Handbuch Kulturpolitik
- 2024
- Book
- Editors
- Johannes Crückeberg
- Julius Heinicke
- Jan Christopher Kalbhenn
- Katrin Lohbeck
- Henning Mohr
- Friederike Landau-Donnelly
- Publisher
- Springer Fachmedien Wiesbaden
About this book
Das Handbuch bietet einen Überblick über den aktuellen Stand der Kulturpolitik und Kulturpolitikforschung in Deutschland. Aus verschiedenen Perspektiven werden die historischen Entwicklungen, Theorie(n) der Kulturpolitik und aktuelle Herausforderungen der Praxis erörtert. Darüber hinaus informiert das Handbuch über die Methoden der Kulturpolitikforschung und Positionen in unterschiedlichen Wirkungsfeldern.
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Table of Contents
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Frontmatter
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Theorien und historische Linien der Kulturpolitik
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Frontmatter
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Von der kolonialen Entwicklung zur postkolonialen Transformation: Kulturpolitik als Weltaufgabe
Julius HeinickeZusammenfassungDer Artikel versucht die gegenwärtigen kulturpolitischen Wandlungsprozesse zunächst vor dem Hintergrund des Paradigmenwechsels von ‚Entwicklung‘ zu ‚Transformation‘ nachzugehen, hinter welchem sich weiterhin koloniale und postkoloniale Strategien verbergen. So wird mit Blick auf G.W.F. Hegels Werk einerseits deutlich, wie sehr Kulturpolitik in abendländisch-koloniale Hierarchien und Degradierungen verstrickt ist, andererseits mittels ihrer ästhetischen Bezugs- und Handlungsräume Potenziale eröffnet, diese zu dekonstruieren. Im letzten Teil wird dieses Vermögen der Kulturpolitik mit Rückgriff auf Begriffe ‚Aushandlung‘, ‚Mitgestaltung‘ und ‚Entähnlichung‘ betrachtet und ein postkolonialer Weg skizziert, der Kulturpolitik nicht mehr nur als Gesellschaftspolitik versteht, sondern vielmehr als Weltaufgabe begreift, da ihr Wirkungsrefugium vermehrt in Bereiche der globalen Transformationen und Nachhaltigkeit hineinragt. -
Eine Konflikttheorie der Kulturpolitik
Friederike Landau-Donnelly, Anke Schad-Spindler, Stefanie Fridrik, Oliver MarchartZusammenfassungDer Beitrag skizziert, wie Dynamiken kulturpolitischer Produktion, Präsentation, Planung und Steuerung vor dem Hintergrund politischer Theorien von Konflikt betrachtet werden können. Durch die Darlegung ausgewählter empirischer Konfliktlinien wird eine konfliktorientierte Forschungsperspektive auf Kulturpolitik vorgestellt. Wir rahmen Kulturpolitik als Arena agonistischer Aushandlungsprozesse zwischen diversen Akteur*innen, um ein konfliktsensibles Verständnis von Kulturpolitik als gesellschaftspolitisch und demokratietheoretisch relevantes Forschungs- und Handlungsfeld zu etablieren (Das Forschungsprojekt Agonistische Kulturpolitik (AGONART), in dessen Kontext dieses Kapitel erstellt wurde, wurde unterstützt durch Fördergelder des Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank (Projektnummer: 18453)). -
Legitimationsnarrative der Kulturpolitik
Annette ZimmerZusammenfassungDie Legitimation von Kulturpolitik wird bestimmt von Narrativen, die in allgemeine Diskurse eingebettet sind, wobei zwischen gesellschaftsbezogenen ideell-normativen und ökonomisch-orientierten Narrative zu unterscheiden ist. Für erstere steht Bildung als umfassendes Konzept emotionalen, moralischen und ästhetischen Kompetenzgewinns im Zentrum. Kulturpolitik mit Bezugnahme auf Bildung kann emanzipatorischen Zwecken dienen, wie auch Distinktion und Abgrenzung zum Ziel haben. Wirtschaftlicher Mehrwert ist das zentrale Argument der ökonomisch-orientierten Narrative: Kulturpolitik dient dem Wirtschaftswachstum. In der ästhetischen Ökonomie droht Kulturpolitik als Variante von Wirtschaftspolitik obsolet zu werden. -
Kulturpolitik als Gesellschaftspolitik
Norbert SieversZusammenfassungDer Beitrag diskutiert die Programmformel „Kulturpolitik als Gesellschaftspolitik“ im Kontext eines Rückblicks auf die Entwicklung der Reformkonzeption „Neue Kulturpolitik“ in der alten Bundesrepublik Deutschland. Er erinnert an die emphatischen Grundideen, die damit verbunden waren, und verweist auf Widersprüche und Paradoxien, Vereinnahmungen und Komplizenschaften, die als neoliberale „Modernisierungsfalle“ gedeutet werden. Schließlich wird angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen die Notwendigkeit aufgezeigt, für eine neue Kulturpolitik als Gesellschaftspolitik zu argumentieren. -
Kulturpolitik und Cultural Governance
Oliver ScheyttZusammenfassungSeit der Veröffentlichung des Schlussberichts der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages Kultur in Deutschland im Jahr 2007 hat sich ‚Cultural Governance‘ zu einem Leitbegriff der Kulturpolitik entwickelt. Diese Begrifflichkeit erfasst Regelungs- und Steuerungsmechanismen des Zusammenspiels von Akteuren aus Öffentlicher Hand, (Kultur-)Wirtschaft und Zivilgesellschaft bzw. Öffentlichkeit. Ausgehend von einer kurzgefassten Begriffsgeschichte der Kulturpolitik wird Cultural Governance als Element einer aktivierenden Kulturpolitik, als Faktor des kooperativen Kulturföderalismus und als Motor der Selbststeuerung kulturpolitischer Akteure reflektiert. Die kulturpolitische Wirkungsweise von Cultural Governance wird schließlich am Praxisbeispiel der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 und dem komplexen Zusammenspiel der daran beteiligten diversen Akteursstrukturen exemplifiziert. -
Ökonomie und Kulturpolitik
Hellen P. Gross, Maren RottlerZusammenfassungKultur und „die Wirtschaft“ werden oftmals als diametral anderes angesehen, was nicht selten zu Berührungsängsten zwischen Akteur*innen aus Kultur, Wirtschaft und Kulturpolitik führt. Nichtsdestotrotz haben sich die unterschiedlichsten Verbindungen und Einflussnahmen zwischen der Kultur, Kulturpolitik und Ökonomie gebildet. Dieser Beitrag stellt zentrale und besonders interessante Erkenntnisse aus praxisnaher und wissenschaftlicher Literatur zusammen, die die Instrumente der ökonomischen Theorien und Analysen auf Probleme der Kunst und Kultur und insbesondere auf die Kulturpolitik anwendet. -
Kulturpolitik bis 1945
Christopher BalmeZusammenfassungDer vorliegende Artikel untersucht Kulturpolitik in Deutschland bis Ende des Zweiten Weltkriegs aus einer doppelten Perspektive: Zum einen wird die vielfältige Auseinandersetzung mit den Begriffen ‚Kultur‘ und ‚Kulturstaat‘ seit Ende des 18. Jahrhunderts skizziert, zum anderen werden Schwerpunkte staatlichen Handelns auf dem Feld der Kultur beleuchtet. Der Aufsatz gliedert sich in drei historische Phasen, die die Entwicklung dieser beiden Perspektiven strukturieren: 1800–1914 die Etablierung eines „Kulturstaats“ in Preußen einschließlich der Konsolidierung und Erweiterung auf die Kolonialpolitik; 1918–1933: neue Weichenstellungen in der Weimarer Republik mit der Umwandlung der Hof- in Staatstheater und einer zunehmenden Erhöhung der öffentlichen Förderung für bestimmte Formen der Kultur; 3) 1933–1945 eine gleichgeschaltete Kulturpolitik, die als Kampfbegriff und Schlüsselwort der NS-Zeit diente. -
„Die Kunst gehört dem Volke“: Kulturpolitik in der DDR
Birgit WolfZusammenfassungDie Kulturpolitik in der DDR ist mit der staatlichen Existenz der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) verbunden. Diese endete mit dem Beitritt der wieder eingerichteten neuen Länder zur Bundesrepublik Deutschland nach fast 41 Jahren am 3. Oktober 1990. Hinzugerechnet werden die vier Jahre der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zwischen 1945 und 1949. Betrachtet man das Feld dieser Kulturpolitik, zerfallen die 45 Jahre in verschiedene Phasen. Von daher lässt sich nicht pauschal von der Kulturpolitik in der DDR sprechen, auch wenn grundlegende Bildungs- und Erziehungsprinzipien, die im Marxismus-Leninismus wurzeln und auf die Erziehung der „sozialistischen Persönlichkeit“ zielen, nie in Frage gestellt wurden. Im Folgenden werden Entwicklungslinien nachgezeichnet und tragende Aspekte sowohl der staatlichen Kulturpolitik als auch der Kultur in der DDR dargelegt. -
Kulturpolitik in der Bundesrepublik Deutschland
Henning FülleZusammenfassungDie Geschichte der Kulturpolitik in der BRD teilt sich in zwei Abschnitte: in die Zeit vor und nach der Propagierung der „Neuen Kulturpolitik“ bzw. der „Kulturpolitik als Gesellschaftspolitik“, um die Mitte der 1970er-Jahre. Einführend wird auf die begriffliche Besonderheit der „Kultusministerien“ eingegangen, mit denen die Ressorts der staatlichen Kulturpolitik zunächst überwiegend bezeichnet wurden. Daraus leitet sich die Verquickung von Bildungspolitik, Kulturpflege und Repräsentation ab, die die erste Phase geprägt hat und am traditionellen Wertekanon bürgerlicher Kultiviertheit orientiert ist. In ausdrücklicher Abgrenzung dazu wird in den 1970er-Jahren unter dem Motto „Kultur für alle“ eine Kulturpolitik gefordert und dann auch sehr weitgehend praktisch durchgesetzt, die auf die Teilnahme aller Gesellschaftsschichten am kulturellen Leben im Sinne eines „weiten Kulturbegriffs“ abzielt. -
Kulturpolitik nach der Wiedervereinigung
Olaf ZimmermannZusammenfassungDie Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 war einschneidend. Die zuvor gegründeten fünf neuen Länder, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, traten der Bundesrepublik Deutschland bei. Dem eigentlichen Akt, dem Beitritt gemäß Art. 23 Grundgesetz, gingen die Verhandlungen und Abschlüsse von Vertragswerken voraus: In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, welche kulturpolitische Wirkung von der Wiedervereinigung ausging.
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- Title
- Handbuch Kulturpolitik
- Editors
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Johannes Crückeberg
Julius Heinicke
Jan Christopher Kalbhenn
Katrin Lohbeck
Henning Mohr
Friederike Landau-Donnelly
- Copyright Year
- 2024
- Publisher
- Springer Fachmedien Wiesbaden
- Electronic ISBN
- 978-3-658-34379-8
- Print ISBN
- 978-3-658-34378-1
- DOI
- https://doi.org/10.1007/978-3-658-34379-8
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