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Mentale Gesundheit ist der Schlüssel zur Produktivität

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Die Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland schnellen nach oben. Ein bedeutender Teil ist auf mentale Belastungen am Arbeitsplatz zurückzuführen. Arbeitgeber müssen diese evaluieren und beseitigen. Wie sie dabei am besten vorgehen.

Psychische Belastung im Job entsteht durch viele Faktoren: Schlechte Tools, Mobbing oder miese Kommunikation können die Gesundheit deutlich beeinträchtigen.


Die mentale Erschöpfung in Unternehmen lässt sich mit Zahlen dokumentieren: Gefühlt täglich berichten Unternehmen und Krankenkassen über den Anstieg krankheitsbedingter Fehltage. Unbestritten ist, dass einer der Treiber dieser Entwicklung psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind. Laut DAK und Statista zählte die AOK 2022 durchschnittlich 159,8 Arbeitsunfähigkeitstage je 1.000 Mitglieder aufgrund einer Burn-out- Diagnose. Hochgerechnet auf 40 Millionen gesetzlich krankenversicherte Beschäftigte ergeben sich für 2022 rund 5,3 Millionen Krankheitstage wegen psychischer Belastungen (Statista). Angesichts dieser seit dem Jahr 2000 zu beobachtenden Entwicklung (siehe Grafik), besteht seit 2014 für alle Arbeitgeber, die Pflicht, eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen (GpB) (ArbSchG §5 Abs. 3 Ziffer 6) durchzuführen.

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2024 | Book

Psychische Gefährdungsbeurteilung

Impulse für Klein- und Kleinstunternehmen

Dieses essential befasst sich mit dem Thema der Psychischen Gefährdungsbeurteilung mit besonderem Fokus auf Klein- und Kleinstunternehmen. Die beiden Wirtschaftspsychologinnen Melanie Meyer-Tischler und Melanie Faltermeier zeigen auf, welche Impulse Kleinunternehmen für zukünftige Beurteilungen von psychischen Gefährdungen nutzen können und liefern Handlungsempfehlungen für die Durchführung.

Positive Effekte der GpB sind direkt sichtbar

Originäre Ziele der GpB sind auf Grundlage der EU-Rahmenrichtlinie 89/391/EWG, mentale Belastungen am Arbeitsplatz zu erkennen und Maßnahmen zu entwickeln, um die erkannten Gesundheitsrisiken zu reduzieren. Doch dieser Pflicht wird auch heute trotz drohender Bußgelder und möglicher Regressforderungen der Rentenversicherungen und Berufsgenossenschaften nur schleppend nachgekommen. Der DEKRA Arbeitssicherheitsreport 2023 spricht von rund 56 Prozent der Unternehmen, die keine GpB durchführen und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gibt für das Jahr 2020 an, dass nur 31 Prozent der Unternehmen eine GpB für alle Arbeitsplätze durchgeführt haben. 

Kaum verständlich, denn es gilt als gesichert, dass die Verringerung mentaler Belastungen ein großer Schritt ist, um krankheitsbedingte Fehlzeiten und Fluktuation zu reduzieren und die Situation im gesamten Unternehmen grundlegend zu verbessern. Diejenigen, die sich entschlossen haben, auf Basis einer umfassenden Gefährdungsbeurteilung die mentale Gesundheit zu fördern, bestätigen die positiven wirtschaftlichen Effekte, etwa durch die Steigerung der Produktivität. Diese sind mindestens genauso groß wie der Gesundheitseffekt durch die Reduktion mentaler Stressfaktoren am Arbeitsplatz.

Dass sich mit der GpB enorme Chancen für die Steigerung von Engagement, Verantwortungsbewusstsein und Produktivität im Unternehmen ergeben, ist vielen Entscheidern nicht bewusst." Wolfram Schön, Organisations- und Wirtschaftspsychologe

Richtig durchgeführt, kommt es zu nachfolgenden positiven Auswirkungen, die auch vom Fraunhofer IAO bestätigt wurden. Es ist selbstredend, dass diese Effekte weit über jene für die mentale Gesundheit hinaus gehen. 

  • Steigerung von Zufriedenheit,
  • Erhöhung der Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft,
  • Verringerung von Fehlzeiten und Fluktuation,
  • Höhere Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität,
  • Verbesserung des Arbeitsklimas,
  • Impulse zur Optimierung von Prozessen und Abläufen im gesamten Unternehmen,
  • Mehr innerbetriebliche Zusammenarbeit und Kommunikation,
  • Steigerung von Engagement und Produktivität im Unternehmen.

Sobald sich ein Unternehmen nicht allein darauf beschränkt, der Pflicht Genüge zu tun, sondern vorhandene mentale Belastungen zu identifizieren, Maßnahmen zu deren Reduktion zu entwickeln, und damit ein gesundheits- und zugleich produktivitätsförderliches Umfeld zu schaffen, wird sich die Investition in eine umfassende GpB selbst refinanzieren. Anders gesagt: Durch die Vielzahl der auf die Gesundheit bezogenen positiven, aber auch für die Produktivität relevanten Effekte, rechnet sich die Investition in eine vollfassende GpB mehrfach.

Was Beschäftigte besonders stresst

Die Ursachen psychischer Belastungen und von mentalem Stress sind hohe Arbeitsintensitäten, geringer Handlungsspielraum und wenig gestalterische Möglichkeiten. In GpB-Projekten zeigen sich zudem oft Aspekte wie mangelndes Feedback, Rollenunklarheit, ein wenig effektiver Informationsfluss sowie unklare Prozesse als Ursachen für Unzufriedenheit und Stress am Arbeitsplatz. Daraus resultierende körperliche Reaktionen sind eine schnelle Erschöpfung, mangelnde Belastbarkeit, gesteigerte Reizbarkeit und Niedergeschlagenheit - alles Wege in Richtung Burn-out.  

Die daraus folgenden innerbetrieblichen Auswirkungen wiegen schwer. Eine hohe Unzufriedenheit reduziert die Motivation, das Engagement und die Leistungsbereitschaft. Zudem nehmen abwesende Mitarbeitende nicht am Arbeitsprozess teil. Fehlzeiten verursachen Störungen im Arbeitsablauf, erzwingen Umverteilungen von Aufgaben, Umorganisation und führen so zu einer Erhöhung der Arbeitsbelastung und damit nicht selten zu einer noch weiter steigenden Unzufriedenheit bei der gesamten Belegschaft. Die Verringerung mentaler Belastung am Arbeitsplatz ist deshalb eine wichtige Aufgabe jeder Unternehmensleitung. 

Psychische Gefährdungsbeurteilung durchführen 

Die Durchführung einer GpB sollte entsprechend den Vorgaben der Gemeinsamen Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) erfolgen. In den GDA-Leitlinien werden sieben Schritte benannt, in die die gesamte Belegschaft einbezogen werden sollte.

  1. Die Bereiche, sind Gruppen mit ähnlichen Aufgaben und gleichartigen mentalen Herausforderungen. Das Vorgehen und die innerbetriebliche Kommunikation sollten durch eine Steuergruppe geplant werden. Zur Schonung innerbetrieblicher Ressourcen und im Sinne einer professionellen Umsetzung ist es sinnvoll, einen externen Spezialisten ins Boot zu holen.
  2. Für die Ermittlung der psychischen Belastungen haben sich Fragenbögen als zielführend erwiesen. Begehungen eignen sich für die Erhebung psychischen Belastungen nicht!
  3. Zur Bewertung und Beurteilung der Befragungsergebnisse sind Vergleichszahlen gesetzlich vorgeschrieben. 
  4. Maßnahmen werden bei erkannten hohen psychischen Belastungen mit dem Ziel der Reduktion abgeleitet. Richtig durchgeführt, sollte die Erarbeitung in Workshops, sprich unter voller Einbeziehung der Mitarbeitenden, stattfinden. Von der Entwicklung der Maßnahmen am grünen Tisch ohne Beschäftigte, wird abgeraten. Nur durch die Einbeziehung aller ergibt sich ein ausreichend tiefer Blick in die echte Belastungssituation. Andernfalls riskieren Firmen, die Motivation der Mitarbeitenden zu verlieren, wodurch die gesundheitlichen wie auch die wirtschaftlichen Nutzen-Effekte nicht erreicht werden können. 
  5. Schritt 5/6/7: siehe Grafik.

Zusammenfassung

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet seit 2014, eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen durchzuführen (ArbSchG §5 Abs. 3 Ziffer 6). Ziele der GpB sind die Beurteilung der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz und die Entwicklung von Maßnahmen, um die erkannten Gesundheitsrisiken zu reduzieren. Die Verringerung mentaler Belastungen am Arbeitsplatz birgt ein enormes Produktivitätspotenzial! Sie hilft nicht nur gesundheitliche Risiken zu begrenzen, sondern liefert direkt Nutzenaspekte, die eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und eine Erhöhung der Produktivität in Unternehmen auslösen können.

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Einführung in die psychische Gefährdungsbeurteilung (GBU Psyche)

GBU Psyche Fragebögen müssen gemäß ISO-Norm 10075-3 hohe Qualitätsstandards erfüllen, um Zuverlässigkeit und Objektivität sicherzustellen. In Deutschland ist seit 1996 die Gefährdungsbeurteilung zum Schutz von Mitarbeitenden verpflichtend, seit …

Grenzwertdiskussion – Gefährdungsbeurteilung Psychischer Belastung

  • Open Access
  • Replik

Im Rahmen des Arbeitsschutzgesetzes wird die Belastung entsprechend des Belastungs-Beanspruchungsmodells (Rohmert 1984 ) im wertneutralen Sinne als Untersuchungsgegenstand benannt. Eine für das Arbeitsschutzgesetz gültige Definition findet sich in …

Notwendigkeit für die Einführung der psychischen Gefährdungsbeurteilung

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Anwendung des KPB

Nachdem in den vorangegangenen Kapiteln die theoretischen Grundlagen beschrieben wurden, enthält Kap. 4 die Erläuterung des praktischen Vorgehens bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen: Zum einen werden die Schritte bei der Durchführung der …

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