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06-05-2016 | Innovationsmanagement | Im Fokus | Article

Was die Kreativität ankurbelt

Author:
Michaela Paefgen-Laß
3:30 min reading time

Kreative Mitarbeiter sind der Schlüssel zu Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Was aber, wenn der schöpferische Geist im Team erschlafft? Eine US-Studie erklärt den positiven Effekt von Stereotypen.

Picasso verlies Sonntags nie das Haus, Warhol berichtete seinem Mitarbeiter jeden Morgen per Telefon minutiös die Ereignisse des Vortages und Autoren wie Hemingway oder Arthur Miller unterbrachen ihre Arbeit mitten im schönsten Schreib-Flow. In seinem Buch "Daily Rituals: How Artists Work" hat der Redakteur Mason Currey die Gewohnheiten großer Künstler untersucht. Schrullig und extravagant kommen die geschilderten Arbeitsabläufe der Genies daher und lassen jeden kreativ weniger gesegneten Menschen aufhorchen. Das Geheimnis großer Schaffenskraft liegt offenbar in der richtigen Mischung von strengen Ritualen mit ausgefallenen Marotten. Für die US-Psychologen Denis Dumas und Kevin Dunbar ist Kreativität einfacher zu erlangen. Ihre Forschungsarbeit beweist: Es reicht völlig aus, wie ein exzentrischer Künstler zu denken, um Ideen sprudeln zu lassen. 

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2016 | Book

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Verstehen und entwickeln

Dieses Werk ermutigt Sie dazu, Ihre eigene Kreativität zu entdecken und zu entfalten. Basierend auf den Erkenntnissen der Kreativitätsforschung zeigt Ihnen der Autor auf, dass nicht nur geniale Erfinder und Entdecker kreativ und bedeutsam für unser

Stereotype machen kreativ

Für die Studie "The Creative Stereotype Effect"  nutzen die Forscher die Wirkung von Stereotypen auf den divergenten Denkstil. Im Gegensatz zum systematisch auf das Ziel ausgerichteten konvergenten Denkstil, verläuft divergentes Denken in ungeordneten freien Bahnen. "The ability to engage in divergent thinking is essential to creativity as it allows people to see problems in multiple ways, generate novel solutions, concepts, and ideas", erklären sie im Fachmagazin "Plos One". Dass sich originelle Denkansätze kaum einstellen können, wenn stereotype Verhaltensklischees adaptiert werden, scheint zunächst logisch. Die Studie beweist allerdings, dass sich Stereotypen nicht nur negativ, sondern auch äußerst positiv auf das divergente Denken auswirken.

Menschen, so die Ausgangsvermutung der Kreativitätsforscher, orientieren sich in ihrem Verhalten automatisch an den Klischees der Gruppe, der sie sich zugehörig fühlen. Sie passen ihre Fähigkeiten unbewusst an. In zwei Versuchsreihen mit 96 Studierenden naturwissenschaftlicher und künstlerischer Fächer teilten Dumas und Dunbar den Teilnehmern stereotype Rollenbilder zu. Dann bekamen sie die Aufgabe, aus dieser Rolle heraus für zehn Alltagsobjekte neue Verwendungsmöglichkeiten zu finden. Die erste Gruppe blieb ohne Anweisung. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe sollten in das Klischee des engstirnigen Bibliothekars schlüpfen, die dritte Gruppe sich vorstellen, ein exzentrischer Poet zu sein. Die kreativsten Ergebnisse brachten die "Exzentriker" zustande, langweilig waren die Ergebnisse der "Bibliothekare". Für die Kreativitätsforschung bedeutet das:

  1.  that divergent thinking, including both fluency and originality, is highly malleable rather than a fixed trait
  2.  that stereotypes can be used to diminish or enhance creative output from diverse groups of participants
  3.  that stereotype manipulation is an effective way of altering divergent thinking that can be applied across  different contexts

Kreativität "entzaubern"

Wie lassen sich diese Ergebnisse für die Förderung kreativer Potenziale bei Mitarbeitern und in Teams verwerten? "Kreativität fördern", ist für die Springer-Autorinnen Annette Blumenschein und Ingrid Ute Ehlers eine Investition in die Zukunft von Unternehmen und Organisationen. Sie stärkt Markpositionen, qualifiziert und motiviert Mitarbeiter. Aber, so warnen die Autorinnen: "Kreativität sollte nicht wahrgenommen werden als ein Privileg für manche, sondern als eine entwicklungsfähige Grundausstattung für alle" (Seite 4). Es geht also darum, Mitarbeitern Kreativität als eine erlernbare Möglichkeit  zu "entzaubern", indem ihnen im Tagesgeschäft der interdisziplinären Perspektivwechsel und damit eine andere Sicht auf die Dinge ermöglicht wird. Das geschieht wenn (Seite 26):

  • Personen aus anderen Unternehmen, Abteilungen und mit anderem Lebenshintergrund zu Diskussionen eigeladen werden
  • Ideen auch vor Fachfremden und Außenstehenden präsentiert werden 
  • gemischte Arbeits- und Projektteams mit verschiedenen Wissensdisziplinen möglich sind
  • bei Produktentwicklungen unvoreingenommene Fachfremde einbezogen werden: Außenstehende wie es etwa im Rahmen von Zielpersonen-Workshops, Innovations-Workshops und in der Marktforschung durch Fokusgruppen-Interviews üblich ist

Auf dem Weg zu neuen Ideen

Der Weg zu neuen Ideen beginnt für den Einzelnen übrigens bei der ureigenen "kreativen Unzufriedenheit". Hier wird Gewohntes infrage gestellt und neue Ideen Keimen auf. Im Kapitel "Ideen managen im Kreativprozess" fordern die Autorinnen dazu auf, im Moment der Frustration mit der "Galerie der Selbstverständlichkeiten" zu brechen. Diese sei nur ein virtueller Ort, an dem sich "Glaubenssätze, Gewohntes, nicht mehr Hinterfragtes und selbstverständlich Gewordenes" (Seite 57) , alle hemmenden Stereotypen also, verfestigt haben. 

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Background information for this content

2015 | OriginalPaper | Chapter

Kreativität fördern

Source:
Ideen managen

2015 | OriginalPaper | Chapter

Ideen managen im Kreativprozess

Source:
Ideen managen

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