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14-11-2019 | Innovationsmanagement | Im Fokus | Article

So entwickeln Unternehmen eine Innovationskultur

Author:
Andrea Amerland
4 min reading time

Eine gute Innovationskultur schafft Wettbewerbsvorteile. Allerdings fehlt diese in den meisten deutschen Unternehmen, zeigt eine Studie. Wie der Wandel zu einer innovativen Unternehmenskultur gelingt.
 

Die konjunkturelle Flaute infolge des Handelskriegs und weiterer geopolitischer Risiken könnte deutsche Unternehmen härter treffen als ihnen lieb ist. Die Firmen hierzulande dürfen sich im Exportgeschäft keinesfalls auf der Strahlkraft von Made in Germany ausruhen. Denn laut des Innovationsatlas der Bertelsmann Stiftung, für den mehr als 1.000 Unternehmen aus den Bereichen Industrie und industrienahe Dienstleistungen befragt wurden, ist die Wettbewerbsfähigkeit vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen bedroht. 

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Mut zu Innovationen

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Umfragen in über 100 Unternehmen haben gezeigt, dass zwar immer öfter Innovationen entwickelt und begonnen werden, in den meisten Fällen verlaufen diese Projekte aber erfolglos.

Sie müssten laut der Analyse mehr in Innovationen investieren, um nicht ins wirtschaftliche Abseits zu rutschten. Insbesondere, wenn sich die Wettbewerbsbedingungen durch fortschreitende Digitalisierung und neue Konkurrenten verändern, sehen die Experten der Bertelsmann Stiftung den Mittelstand gefährdet. "Made in Germany könnte sich vom Verkaufsschlager in einen Ladenhüter verwandeln. Zu viele Unternehmen stolpern in die Zukunft, anstatt mit einer offenen Innovationskultur voranzugehen", warnt vor diesem Hintergrund Studienleiter Armando Garcia Schmidt. 

Risikobereitschaft und Innovationskultur fehlen

Der Wirtschaftsexperte ist alarmiert, weil laut Innovationsatlas rund 50 Prozent der Firmen hierzulande, das Innovationsmanagement nicht aktiv angehen. Es fehle an der nötigen Risikobereitschaft und einer Innovationskultur, die Mitarbeiter dazu animiert, kreative Wege zu gehen. Der Atlas identifiziert sieben unterschiedliche Typen von Unternehmen, sogenannte "Innovative Milieus", die sich im Innovationsgrad unterscheiden. Die wichtigsten sind:

  • "Technologieführer" und "Disruptive Innovatoren": Sie sind besonders erfindungsreich. 25 Prozent der deutschen Unternehmen gehören zu dieser Gruppe. Sie sind hauptsächlich in den Branchen Pharma, Chemie sowie in der Metall- und Elektroindustrie zu finden. Hier ist der Anteil des Gewinns am Umsatz um 33 Prozent höher als im Durchschnitt aller Milieus. Überdurchschnittlich entwickeln sich auch die Mitarbeiterzahlen. Sie sind zwischen 2016 und 2017 mehr als doppelt so stark gestiegen, wie bei innovationsfernen Unternehmen. 
  • "Passive Umsetzer" oder "Unternehmen ohne Innovationsfokus: Dieser Gruppe sind 46 Prozent der Firmen zuzuordnen. Diese Firmen gehen Neuentwicklungen nicht zielgerichtet an.
  • "Kooperative Innovatoren": Sie bilden die größte Gruppe. Ihr Fokus liegt auf Mitarbeiterförderung, nicht aber auf Vernetzung mit der Wissenschaft und anderen Unternehmen.

Maßnahmen zur Entwicklung einer Innovationskultur

Starke Umsatzzahlen, zufriedene Mitarbeiter und ständig eine neue, herausragende Produktidee sind der Traum einer jeden Führungskraft, schreiben Joshua Kilb und Florian Schönberger über Innovationskultur als zukunftsfähige Unternehmenskultur. Doch im Unternehmensalltag scheitert die Etablierung einer Innovationskultur zumeist am Tagesgeschäft, betonen die Springer-Autoren. Sie definieren folgende Kernelemente, die für eine Innovationskultur bestimmend sind:

  • Wer Leistung will, muss Sinn bieten. Sinn vermittelt Mitarbeitern Orientierung und Sicherheit. Und Sinn motiviert. 
  • Growth Mindset fördert Unternehmenserfolg. Denn das Mindset ist die Basis von Leistung. Für eine Innovationskultur im Unternehmen sind Mitarbeiter nötig, die eine offene und vorwärtsgewandte Einstellung haben. Um ein solches Mindset zu kultivieren, müssen Führungskräfte performanceorientiertes Feedback geben und eine gesunde Fehlerkultur fördern.
  • Ein agiles Mindset auf Unternehmensebene: Bei der Entwicklung eines agilen Mindsets sind vor allem Führungskräfte gefordert. Sie haben durch ihre Haltung eine Vorbildfunktion und den größten Einfluss auf die Einstellung der Mitarbeiter. 
  • Agile Innovationsmethoden festigen die Innovationskultur und unterstützen die Entwicklung innovativer Produkte. Die agile Innovationsmethode schlechthin gibt es allerdings nicht. Jedes Unternehmen muss eine praktikable Methode ermitteln, die sich an den betriebsindividuellen Bedürfnissen orientiert. 

Das Innovation Culture Model

Um eine Innovationskultur zu entwickeln, gibt es nicht das eine richtige Modell. Viele Wege führen nach Rom. Einen weiteren Design-Ansatz stellt Hartmuth Gieldanowski im Buchkapitel "Digital Business Innovation Culture – Der Mensch im Fokus" vor. Das sogenannte Innovation Culture Model wurde bei der Swisscom durch Christina Taylor entwickelt. Sie hat Faktoren identifiziert, mit deren Hilfe Unternehmen die höchstmögliche Leistung erzielen können. Diese Dimensionen können als analytisches Werkzeug eingesetzt werden, um Missstände oder Abweichungen von den Zielen aufzuzeigen.

Dimensionen

Beschreibung

Sinn & Zweck

Was ist der Zweck des Unternehmens? Für was steht es nicht nur im Kontext der Kunden, sondern der Menschen selbst? Welchen Zweck für die Gesellschaft erfüllt es?

Strategie & Angebot

Wie sieht die Strategie bezüglich Marktbearbeitung aus? Was sind Angebote, Produkte und Dienstleistungen? Warum sind diese relevant aus Sicht von Sinn & Zweck?

Prozesse & Handwerk

Wie werden die Angebote erstellt? Was für ein Handwerk ist notwendig? Welchen Werten, Prinzipien muss dies folgen?

Messen & Daraus-Lernen

Wie weiß das Unternehmen, ob es das Richtige tut? Welche Messinstrumente gibt es und wie wird der Feedback-Loop geschlossen?

Menschen & Zusammenarbeit

Welche Rolle spielt der Mensch und wie ist die Zusammenarbeit zu gestalten, damit die richtigen Resultate erzeugt werden?

Sinne & Umgebung

In welchen Umgebungen arbeiten Menschen zusammen? Wie werden Sinne stimuliert oder gerade nicht?

Quelle: "Digital Business Innovation Culture – Der Mensch im Fokus", Seite 83.

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