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2023 | Book

Fridays for Future

Einordnung, Rezeption und Wirkung der neuen Klimabewegung

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About this book

Der Sammelband verfolgt das Ziel, eine erste umfassende Bilanz zur Rezeption und Wirkung der "Fridays for Future"-Bewegung vorzunehmen. Im ersten Teil stellen die Autor*innen in verschiedenen Kapiteln den Stand der sozialwissenschaftlichen Forschung zur Bewegung dar. Im zweiten Teil des Bandes widmen sich die Autor*innen den Wirkungen, die "Fridays for Future" auf unterschiedlichen Dimensionen der Gesellschaft hat. Die Beiträge in diesem Teil gehen der Frage nach, wie die Bewegung u.a. politische Parteien, lokale und regionale Akteure oder auch die Wissenschaft insgesamt beeinflusst hat, bzw. welche Impulse sie setzen konnte.

Table of Contents

Frontmatter

Ein Blick auf Fridays for Future aus unterschiedlichen Disziplinen

Frontmatter
Fridays for Future als neue Art des Klimaaktivismus – Vom kometenhaften Aufstieg einer jungen Bewegung
Zusammenfassung
Die Fridays For Future Bewegung hat seit ihrer Gründung im Jahr 2018 maßgeblich zur zivilgesellschaftlichen Mobilisierung beigetragen und hat Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes mit Nachdruck auf die Agenda gesetzt. Vor diesem Hintergrund haben sich verschiedene sozialwissenschaftliche Disziplinen diesem Phänomen genähert. Daran anschließend bieten wir im folgenden Kapitel einen Überblick zur Entwicklung der Bewegung und verorten sie im historischen Kontext früherer Umweltbewegungen. Anschließend beschreiben wir die Ziele und den Aufbau des Sammelbandes und verdeutlichen damit, wie die einzelnen Beiträge ein Gesamtbild der Forschungserkenntnisse zu dieser Bewegung darstellen. Den Abschluss bildet eine Zusammenfassung der Kernelemente des Buches und damit eine Diskussion zu den wichtigsten lessons learned zur Forschung über Fridays for Future.
Anna Soßdorf, Jan Pollex
Fridays for Future zwischen ‚follow the science‘ und ‚system change‘: Entwicklung einer politischen Bewegung
Zusammenfassung
Seit den ersten Klima-Schulstreiks im August 2018 in Stockholm hat sich Fridays for Future zu einer weltweit aktiven und vernetzten Massenbewegung entwickelt. Über einen relativ kurzen Zeitraum hat sich die Bewegung dabei nicht nur im Sinne ihrer Organisations- und Kommunikationsformen gewandelt, sondern auch eine immer ausdifferenziertere politische Agenda formuliert. Während der Fokus anfangs auf Apellen zur Überparteilichkeit und Forderungen zur Umsetzung klimawissenschaftlicher Fakten in entsprechende Gesetze lag, wurden im weiteren Verlauf explizit gesellschaftspolitische Ziele wie Klimagerechtigkeit, die Unterstützung marginalisierter Gruppen oder die Kritik an kapitalistischen Wirkungslogiken mit den Forderungen der Bewegung verknüpft. Dieser Beitrag zeichnet die vielschichtige Entwicklung dieser Ausdifferenzierung und potenziellen Politisierung von Fridays for Future nach. Beantwortet werden dabei zwei zentrale Fragen: Erstens, inwieweit werden explizit politische Ziele mit den Forderungen von Fridays for Future verknüpft? Zweitens, welche Bedeutung ergibt sich daraus für das Verständnis von Fridays for Future als politische Bewegung? Zur Beantwortung dieser Fragen werden Erkenntnisse zur (Ent)politisierung der Klimapolitik mit konzeptionellen Überlegungen der sozialen Bewegungsforschung verknüpft. Dazu werden die Problem-, Ziel- und Prozess-Dimension von Politisierung erörtert und auf Fridays for Future angewandt. Eingebettet in eine breite politikwissenschaftliche Debatte beleuchtet das Kapitel die (Ent)politisierung der Klimaproteste in Deutschland. Mithilfe illustrativer Beispiele wird deutlich, dass sich die Bewegung dabei in einem Spannungsverhältnis zwischen fundamentaler Systemkritik und reformorientierten Ansätzen bewegt.
Jens Marquardt
Hintergründe und Dynamiken erfolgreicher Mobilisierung: Fridays for Future aus Sicht der Bewegungsforschung
Zusammenfassung
Der Beitrag beleuchtet die Fridays for Future-Bewegung aus der Sicht der Protest- und Bewegungsforschung. Hierzu werden in einem ersten Schritt zentrale Fragen und Ansätze dieser Forschung aus der Makro-, Meso- und Mikroperspektive skizziert, darunter das Verständnis von Protest als Ausdruck gesellschaftlicher Transformationsprozesse, die Rolle von Gelegenheitsstrukturen, Fragen von Ressourcen, Framing und Repertoires, die individuellen Bedingungen von Protest sowie dessen Auswirkungen auf Kultur, Politik und Gesellschaft. In einem zweiten Schritt bietet der Beitrag einen Überblick zur bisherigen Forschung zu diesen zentralen Dimensionen am Beispiel der Fridays for Future-Bewegung und identifiziert Bereiche, die bisher weniger stark Berücksichtigung gefunden haben.
Sebastian Haunss, Moritz Sommer, Priska Daphi
Zwischen politischem Protest und Selbsttransformation. Erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf Fridays for Future
Zusammenfassung
Fridays for Future (FfF) hat in den vergangenen Jahren nicht nur für die klimapolitische Debatte eine wichtige Rolle gespielt. Auch für die Teilnehmenden selbst hat die Mitwirkung in der Bewegung eine entscheidende Bedeutung. In dem Artikel wird aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive gefragt, welche Lern- und Bildungsprozesse sich bei jungen FfF-Engagierten zeigen können und wie diese sich potenziell vollziehen. Dazu wird in einem ersten Schritt erläutert, wie sich im Jugendalter politische Identität entwickelt und welchen Beitrag die Teilnahme an einer sozialen Bewegung dazu leisten kann. In einem zweiten Schritt werden aktuelle Befunde zur Thematik Jugend und Nachhaltigkeit dargestellt, um zu zeigen, dass sowohl die Herausforderungen der Klimakrise zum Aufkommen von FfF beigetragen haben als auch die spezifische gesellschaftspolitische Situation junger Menschen. Davon ausgehend wird argumentiert, dass FfF nicht nur einen Raum für klimapolitische Forderungen darstellt, sondern auch ein informeller Lernort für die jungen Menschen sein kann. Wir fragen hier: Welche Aspekte der Bewegung sind für die Teilnehmenden besonders identitätsstiftend? Was und wie lernen die Teilnehmenden, indem sie die Bewegung mitgestalten? Was macht den informellen Lernort soziale Bewegung aus? Inwiefern kann das Lernen als transformatives Lernen beschrieben werden? Und in welchem Verhältnis steht das Lernen in FfF zu Bildungskonzepten wie Bildung für nachhaltige Entwicklung? Insbesondere, wenn nicht nur die politische Arbeit zur Transformation nachhaltigkeitspolitischer Debatten im Mittelpunkt steht, sondern auch die Veränderung eigener Praktiken im Sinne einer lebensstilorientierten Selbsttransformation, kann aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive von Ergebnissen der Bewegung auf mehreren Ebenen gesprochen werden.
Mandy Singer-Brodowski, Inga Thao My Bui
Die (un)endliche Geschichte. Fridays for Future und die Klimakrise im medialen Diskurs. Eine Einordnung aus Sicht der Medienforschung
Zusammenfassung
Auch fünf Jahre nach Beginn der Fridays for Future Proteste tragen die Medien maßgeblich dazu bei, die Klimarechte von Kindern und die Verantwortung des globalen Nordens in Punkto Klimapolitik ins öffentliche und politische Bewusstsein zu rücken. Das „Wie“ der Erzählung bleibt jedoch oft ambivalent. Vor dem theoretischen Hintergrund des Medienframings (Entmann 1993) zeichnet dieses Kapitel die mediale Berichterstattung über die FfF-Proteste in der (inter)nationalen Presse von 2018–2021 in einer kommentierten Literaturschau nach. Obwohl die Berichterstattung über FfF anfangs Erzählmustern des Protest Paradigms folgt, wird Klimawandel mehr und mehr durch die Linse von Generations- und geographischer Ungleichheit erzählt. Intersektion zwischen der globalen Klimakrise und Covid-19 sowie die Folgen des Ukrainekriegs könnten das beginnende Klimagerechtigkeitfsraming des FfF-Diskurses weiter universalisieren.
Lena von Zabern
Wie wird zu Fridays for Future geforscht? Überblick zur Vielfalt der Forschungsansätze
Zusammenfassung
Die Fridays for Future Bewegung wird aus verschiedenen Perspektiven erforscht. In den letzten Jahren hat sich daher ein beachtlicher Korpus an Beiträgen entwickelt. Hierbei gehen Forscher:innen unterschiedlichen Fragestellungen nach und nutzen unterschiedliche analytische Perspektiven sowie methodische Zugänge. Im folgenden Beitrag verfolgen wir das Ziel, einen Überblick hierzu zu erstellen, die zentralen Fragen, Methoden, Datenbasen und Vorgehensweisen der bestehenden Forschung abzubilden und zu systematisieren. Wir knüpfen dabei an bestehende Forschung zur Methodik der Bewegungsforschung an und zeigen, dass auch die Analyse der Fridays for Future Bewegung durch einen Methodenpluralismus gekennzeichnet ist. Vor allem die Nutzung von Daten, die über soziale Medien erhoben werden, stellt hierbei eine Innovation in der Bewegungsforschung dar, die auch in Analysen zu Fridays for Future angewendet wurden. Wir zeigen im Beitrag zudem, dass die Forschung zur Bewegung durch einen geografischen Fokus vor allem auf Europa gekennzeichnet ist. Unsere Untersuchung identifiziert einige relevante Desiderate im Hinblick auf Forschung zu Fridays for Future, die wir abschließend als Anknüpfungspunkte für zukünftige Forschung vorschlagen.
Jan Pollex, Anna Soßdorf

Der Einfluss und die Wirkung der Fridays for Future Bewegung

Frontmatter
„Wir sind kein Partikularinteresse.“ Über das unterschiedliche Politikverständnis von Fridays for Future und politischen Parteien
Zusammenfassung
Die Beziehungen zwischen sozialen Bewegungen einerseits und politischem System andererseits waren nie in Stein gemeißelt, sondern wurden zu verschiedenen Zeitpunkten stets anders ausformuliert. So stand für die Arbeiterbewegung, die konservativen und katholischen Milieus bis in die 1930er Jahre, sowie die grün-ökologischen Bewegungen der 1980er Jahre selbstverständlich fest, dass es einer verlässlichen Kommunikation zwischen parlamentarischer wie außerparlamentarischer Organisation bedürfe, um die eigenen Ziele zu erreichen. Die Fridays for Future (FfF) Demonstrationen seit 2019 haben hier einen anderen Weg gewählt, welcher auch aus einer demokratietheoretischen Perspektive hochinteressant ist. Denn FfF hat von Beginn an erklärt, sich von der Parteipolitik fernzuhalten. Ihre klimapolitischen Forderungen sollten der parlamentarischen Debatte enthoben werden, da es sich um wissenschaftlich objektive Wahrheiten handle, welche es möglichst ohne Abzüge umzusetzen gelte (Moor et al., 2021). In diesem Beitrag möchte ich auf der Grundlage qualitativer Tiefeninterviews mit Aktivist:innen und Parteipolitiker:innen nachgehen, wie einerseits Organisator:innen von FfF parlamentarische Repräsentation und Politik verstehen, und wie andererseits Parteipolitiker:innen auf Aktivist:innen und ihr Engagement blicken. Welche unterschiedlichen Ideen von Demokratie und welche Logiken des Zusammenspiels von Institutionen und außerparlamentarischer Mobilisierung treffen hier aufeinander? Damit möchte ich gleichzeitig einen Beitrag zum besseren Verständnis dessen leisten, wie sich die Beziehungen zwischen Zivilgesellschaft, Bewegungen und traditionellen politischen Kanälen wandeln – und zur Frage, wie eine umfassende gesellschaftliche Transformation des Klimawandels zu organisieren wäre.
Felix Butzlaff
Vom Verschmelzen alter und neuer Konfliktlinien. Gesellschaftliche Polarisierung in der Auseinandersetzung um Energie- und Klimapolitik
Zusammenfassung
Die Energie- und Klimapolitik in Deutschland hat sich in den letzten Jahren zu einem polarisierten Politikfeld entwickelt. Dabei wird das Thema von zwei gegenüberliegenden Seiten politisiert: Zum einen demonstrieren seit Ende des Jahres 2018 überwiegend jüngere Menschen in urbanen Zentren unter anderem im Rahmen der Fridays for Future-Bewegung für mehr Klimaschutz und eine konsequente Klimapolitik. Zum anderen nehmen insbesondere in ländlichen Regionen die Proteste gegen den Ausbau erneuerbarer Energien und Stromtrassen stetig zu. Aufbauend auf qualitativen Interviews und Fokusgruppen sowohl mit Aktivist:innen von Fridays for Future (Erhebung 2019) als auch mit lokalen Gegner:innen von Energiewendeprojekten (Erhebung 2012–2018), beleuchten wir die Frage, welche alten und neuen gesellschaftlichen Konfliktlinien von den Protestierenden beider Seiten thematisiert und adressiert werden. Auf der Einstellungsebene finden wir Hinweise für eine verfestigte Spaltungslinie, die nicht nur die Polarisierung zwischen Kommunitarismus und Kosmopolitismus, sondern gleichfalls eine Reaktivierung der Konfliktlinien zwischen Stadt und Land sowie Zentrum und Peripherie thematisiert. Wir argumentieren, dass diese Konflikte nicht nur reaktiviert und adressiert werden, sondern sich im Politikfeld der Energie- und Klimapolitik überlagern, miteinander verschmelzen und somit verfestigen. Eine Folge der Fridays for Future-Bewegung und der Aktivitäten der Gegner:innen des Ausbaus erneuerbarer Energien könnte demzufolge ein erstes Anzeichen für die Transformation gesellschaftlicher Konfliktlinien sein.
Stine Marg, Julia Zilles
Parteireaktionen auf die Fridays for Future-Bewegung im Deutschen Bundestag
Zusammenfassung
Wie reagieren die deutschen Parteien auf die Fridays for Future-Bewegung, wie lassen sich die verschiedenen Reaktionsmuster verstehen und wie beeinflussen sie das Parteiensystem? Der vorliegende Beitrag stellt verschiedene formale und inhaltliche Handlungsoptionen vor, wie politische Parteien auf soziale Bewegungen und Protestakteur:innen reagieren können, und verbindet damit zentrale Ansätze der Parteien- und Bewegungsforschung. Empirisch werden die Parteireaktionen auf die FfF-Bewegung im Deutschen Bundestag untersucht. Der Fokus liegt dabei auf den parlamentarischen Initiativen der 19. Legislaturperiode, in der die FfF-Bewegung entstanden ist und auch in Deutschland großen Aufschwung erfuhr. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich alle Parteien mit der Klimabewegung auseinandersetzten, jedoch nur vereinzelt mit ihr kooperierten und ihre Positionen auf unterschiedliche Weise aufgriffen. Die verschiedenen Reaktionsmuster lassen sich unter anderem auf die inhaltliche Ausrichtung der Parteien sowie die Trennung zwischen Regierungs- und Oppositionsfraktionen zurückführen. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass der Umgang mit klimapolitischen Forderungen und Bewegungen die Polarisierung des Parteienwettbewerbs weiter verstärken könnte.
Anna-Sophie Heinze
Fridays for Future auf lokaler Ebene. Aktivität und Stärke der Ortsgruppen in deutschen Städten
Zusammenfassung
Unser Beitrag fokussiert auf die Aktivität und Stärke von Fridays for Future (FfF)-Ortsgruppen in 21 deutschen Groß- und Mittelstädten. Unsere Analyse beruht auf 24 Interviews mit Klima- und Umweltaktivist:innen (zumeist von FfF) und der Auswertung zentraler stadtpolitischer Dokumente. Die untersuchten Städte unterscheiden sich stark hinsichtlich der bisherigen Klimaschutzaktivitäten der Stadtverwaltungen und lassen sich in drei Gruppen gliedern: Vorreiterstädte, Städte im Mittelfeld und Nachzüglerstädte. In Vorreiterstädten, die allesamt auch Universitätsstädte sind, hat FfF zahlenmäßig den größten Zulauf und entfaltet die stärkste Wirkung. Dies liegt auch daran, dass ihre Ziele und Anliegen hier eine hohe Akzeptanz in Stadtgesellschaft und Stadtpolitik erfahren. Städte im Mittelfeld weisen hingegen ein sehr uneinheitliches Bild auf. Während manche – ebenfalls ausschließlich Universitätsstädte – sehr viele Ähnlichkeiten mit Vorreiterstädten aufweisen, ist die Durchschlagkraft der FfF-Ortsgruppen sowie deren Standing in Stadtgesellschaft und Stadtpolitik in den anderen Städten deutlich geringer. In Nachzüglerstädten fällt FfF-Ortsgruppen die Mobilisierung von Mitstreiter:innen schwer. Sowohl Stadtgesellschaft als auch Stadtpolitik stehen ihren Forderungen hier eher gleichgültig oder gar ablehnend gegenüber.
Wolfgang Haupt, Peter Eckersley, Janne Irmisch, Kristine Kern
Zwischen ‚Blahblahblah‘ in den Hallen und ‚realem Wandel‘ auf den Straßen. Ein Feldbericht von Fridays for Future auf der COP26 in Glasgow
Zusammenfassung
Klimakonferenzen sind seit jeher ein zentraler Mobilisierungspunkt für die Klimabewegung und auch die Geschichte von Fridays for Future (FfF), die vor allem durch nationale Proteste bekannt geworden sind, ist eng mit der Conference of the Parties (COP) verzahnt. Der vorliegende Feldbericht zeichnet auf Basis einer globalen Event-Ethnographie auf der COP26 die spezifische Rolle von FfF im Kontext der Breite der Klimabewegung nach. Es zeigt sich, dass FfF medienwirksame und symbolträchtige Aktionsformen innerhalb und außerhalb der Konferenzhallen nutzt und damit versucht, marginalisierte Akteur:innen nach vorne zu stellen. Zwar vermieden die Aktivist:innen die Teilnahme an offiziellen Events wie Panels, dennoch distanzierte sich die Bewegung nicht vollends von der internationalen Klimapolitik. Kritik richtet sich insbesondere gegenüber empfundenen leeren Versprechungen und Greenwashing. Medienlogik und die Organisation der Konferenz, aber auch die eigene Positionierung stellen indes Hindernisse für FfF dar, eine kommunikative Umformung hin zu einem Klimagerechtigkeits-Narrativ vollends zu vollziehen. Es zeigen sich allgemeine Dilemmata für Bewegungsakteur:innen, wenn diese versuchen, die Klimakonferenzen für eine Gegen-Öffentlichkeit und die Darstellung eigener Visionen zu nutzen.
Christopher N. Pavenstädt
Zwischen Effizienz und Basisdemokratie – Entscheidungen bei Fridays for Future
Zusammenfassung
Dieser Beitrag wirft einen Blick auf die internen Abläufe bei Fridays for Future in Deutschland. Die Grundlage bildet ein Citizen Science Projekt, bei dem einige Aktivist:innen der Bewegung als Mitforschende den Forschungsprozess mitgestalten und prägen. Der Beitrag fokussiert die Frage, wie Entscheidungen bei FfF gefällt werden. Es wird analysiert, wie Entscheidungsprozesse vorbereitet, moderiert und abgeschlossen werden. Ebenso wird diskutiert, welche Rolle bestimmte Einflussfaktoren spielen und wie FfF mit den Herausforderungen einer wachsenden Organisation im Hinblick auf die Entscheidungsfindung umgehen. In diesem Zuge werden Befunde aus Beobachtungen, Interviews und einer Online-Studie vorgestellt, die in Zusammenarbeit mit den Mitforschenden erhoben und ausgewertet wurden.
Anna Soßdorf, Witold Mucha, Laura Ferschinger, Viktor Burgi
Klimaberichterstattung im Wandel – Fridays for Future und die Medien
Zusammenfassung
Fridays for Future (FfF) hat den Klimadiskurs verändert. Inwiefern hat die Bewegung auch die Medienberichterstattung über die Klimakrise geprägt? Und welche Rolle nimmt Fridays for Future darin ein? Darum geht es in den Gesprächen mit vier Journalist:innen. Die Gespräche zeigen, dass es eine Wechselwirkung gibt zwischen Fridays for Future und den Medien. Auch die Berichterstattung über die Bewegung hat sich verändert. Zudem scheint der Journalismus ein Stück weit im Umbruch: In den letzten Jahren sind international, aber auch in Deutschland, neue Formate entstanden, die ihren Schwerpunkt auf Klima- und Umweltthemen legen. Gleichzeitig hadern viele Medien offenbar mit ihrer Verantwortung, der Klimakrise in ihrer Berichterstattung gerecht zu werden.
Lea Busch
Metadata
Title
Fridays for Future
Editors
Jan Pollex
Anna Soßdorf
Copyright Year
2023
Electronic ISBN
978-3-658-41447-4
Print ISBN
978-3-658-41446-7
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-41447-4