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02-04-2020 | Firmenkunden | Im Fokus | Article

Corona-Virus erhöht Risikokosten im Firmenkundengeschäft

Author:
Barbara Bocks
3 min reading time

Die Corona-Pandemie zwingt aktuell viele Menschen weltweit in ihre eigenen vier Wände. Auch zahlreiche Unternehmen leiden unter den Folgen. Das könnte sich langfristig auch in den Bilanzen der hiesigen Geldhäuser niederschlagen.

Die weltweite Corona-Pandemie setzt vielen Firmen stark zu. Aktuell haben 470.000 Unternehmen in Deutschland Kurzarbeit angekündigt. Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor, die die Behörde am 31. März veröffentlicht hat. "Viele Unternehmen kämpfen mit teilweise deutlichen Ertragsrückgängen angesichts eines veränderten Konsumverhaltens und sinkender Investitionen von Privat- und Firmenkunden", sagt Christian Graf, Partner bei Bain & Company, gegenüber springerprofessional.de. Zurzeit gehen etwa das Warenangebot und die Warennachfrage zurück. Auch die internationalen Lieferketten sind laut Graf mancherorts beeinträchtigt.

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Historisch wurde das Firmenkundengeschäft der Banken nicht selten mit dem Kreditgeschäft gleichgesetzt. Auch heute noch nimmt der Kredit im Firmenkundengeschäft eine zentrale Rolle ein.

Firmenkundengeschäft wird zusätzlich belastet

Kreditinstitute in Deutschland verbrennen laut des Corporate-Banking-Indexes von Bain & Company im Januar 2020 ohnehin schon viel Geld im Firmenkundengeschäft. Und die Krise der Unternehmen könnte diese Entwicklung noch verstärken. "Kurz- bis mittelfristig werden angesichts der Corona-Epidemie nahezu alle Kennzahlen wie Gewinn und Verlust sowie die Bilanz stark unter Druck geraten", schätzt Graf. 

Anders als in der Realwirtschaft würden sich die Auswirkungen im Firmenkundengeschäft der Institute allerdings etwas zeitverzögert bemerkbar machen. Durch den Anstieg der Kreditausfälle beziehungsweise der notleidenden Kredite werden aus der Sicht von Graf die Risikokosten der Kreditinstitute massiv steigen. Aufgrund der zunehmenden Volatilität könnten sich im Kapitalmarktgeschäft zwar eventuell beispielsweise durch Cross-Selling leicht positive Effekte ergeben. In Summe werde die Rentabilität jedoch signifikant einbrechen.

Zins- und Tilgungszahlungen stunden

Aktuell beobachtet Graf eine Vielzahl an Maßnahmen und Aktivitäten von Kreditinstituten im Markt, um Unternehmen zu helfen. "Als Beispiele dienen hier vor allem die von der Corona-Epidemie zuerst betroffenen Länder wie China und Italien", erklärt Graf. So könnten Kreditinstitute Graf zufolge die Zins- und Tilgungszahlungen stunden, bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) teilweise auch ohne dass dafür Zinsschulden auflaufen. Ebenso könnten Kreditlinien beziehungsweise -zusagen ausweiten. "Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Banken Zahlungsmodalitäten oder Kreditzusagen entlang der aktuellen Entwicklungen anpassen", so Graf weiter.

Nothilfen unter anderem durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und andere Förderbanken sind bundesweit auf den Weg gebracht. Der Sparkassenpräsident Helmut Schleweis bemängelt allerdings in einem aktuellen "Handelsblatt"-Interview, dass Unternehmen, die die Hilfe am dringendsten brauchen, nicht auf diese zugreifen könnten. Bei dem Programm der KfW könnten nur Firmen einen Kredit erhalten, die diesen aller Voraussicht nach innerhalb von fünf Jahren zurückzahlen könnten. Das könnten aber viele Firmen laut des Sparkassenpräsidenten nicht schaffen.

Aktuell weniger Akquise von Neukunden

Generell lassen sich die Risiken der Pandemie für die Institute Graf zufolge "aktuell noch nicht in Gänze abschätzen". Diese hängen unter anderem auch von den staatlichen Stützungspaketen für Firmenkunden sowie der Ausgestaltung möglicher regulatorischer Anpassungen ab. "Angesichts dieser Unsicherheit halten sich viele Marktteilnehmer vorerst mit einer aggressiven Akquise von Neukunden zurück", beobachtet Graf. Daher liegt der Fokus im Firmenkundengeschäft aus Sicht des Experten momentan auf dem eigenen Kundenportfolio, "um dort die Risiken zu managen und sich bei Bestandskunden für die Zeit nach der Pandemie zu positionieren".

Neben der Corona-Pandemie führen auch weiterhin "Megatrends wie der demografische Wandel, die Klimaveränderung, die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten, die fortschreitende Digitalisierung zu massiven strukturellen Veränderungen in der Wirtschaft", schreibt Bankmagazin-Autor Nicolas Blanchard im Beitrag "HCOB konzentriert sich auf das Wesentliche" der aktuellen April-Ausgabe. Denn die Konkurrenz darunter Fintechs, institutionelle Investoren Kreditfonds drängen laut Blanchard "mit innovativen Produkten, neuen Services und frischem Kapital" auf den Markt. Die Geldhäuser sollten sich laut Graf im Firmenkundengeschäft daher auf schwere Zeiten einrichten.

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier

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