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Zahlungsausfälle belasten die Liquidität

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Die laxe Zahlungsmoral unter Firmen schwächt die Liquidität der Rechnungssteller. Besonders das Baugewerbe, der Maschinenbau und die Autoindustrie sind laut einem aktuellen Report betroffen. Unternehmen sollten daher Gegenmaßnahmen ergreifen. 

Werden Rechnungen häufig zu spät oder gar nicht bezahlt, bedrohen diese Ausfälle ganze Lieferketten. 


Das aktuelle Atradius-Zahlungsbarometer belegt, dass die wirtschaftliche Unsicherheit im B2B-Geschäft immer häufiger zu Zahlungsstörungen führt. Dem Report zufolge werden 57 Prozent der Rechnungen zu spät und immerhin acht Prozent gar nicht beglichen. Das belastet die Liquidität vieler Unternehmen. Vor allem Firmen aus der Baubranche, dem Automobilsektor und dem Maschinenbau sind besonders betroffen.

Die Kombination aus wirtschaftlichem Druck und gestiegenen Finanzierungskosten zwingt Unternehmen, ihre Finanzierungsstrategien zu überdenken. Zahlungsrisiken können nicht mehr allein intern abgefedert werden", beurteilt Frank Liebold, Country Director Deutschland bei Atradius, die aktuelle Lage betroffener Betriebe. 

Unternehmen halten oft an Zahlungsbedingungen fest

Erstaunlich ist allerdings, dass 54 Prozent der Unternehmen an ihren bisherigen Zahlungsbedingungen festhalten, um Geschäftsbeziehungen nicht zu gefährden. In der besonders stark betroffenen Maschinenbauindustrie sind es sogar 80 Prozent. Insgesamt erfolgen 47 Prozent aller B2B-Verkäufe auf Kreditbasis mit durchschnittlichen Zahlungszielen von 60 Tagen, heißt es weiter.

Alternative Finanzierungsstrategien sollen die Liquidität stärken: 43 Prozent nutzen vermehrt Rechnungsfinanzierung und setzen offene Forderungen als Sicherheiten ein. Zudem ist die Verzögerung von Lieferantenzahlungen eine beliebte Praxis, die in der gesamten Lieferkette allerdings zu Liquiditätsengpässen führen kann. "Wir beobachten den Trend, dass deutsche Unternehmen ihr Working Capital Management anpassen, um sich angesichts der unsicheren Wirtschaftslage besser gegen Zahlungsrisiken zu wappnen", betont Liebold.

Branchen reagieren unterschiedlich

Während der Anteil der Kreditverkäufe im Bausektor mit 49 Prozent stabil bleibt, werden etwa zwei Drittel aller Rechnungen verspätet beglichen. Allerdings ist die Zahl der Forderungsausfälle auf fünf Prozent gesunken. Der Report erklärt dies mit einem effizienteren Zahlungseinzug. Dennoch binden Lagerbestände weiterhin Kapital und lassen die Betriebskosten steigen.

Im Maschinenbau werden 52 Prozent aller Verkäufe über Kredit abgewickelt. Und auch hier sorgen Lagerbestände für hohe Kosten. Zudem sind mehr als die Hälfte aller Rechnungen überfällig. Mit rund zehn Prozent ist die Anzahl an uneinbringlichen besonders hoch. Nur die Autoindustrie liegt mit zwölf Prozent noch höher. "Die angespannte Zahlungsmoral wirft berechtigte Fragen zur langfristigen Tragfähigkeit der aktuellen Lieferantenkreditrichtlinien auf", so Liebold. 

Ausblick bleibt pessimistisch

Und dass die Lage mittelfristig besser wird, glauben die Unternehmen nicht. 62 Prozent erwarten einen Anstieg der Insolvenzen im B2B-Geschäft. In der Baubranche sind es sogar 66 Prozent. Rund ein Drittel rechnet mit einer weiteren Verschärfung der Zahlungsbedingungen, sowohl durch längere Fristen von Kunden als auch durch kürzere Zahlungsziele seitens der Lieferanten. Diese Prognose führt zu einer Neuausrichtung des Risikomanagement - je nach Branche und Risikoprofil.

"Unternehmenskrisen sind keine singulären Ereignisse, sie kündigen sich in der Regel früh durch ihre Symptome an. Trotzdem werden sie oft zu spät erkannt oder es wird zu spät angemessen auf sie reagiert", schreibt Bert Overlack in der Zeitschrift "Controlling & Management Review" vom Sommer 2024. Er verweist auf die sechs Krisenstadien, die das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW) unterscheidet: Stakeholder-, Strategie-, Markt-/Absatz-, Erfolgs- und Liquiditätskrise sowie die Insolvenz.

Auf das Kostenmanagement kommt es an

Für den Berater, der Unternehmen in diesen Phasen begleitet, gehört zu einem erfolgreichen Krisenmanagement auch ein funktionierendes Kostenmanagement. Spätestens in der Erfolgs- und Liquiditätskrise brauche es Analysen, die zeitnahe und ursachengerechte Ergebnisse liefern. "Pauschale Kostensenkungsmaßnahmen sind häufig nicht ursachenorientiert. Sie können dazu führen, dass in Bereichen gespart wird, die für den Turnaround und den Erfolg essenziell sind", rät der Experte. 

Zur Prävention und Bewältigung solcher Herausforderungen seien geeignete Kostenmanagementinstrumente eine notwendige, "aber noch keine hinreichende Voraussetzung". Dennoch liefern sie Analysen, auf deren Basis Entscheider handeln. Diese müssen allerdings bereit sein, Krisensymptome zu erkennen und die Instrumente zu nutzen. 

Mögliche Maßnahmen gegen Zahlungsausfälle

Grundsätzlich gibt es zahlreiche Maßnahmen, die in Fällen einer sich verschlechternden Zahlungsmoral sinnvoll sind. Hierzu gehören unter anderem:

  • Regelmäßige Bonitätsprüfungen vor Vertragsabschluss und bei bestehenden Kundenbeziehungen.
  • Die Etablierung interner Risikoklassen zur differenzierten Behandlung von Kunden nach Zahlungsverhalten und Kreditwürdigkeit.
  • Frühwarnsysteme für kritische Entwicklungen, etwa im durch Analyse von Zahlungsverzögerungen, Rücklastschriften oder Auftragsstornierungen.
  • Die Anpassung der Zahlungsbedingungen - beispielsweise kürzere Zahlungsziele, Teilzahlungsvereinbarungen oder Vorkasse bei Risikokunden.
  • Skonto-Anreize für frühzeitige Zahlung sowie Verzugszinsen und Verzugsschadenpauschalen bei verspäteter Zahlung können vertraglich festgelegt werden.
  • Auch klar definierte Allgemeine Geschäftsbedingungenmit transparenten Regelungen zu Fälligkeit, Mahnwesen und Inkasso.
  • Ein automatisiertes Mahnwesen mit klar strukturierten Eskalationsstufen hilft, Zahlungsprozesse besser im Blick zu behalten. 
  • Das Controlling sollte zudem offene Posten regelmäßig analysieren und überfällige Forderungen frühzeitig identifizieren.
  • Gegebenenfalls können in bestimmten Branchen Kreditversicherungen zur Absicherung gegen Forderungsausfälle sinnvoll sein - etwa bei internationalen oder risikobehafteten Kunden.
  • Unternehmen sollten Factoring oder Rechnungsfinanzierung nutzen, um Liquidität zu sichern und das Risiko auszulagern.
  • Schließlich dienen regelmäßige Schulungen im Vertrieb und Rechnungswesen dazu, Risiken früh zu erkennen und schnell zu reagieren. 
  • Notwendig ist dabei eine enge Zusammenarbeit zwischen Vertrieb und Finanzabteilung bei Zahlungszielverhandlungen.

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