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Free Access 2022 | Free Access | Chapter

„Firmen können sich Präsenzkultur nicht mehr leisten“: Employer Branding

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Zusammenfassung

Interviewt wurde: Harald Smolak arbeitet als Partner & Leiter der Solution Group Human Capital Management bei der Interim Management Beratung Atreus.
Interviewt wurde: Harald Smolak arbeitet als Partner & Leiter der Solution Group Human Capital Management bei der Interim Management Beratung Atreus (Abb. 1).
Nicht mehr in Jogginghose arbeiten, gehört zu den kleineren Problemen der beendeten Homeoffice-Pflicht. Beschäftige fürchten eher eine Infektion im Büro. Springer Professional sprach mit HR-Experte Harald Smolak über Dos und Don’ts bei der Rückholaktion an den Arbeitsplatz.
Springer Professional: Die Homeoffice-Pflicht ist zum 20. März ausgelaufen. Was halten Sie von einer Rückkehr zur Präsenzkultur?
Harald Smolak: Den alten Status quo wiederherzustellen, ist wenig sinnvoll und nicht durchführbar. Man kann und soll die Zeit nicht zurückdrehen. Die New-Work-Arbeitswelt muss sich an die neuen Möglichkeiten anpassen, die sich in der Pandemie ergeben haben. Hinzu kommt die enorme Verteuerung der Spritkosten, die für die Pendelei zum Arbeitsplatz anfallen. Für Arbeitgeber, die händeringend Fachkräfte suchen, braucht es daher attraktive hybride Arbeitsmodelle und kreative Angebote. Unternehmen sind insbesondere innerhalb der letzten Monate unter Zugzwang geraten, bestehende und potenzielle Arbeitnehmer von sich zu überzeugen. Firmen können sich starre Arbeitsweisen mit Präsenzkultur schlicht nicht mehr leisten, ohne an Attraktivität einzubüßen.
Was sollten Unternehmen bei der Wiederkehr der Angestellten ins Büro unbedingt beachten?
Unternehmen sind gefordert, die erhöhten Sicherheitsansprüche der Angestellten zu bedienen und ihre gewachsenen Gesundheitsbedürfnisse zu berücksichtigen. Bei der Rückkehr muss ein verstärktes Augenmerk auf die Hygienevorschriften gelegt werden. Das ist nach zwei Jahren Pandemieerfahrung eigentlich klar, jedoch gilt heute, ein Arbeitsklima zu schaffen, dass Arbeitnehmer wieder gerne ins Büro kommen lässt. Das erfordert Teamkonzepte, gemeinsame Zeitslots für Kommunikation, die über Video Calls hinausgehen. Es geht um bilateralen Austausch, das Interesse, Kollegen als Menschen mit all ihren Facetten zu verstehen.
Ein gutes Mittel für persönlichen Kontakt in der aktuellen Situation sind sogenannte Walk & Talks. Unternehmen sollten bewusst Formen der Kommunikation nutzen, die uns vor der Pandemie selbstverständlich waren. Während eines gemeinsamen Rundgangs entwickeln sich Dialoge über die gemeinsame Zusammenarbeit oder persönliche Bedürfnisse. Unternehmen müssen ein besseres Gespür dafür bekommen, was ihre Mitarbeiter umtreibt, um dann richtig darauf einzugehen.
Das Arbeiten im Büro wird für viele Beschäftigte gewöhnungsbedürftig sein. Wie sollten Unternehmen ihre Belegschaft daher motivieren?
Hier geht es primär um gegenseitiges Verständnis, also die Wahrnehmungen und Wirkungen aller Stakeholder zu verstehen. Eine offene Feedback-Kultur ist dafür Voraussetzung, um aus der Situation die richtigen Lehren und wertvolle Anpassung vorzunehmen. Das heißt, die Belegschaft dort abzuholen, wo sie aktuell stehen. Es geht um ein aktives Zuhören, was die Angestellten derzeit bewegt und wie das Unternehmen zukünftig die Zusammenarbeit gestalten möchte. Die Interessen aller gehören auf den Tisch müssen diskutiert werden.
Für die Firmen, die die Pandemie nicht genutzt haben, um Homeoffice-Regelungen zu schaffen: Was sind dabei Dos und Don’ts?
Firmen ohne Homeoffice-Regelungen waren wahrscheinlich dazu nicht gezwungen. Bei der Realisierung tun sich gerade Unternehmen im produzierenden Gewerbe schwer. Facharbeiter an der Maschine können nun mal nicht per Joy-Stick die Maschinen vom Homeoffice bestücken, umrüsten und instand setzen. Im dispositiven Bereich braucht es eine moderne IT-Infrastruktur mit Hard- und Software, die eine möglichst einfache Zusammenarbeit unabhängig vom Standort ermöglicht. Dafür müssen die Mitarbeiter geschult und bei Problemen unterstützt werden. Hier ist eine reaktionsschnelle Hotline für die Akzeptanz eines hybriden Arbeitens ein erheblicher Erfolgsfaktor.
Welche Führungsqualitäten passen nicht mehr zu den Post-Corona-Arbeitsmodellen?
Moderne Führungsqualitäten schaffen eine gesunde Balance zwischen transaktionaler Führung, also dem Vereinbaren, Einfordern und Messen gemeinsamer Ziele und einer transformalen Führung, also die Fähigkeit von Führungskräften, ihre Vorbildfunktion überzeugend wahrzunehmen und dadurch Vertrauen, Respekt, Wertschätzung und Loyalität zu erwerben. Mitarbeiter müssen gesehen, wertgeschätzt und als Mensch wahrgenommen werden. Aber eben auch fördern und fordern ist wichtig für eine stabile und langfristige Zusammenarbeit. Kippt die Balance in die eine oder andere Richtung, beeinflusst das nicht nur die Unternehmenskultur negativ, sondern sorgt auch für eine höhere Fluktuation.
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Metadata
Title
„Firmen können sich Präsenzkultur nicht mehr leisten“: Employer Branding
Author
Andrea Amerland
Copyright Year
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-39452-3_4

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