hohen Automationsdruck. Effizienzziele müssen erreicht und Kundenanforderungen in wesentlich schnelleren Zyklen an den Markt gebracht werden. Das setzt eine Digitalisierung und Automation der Prozesse voraus. Klassische IT-Systeme sind hierfür zu schwerfällig und kostenintensiv. Robotics-Lösungen versprechen eine wesentlich höhere Flexibilität und Umsetzungsgeschwindigkeit.

Welche Modelle könnten denn mittel- bis langfristig den größten Markterfolg für den Einsatz bei Bankkunden bescheren, etwa Robo Advice in der Beratung – und wo gibt es noch Hürden?

Am Markt bestehen verschiedene Modelle, die als digitale Assistenten entweder in der Kundeninteraktion unterstützen oder einfache Sachbearbeitung im Backoffice durchführen. Unsere Kundenbefragung hat ergeben, dass aktuell Roboter vorwiegend in den klassischen Verwaltungseinheiten für Kundenprozesse, aber auch in allgemeinen Supportprozessen, etwa der Gehaltsbuchhaltung oder dem Einkauf, vorgesehen sind. 

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Wesentliche Hürden sind aus unserer Einschätzung häufig heterogene Prozessabläufe, nur eingeschränkt verfügbar strukturierte Eingangsdaten und eine fehlende Gesamtkonzeption für das Zusammenspiel von Mensch und Roboter im operativen Tagesbetrieb. Ein intensiverer Einsatz an der Kundenschnittstelle im Rahmen von Robo Advice setzt nach unserer Erfahrung eine Weiterentwicklung der Roboter voraus. Das betrifft vor allem die kognitiven Fähigkeiten im Kontext Machine und Natural Language Learning. Die technologische Entwicklung schreitet hier aber ebenfalls schnell voran, sodass wir auch in diesen Themengebieten eine schnelle Marktreife erwarten.

Gibt es Erfahrungswerte von Banken, die Piloten in Serviceprozessen einsetzen,  wenn ja, welche?

Unsere Studie hat ergeben, dass der überwiegende Anteil der befragten Banken bereits erste Piloten in den Serviceprozessen einsetzt oder dies unmittelbar plant. Die Ergebnisse dieser Pilotfelder sind nach unserer Ansicht sehr vielversprechend. Jedoch konzentrieren sich diese ersten "Gehversuche" primär auf die Analyse, ob sie technisch machbar sind, weniger auf eine breite Nutzung in allen Geschäftsprozessen. Hierfür fehlt häufig noch das Verständnis, wie diese neuen Technologien so eingesetzt werden können, dass die erwarteten Synergien langfristig im "Change- und Run-Modus" verankert werden.

Die Mehrzahl der befragten Geldhäuser setzt der Studie zufolge Robotic Process Automation (RPA) bereits in der Marktfolge ein. Welche Auswirkungen hat dies auf der Kostenseite bei den Instituten – lassen sich signifikante Einsparungen erzielen, die solche Lösungen attraktiv für die Geldhäuser machen?

Die von uns befragten Unternehmen versprechen sich durch den Einsatz von Robotern erhebliche Einsparungen von durchschnittlich zehn bis 20 Prozent, in der Spitze bis zu 50 Prozent in einzelnen Teilsegmenten. Wir erleben zudem eine Umorientierung in den vorhandenen Sourcing-Strategien. 

Das bedeutet ...?

... dass immer mehr Finanzdienstleister auf weitere Auslagerungen in Niedriglohnstandorte verzichten oder einzelne Teilbereiche wieder zurückholen, um diese durch Roboter zu betreiben. Um die erwarteten signifikanten Einspareffekte realisieren zu können, müssen jedoch die Prozessketten, der Ressourcen-Einsatz-Mix und die Sourcing-Strategien eng aufeinander abgestimmt werden.

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