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25-02-2021 | Innovationsmanagement | Kolumne | Article

Von heute auf morgen von gestern

Author:
Andreas Franken
4 min reading time

Durch Lockdowns und Einschränkungen ändern sich die Rahmenbedingungen für kürzlich noch erfolgreiche Geschäftsmodelle rapide. Unternehmen geraten in Schwierigkeiten oder werden insolvent. Wäre das vermeidbar gewesen und was lässt sich aus der Krise lernen?

Wer sich heutzutage mit den Geschäftsmodellen von Firmen wie Amazon, Microsoft oder Tesla befasst, findet schnell die Gründe für den Erfolg dieser Unternehmen. Wer sich aber einmal in die Zeit zurückversetzt, in welcher diese Geschäftsmodelle entstanden sind und Artikel aus dieser Zeit liest, erfährt, dass damals kaum jemand an den Erfolg der seinerzeitigen Start-ups geglaubt hat. 

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Im Gegenteil – in der jeweiligen Frühphase wurden all die heute von vielen bewunderten Unternehmer wie Bezos, Gates und Musk nicht ernst genommen oder gar verlacht. Man konnte sich nicht vorstellen, dass solche revolutionären Ideen Erfolg haben könnten. Schließlich war es auch bereits damals viel sicherer, etwas Bestehendes, was bereits einen soliden Stand hatte, besser zu machen, als etwas komplett Neues zu entwickeln, dessen Zukunft schwer vorstellbar oder zumindest ungewiss war.

Neue Herausforderungen für Manager in der Corona-Krise

Das Neue stellt zudem neue Herausforderungen an jeden Manager und nicht jeder fühlt sich diesen gewachsen. Somit ist es entweder der starke Leidensdruck, der zum Wandel motiviert, oder die Fähigkeit und der Mut, auch aus einer Komfortzone heraus Neues zu wagen. Das galt damals und gilt heute unverändert.

So manche – auch große – Unternehmen werden von Managern mit einem "Weiter-so-Auftrag" administriert und nicht von Innovatoren geführt. Wenn solche Unternehmen mit einem in die Jahre gekommenen Geschäftsmodell dann von einem Lockdown, unterbrochenen Lieferketten und eingebrochener Nachfrage überrascht werden, ist das Ende plötzlich nah. Aber auch Unternehmen, die bislang das meiste richtig gemacht haben, sind durch den Umgang der Regierung mit dem Corona-Thema in Schieflage geraten oder stehen kurz vor dem Aus. 

So ist der Untergang des eigenen Unternehmens zu vermeiden

Selbstredend gibt es Unternehmen, die von der aktuellen Situation maximal profitieren, aber insbesondere der Mittelstand und kleinere Unternehmen leiden oftmals maximal. Letztendlich wird es durch die Krise nur wenigen besser und den meisten schlechter gehen. 

Aber wie wäre ein Desaster zu vermeiden? Schließlich können sich relevante Rahmenbedingungen immer ändern und wenn das passiert, ist es eh zu spät, oder? Keinesfalls, denn das ist eine Frage der Haltung. Was damit gemeint ist, erklärt das folgende Beispiel: Ein guter Kapitän eines Verkehrsflugzeugs geht bei jedem Start davon aus, dass etwas Schlimmes wie ein Triebwerksausfall oder ein Reifenplatzer passiert und ist hierauf mental vorbereitet, um seine Reaktion auf ein solches Ereignis schnell und fehlerfrei ausführen zu können. 

Läuft der Start glatt, freut er sich darüber, aber im Störungsfall ist er hierauf vorbereitet. Dies bedingt natürlich, dass bestimmte Unfallszenarien zuvor gedanklich erfasst und der Umgang mit diesen trainiert wurde. Je besser der Pilot eines Verkehrsflugzeuges auf Probleme oder den Umgang mit diesen vorbereitet wurde, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit, auch schwierige Situationen zu überstehen.

Unternehmen sollten ähnlich geführt werden. Tatsächlich gehen viele Lenker von Unternehmen aber davon aus, dass sich für sie wenig ändert und wenn doch etwas Gravierendes passieren sollte, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten schon gut genug sein werden. Es ist zwar menschlich, so zu denken, aber dennoch falsch. Erst nach einem Fahrertraining weiß so mancher Autofahrer, was er alles nicht kann. Und wer schon einmal ein Sparring im Boxen oder gar eine tatsächliche Schlägerei mitgemacht hat, kann einschätzen, wo die eigenen Defizite liegen. Das ist beim Management von Unternehmen nicht anders. Viele Manager sind auf mögliche Veränderungen nicht oder schlecht vorbereitet. 

Opfer einer versäumten Anpassung oder Profiteur pro-aktiven Handelns

Jetzt könnte man einwenden, dass man sich auf eine Pandemie oder einen Lockdown nicht vorbereiten kann, aber das stimmt nicht. Es bleibt sicher eine Herausforderung, eine Ausnahmesituation zu beherrschen und es ist auch wahrscheinlich, dass man Schaden erleiden wird, aber das Ziel ist doch, mit möglichst wenig Verletzungen zu überleben. Und das geht mit sorgfältiger Vorbereitung sicher besser als ohne.

Eine starke Anpassungsfähigkeit und ein Vorbereiten auf unterschiedlichste Szenarien ist für Unternehmen und deren Führungskräfte existenziell. VUCA und Resilienz sind nur zwei Stichworte, die auf der Agenda jedes Unternehmenslenkers stehen sollten. Zudem ist stets zu überlegen, welche die Wertschöpfungskonfigurationen von morgen sein werden und an der Entwicklung einer eigenen zukunftsfähigen Variante zu arbeiten. Unternehmenslenker sind aufgefordert, das Morgen zu antizipieren und auch auf unwahrscheinliche zukünftige Fragen kluge Antworten zu entwickeln. Und bei der Suche findet man womöglich auch das Microsoft von morgen. 

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier

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