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24-02-2021 | Innovationsmanagement | Im Fokus | Article

Wie Unternehmen von geistigem Eigentum profitieren

Author:
Andrea Amerland
2:30 min reading time

Unternehmen, die ihr geistiges Eigentum schützen lassen, sind wirtschaftlich deutlich erfolgreicher als die Konkurrenz, zeigt eine Studie. Besonders für den Mittelstand zahlen sich Patente und Geschmacksmuster in vielerlei Hinsicht aus. 

Wie bedeutend geistiges Eigentum ist, wird oft unterschätzt, betonen Markus Hoffmann, Professor für Wirtschaftsrecht an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden, und Rechtswanwalt Thorsten Richter. "Ohne die Chance der Erringung eines Monopols zur Absicherung der eigenen geistigen Leistung wird kein Unternehmer in neue Entwicklungen investieren. Das Recht des Geistigen Eigentums dient damit auch dem Entwicklungsfortschritt und hat insofern eine große volkswirtschaftliche Bedeutung", so die Springer-Autoren auf Seite 28 des Buchkapitels "Oft unterschätzt! – Bedeutung Geistigen Eigentums für die Betriebspraxis".

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2020 | Book

Patente in der Praxis

Einführung für Ingenieure und Naturwissenschaftler beim ersten Umgang mit technischen Schutzrechten

Das Buch gibt einen Einblick in die Gewerblichen Schutzrechte, im speziellen, Patente und Gebrauchsmuster. Es ist in drei Hauptkapitel eingeteilt. Das erste Kapitel gibt eine kompakte Einführung in das Patentwesen und führt wesentliche Begriffe ein.

Umso verwunderlicher ist nach Ansicht der beiden Experten, "dass sich die aktive Inanspruchnahme entsprechender Schutzrechte bei innovativen Großunternehmen wesentlich stärker darstellt als bei kleinen und mittelständigen Unternehmen." (Seite 29).

KMU lassen geistiges Eigentum seltener schützen

Daran hat sich bislang nichts geändert, bestätigt eine Studie, die das Europäische Patentamt (EPA) in München und das Amt der EU für geistiges Eigentum (EUIPO) veröffentlicht haben. Während fast sechs von zehn große Unternehmen in Europa geistige Eigentumsrechte besitzen, sind nur neun Prozent der kleineren und mittleren europäischen Unternehmen Inhaber eines Patents, eines eingetragenen Geschmacksmusters oder einer Marke. 

Dieser Umstand ist umso frappierender, weil sich Intellectual Property (IP) vor allem für Mittelständler mehr als rechnet. Denn besitzen kleine und mittelgroße Unternehmen entsprechende Schutzrechte, verzeichnen sie pro Mitarbeiter 68 Prozent höhere Einnahmen als vergleichbare Mittelständler ohne geschützte Patente oder Marken, ergibt die Studie. 

Dies zeige das enorme, noch ungenutzte Potenzial für KMU in Europa, so der Präsident des EPA, António Campinos. Doch offenbar weiß der Mittelstand über Schutzrechte zu wenig und fürchtet hohe Kosten, die bei der Eintragung und Durchsetzung entstehen könnten, so das Ergebnis einer früheren Analyse.

Mit Intellectual Property höhere Einnahmen und Löhne

Für die aktuelle Untersuchung mit dem Titel "Intellectual property rights and firm performance in the EU" haben EUIPO, bei dem Firmen Marken und Geschmacksmuster, also Designs, EU-weit schützen lassen können, und das EU-Patentamt die Daten von rund 127.000 Unternehmen ausgewertet. 

Ein Kernergebnis der Analyse ist, das Betriebe, die mindestens ein Patent, Geschmacksmuster oder eine Marke eingetragen haben, 20 Prozent höhere Einnahmen je Mitarbeiter erwirtschaften als Firmen, die über kein geschütztes geistiges Eigentum verfügen. Zudem fallen die Gehälter pro Beschäftigten um ein Fünftel üppiger aus, wenn Unternehmen IP-Rechte (IPR) schützen lassen. Am größten sind diese positiven Effekte bei Patenten. 

Mittelständler sollten IP-Wettbewerbsvorteile nicht unterschätzen

Weitere positive Effekte, die sich für Unternehmen aus geistigem Eigentum ergeben sind laut Markus Hoffmann und Thorsten Richter (Seite 30 f.):

  • Geistiges Eigentum sichert Wettbewerbsvorteile,
  • schafft Zugang zu Kapitalmärkten, 
  • eröffnet neue Einnahmequellen,
  • kann hervorragend als Marketinginstrument eingesetzt werden,
  • schafft einen Marktvorsprung,
  • fungiert als Kreditsicherungsinstrument,
  • ermöglicht Lizenzeinnahmen als eigene Einnahmequelle,
  • bietet Marktvorteile in ungesättigten Märkten.

Eigene Patente können letztendlich den Unternehmenswert steigern und als Handelsgut den Zugang zu begehrten oder benötigten Technologien ermöglichen, urteilt Patrick Erk im Buchkapitel "Patente und gewerbliche Schutzrechte". 

Damit insbesondere Mittelständler diese Chancen künftig nicht ungenutzt lassen, hat die EU-Kommission Ende 2020 einen Aktionsplan vorgestellt, der unter anderem vorsieht, Beratungsangebote für KMU auszubauen und ihnen Zuschüsse zu gewähren, um IP-Wissen aufzubauen und Kosten zu reduzieren.

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