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11-01-2019 | Industrie 4.0 | Im Fokus | Article

Deutschlands Attraktivität als Standort sinkt

Author:
Angelika Breinich-Schilly
2:30 min reading time

Laut aktuellem "Länderindex Familienunternehmen" verschlechtern sich die Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik im internationalen Vergleich. Moniert werden neben infrastrukturellen Defiziten auch die Steuern.

Bei der jüngsten Aktualisierung des Standortvergleichs großer Familienunternehmen innerhalb der OECD fiel Deutschland von Rang 12 auf Rang 16 zurück. Für diese internationale Studie, die das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für die Stiftung Familienunternehmen erstellt hat, wurde das Umfeld von Unternehmen untersucht, die über ein Umsatzvolumen von mindestens 100 Millionen Euro verfügen und die unter Umständen eine Verlagerung an einen ausländischen Standort als realistische Option betrachten. 

Den Spitzenplatz in diesem Ranking hat die Schweiz, gefolgt vom Vereinigten Königreich und den USA. Die Schweizer punkten vor allem mit Top-Ergebnissen im Bereich "Infrastruktur und Institutionen" sowie einer sehr guten Platzierung im Bereich "Regulierung". Das Vereinigte Königreich erzielt seine besten Resultate in den Segmenten "Arbeitskosten, Produktivität, Humankapital" sowie "Regulierung" und "Finanzierung". Die USA erreichen mit guten Werten in den Bereichen "Regulierung", "Finanzierung" und "Energie" den dritten Rang.

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Wettbewerbsnachteil "Steuern"

Im Gegensatz dazu hat sich Deutschland im Vergleich zu 2016 um vier Ränge verschlechtert. Einen Spitzenplatz nimmt Deutschland nur beim Thema "Finanzierung" ein. Durchschnittlich sind die Resultate im Bereich "Infrastruktur und Institutionen". Unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielte die Bundesrepublik in den Segmenten "Arbeitskosten, Produktivität, Humankapital", "Regulierung" und "Energie". Beim Thema "Steuern" liegt Deutschland im aktuellen Ranking auf dem vorletzten Platz.

Dass die Besteuerung von Unternehmen für das Management einen hohen Stellenwert hat, schreibt Springer-Autor Simon Helwig in seinem Buchkapitel "Wer trägt die Unternehmenssteuern?" (Seite 37). "Je höher die Gewinnsteuern sind, desto weniger investieren die Unternehmen, und desto öfter verlagern sie den Standort", zitiert Helwig die beiden Wirtschaftsforscher der Universität St. Gallen, Christian Keuschnigg und Michael Kogler. "Hohe Steuern bremsen das Wachstum und mindern die Einkommen aller, der Arbeitenden und der Eigentümer. Wenn die Besteuerten ausweichen und die Steuer auf andere überwälzen, sind die Verteilungsabsichten gefährdet", schreibt der Autor weiter.

Vor diesem Hintergrund machen den Studien-Experten neben der schlechter werdenden Verkehrsinfrastruktur vor allem der voranschreitende Rückgang der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit Sorgen. "Die Besteuerung spielt bei der Beurteilung der Standortentscheidungen von Familienunternehmen eine große Rolle", heißt es in der Analyse. "Auch in der politischen Diskussion steht die Steuerpolitik, vor allem im Hinblick auf ihre Wachstums- und Beschäftigungswirkungen, kontinuierlich im Mittelpunkt." 

Deutschland bietet hohe Finanzstabilität

Für Deutschland spreche dagegen die inzwischen "hohe finanzielle Stabilität", heißt es weiter. "Jahre der Finanz- und Schuldenkrisen haben gelehrt, wie wichtig die finanzielle Solidität von Staat, Banken und Privatwirtschaft als Standortfaktor ist. Auch in Sachen Regulierung wird Deutschland heute deutlich günstiger beurteilt als noch vor gut zehn Jahren", so die Analyse.

Noch keinen großen Einfluss auf die Studienergebnisse hat der bevorstehende Austritt Großbritanniens und seine wirtschaftlichen Folgen oder die 2018 von den USA implementierte umfassende Steuerreform. Die Folgen des Brexit seien derzeit unabsehbar und würden im Fall eines harten Brexit die Reputation des Standorts schädigen. Umgekehrt könnten Steuersenkungen und der Abbau von Regulierungen aber auch Vorteile gegenüber dem Kontinent schaffen.


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