Skip to main content
Top

01-04-2022 | Firmenkunden | Nachricht | Article

BVR rechnet nicht mit Insolvenzwelle

Author: Angelika Breinich-Schilly

2:30 min reading time

Activate our intelligent search to find suitable subject content or patents.

search-config
print
PRINT
insite
SEARCH
loading …

Zwar leiden die Unternehmen nach zwei Jahren Corona-Pandemie nun noch zusätzlich unter den Auswirkungen des Ukraine-Krieges. Dennoch fürchtet der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) keine rasant steigenden Insolvenzzahlen. 

"Unter dem Eindruck des russischen Überfalls auf die Ukraine ist das Geschäftsklima im deutschen Mittelstand abrupt um 14,9 Zähler eingebrochen. Mit minus 9,4 Zählern liegt es jetzt auf einem ähnlichen Niveau wie während der zweiten Covid-Welle im Winter 2020/2021", heißt es im KfW-ifo-Mittelstandsbarometer vom März 2022. Besonders groß sei der Pessimismus unter den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Verarbeitenden Gewerbe. 

Die befragten Entscheider in der Industrie befürchten, längerfristig stark erhöhte Energiepreise, das Risiko von Lücken bei der Gasversorgung sowie neue Engpässe bei wichtigen Rohstoffen aus Russland und der Ukraine. "Hinzu kommen immer neue Lockdowns in China, die die globlen Lieferketten wohl wieder stören werden", so die KfW-Research-Ökonomen.

Moderate Steigerung bei Insolvenzzahlen 

Der BVR erwartet in seinem aktuellen Konjunkturbericht eine Trendwende bei den Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Diese werden 2022 zunehmen, meint BVR-Vorstand Andreas Martin. Das Konjunkturumfeld habe sich durch den Ukraine-Krieg deutlich verschlechtert und viele Unternehmensbilanzen seien nach der Corona-Krise geschwächt. Dennoch erwartet der Verband im historischen Vergleich moderate Steigerungsraten. Zudem seien die Fallzahlen in den Krisenjahren 2020 und 2021 aufgrund der umfangreichen staatlichen Coronahilfen ungewöhnlich niedrig ausgefallen.

Im Hauptszenario der Insolvenzprognose rechnet der BVR im Vorjahresvergleich mit einem Anstieg um rund 20 Prozent auf etwa 16.800 Fälle. In den beiden Jahren 2020 und 2021 waren die Fallzahlen noch um 15,5 Prozent beziehungsweise 11,7 Prozent zurückgegangen. Modellbasierte Schätzungen des BVR signalisieren, dass durch die Hilfen der öffentlichen Hand 2020 bis zu 13.700 und 2021 bis zu 9.500 Unternehmensinsolvenzen verhindert wurden.

Unternehmen gezielt entlasten und finanziell fördern

Erforderlich seien nun "gezielte Entlastungen für stark von gestiegenen Energiepreisen und Lieferkettenproblemen betroffene mittelständische Unternehmen", da auch Unternehmen mit gesundem Geschäftsmodell "existenziell bedroht" sind. Sinnvoll sei beispielsweise eine vorübergehende Absenkung der Stromsteuer sowie die zeitnah bereitgestellte Kreditprogramme der Förderkreditinstitute des Bundes und der Länder "mit umfangreicher staatlicher Haftungsfreistellung für die betroffenen Unternehmen". 

Bei KfW Research sehen die Experten aber auch ein positiveres Szenario in den kommenden Monaten als möglich: Es gebe nach dem Wegfall der meisten Corona-Einschränkungen in Deutschland noch beachtliche Erholungsmöglichkeiten, vor allem im Dienstleistungsbereich, und bei einigen Haushalten auch finanzielle Polster aus den Zeiten der Lockdowns. Daher könne das Wachstum im laufenden Jahr noch immer bei rund zwei Prozent liegen. "Aber auch erheblich schlechtere Entwicklungen bis hin zu einer Stagflation oder Rezession sind möglich, insbesondere wenn es zu einem abrupten und anhaltenden Stopp von Gaslieferungen aus Russland kommen sollte", schränken die Ökonomen ein. 

print
PRINT

Related topics

Background information for this content