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26-02-2021 | Immobilienfinanzierung | Interview | Article

"Kunden benötigen eine schnelle Finanzierungszusage"

Author:
Stefanie Hüthig
3 min reading time
Interviewee:
Stefan Münter

ist seit 2016 Co-Vorstand von Europace, einem Unternehmen der börsennotierten Hypoport-Gruppe.

Die Baufinanzierung gehört zu den Services einer Bank, bei der Geschwindigkeit nicht die wichtigste Rolle spielt. Doch das könnte sich ändern. Daher sollten die Institute auf standardisierte Prozesse und Automatisierung setzen, meint Experte Stefan Münter.

Bankmagazin: Darf sich der Prozess einer Baufinanzierung heutzutage noch über mehrere Wochen ziehen? Immerhin haben viele Unternehmen, gerade außerhalb der Finanzbranche, den Kunden die Geduld regelrecht aberzogen.

Stefan Münter: Das müssen wir differenziert betrachten. Richtig ist, dass wir Verbraucher das Konzept der Vorfreude ein Stück weit verlernt haben. Beim Ratenkredit erwartet der Kunde Geschwindigkeit. Bei der Baufinanzierung ist Schnelligkeit noch nicht der große Treiber, weil der Prozess der Eigentumsübertragung mehrere Wochen dauert und es noch weitere Engpässe gibt, etwa bei den Bauunternehmen und bei Handwerkern. Was der Kunde schnell benötigt, ist die Finanzierungszusage. Meist informiert sich ein Kaufinteressent aber schon vorher darüber, was er sich leisten kann. Eine Baufinanzierung braucht ein Kunde im Schnitt 0,7 Mal im Leben. Dafür nimmt er sich dann auch zwei Tage Zeit, auch wenn wir heutzutage über die PSD2-Schnittstelle einfach an Informationen über den Kunden gelangen und dank Künstlicher Intelligenz schnell sagen können, ob eine Finanzierung klappt.

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Was heißt das für die Weiterentwicklung in diesem Geschäftsfeld?

Trotzdem ist die Finanzbranche bestrebt, die Geschwindigkeit und Digitalisierung in der Baufinanzierung zu erhöhen. Erstens, weil alle darum kämpfen, den Lead zum Kunden und die Konvertierung zu verbessern. Zweitens wollen Banken die Effizienz im Baufinanzierungsprozess durch Standardisierung und Automatisierung optimieren. Und drittens wollen alle zusehends den Nutzer in den Prozess integrieren, sowohl den Berater als auch den Kunden. 

Brauchen wir dann in Zukunft dann überhaupt noch Berater?

In den kommenden fünf Jahren brauchen wir den Berater auf jeden Fall noch, in den nächsten zehn Jahren wahrscheinlich auch. Es stellt sich die Frage, ob der Mensch wirklich mit einer Maschine sprechen will. Ich würde sagen, die Menschen in Deutschland sind dafür noch nicht bereit.

Also können sich Banken und ihre Mitarbeiter entspannen?

Nicht wirklich. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ein Shift zu deutlich mehr Digitalisierung in der Baufinanzierung stattfindet. Schon heute kann man jüngeren Menschen – die oft auch ihre Eltern überzeugen, digitale Angebote auszuprobieren – nicht mehr erklären, warum sie zu einem Bankberater in die Filiale kommen müssen. Auch, wenn sie trotzdem froh sind, irgendwann im Baufinanzierungsprozess einmal mit einem Menschen zu sprechen. Momentan ändert sich das zwar so langsam, dass es für den Hauptteil des Geschäfts noch keine außergewöhnliche Relevanz hat. Dennoch wird die Integration der Perspektiven online und offline, digital und analog immer wichtiger. Und sie braucht unfassbar viel Technologie, weshalb Banken überlegen müssen, wie sie die Umsetzung effizient hinbekommen. 

Was raten Sie den Instituten?

Die Häuser müssen sich Fragen stellen wie: Wo können wir Menschen durch Maschinen ersetzen? Wo lohnt sich das? Was sollten wir zuerst digitalisieren? Was kann der Verbraucher im Self-Service erledigen? In den kommenden fünf bis zehn Jahren wird es jedenfalls ein großer Trend sein, den Verbraucher in den Prozess zu integrieren. Die Generation Alpha, also die Menschen, die ab 2010 geboren sind, werden kein Produkt mehr kaufen, dass es nicht digital gibt, oder zur Unterschrift in eine Filiale kommen. Das werden sie auch nicht müssen, weil wir bis dahin locker wirklich alle soweit sind. Technisch ist das schon heute keine allzu große Herausforderung mehr.

Das ausführliche Interview mit Stefan Münter lesen Sie im Bankmagazin (Ausgabe 2-3 | 2021). 

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