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29-11-2021 | Innovationsmanagement | Schwerpunkt | Article

Verhaltensorientierung ist der Innovations-Booster

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Autoren: Jan Frensch, Burkard Wördenweber

Innovationsprojekte sollen zumeist nebenbei und on top zur täglichen Arbeit laufen. Allein deswegen sind sie bereits zum Scheitern verurteilt. Besser ist es, das Innovationsmanagement verhaltensorientiert zu planen, so die Experten Jan Frensch und Burkard Wördenweber.

Fällt ein Sonnenstrahl durch ein Prisma, so fächert er sich in sein gesamtes Farbspektrum auf. Es wirkt wie Magie, wenn aus dem weißen Lichtstrahl plötzlich ein bunter Regenbogen wird. Manche dieser Farben sind für das menschliche Auge sichtbar, andere bleiben hingegen im Verborgenen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht da sind. Ähnlich verhält es sich auch mit dem menschlichen Verhalten. Es besteht aus vielen unterschiedlichen Facetten, die mal mehr und mal weniger in Erscheinung treten und in ihrer Vielfalt den Menschen zu einem großen Teil ausmachen.

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2021 | Book

Verhaltensorientiertes Innovationsmanagement

Spielerische Anleitung für Teams und Unternehmensführung

Jan Frensch und Burkard Wördenweber beschreiben in diesem Fachbuch ein Innovationsmanagement, das nicht nur einer effektiven Lösungsfindung dient, sondern gleichzeitig den Menschen und dessen Umwelt wieder ins Zentrum des Geschehens rückt. 

Die Arbeitswelt hat diese Vielfalt jedoch oft ihrer Magie beraubt, indem sie nur diejenigen Facetten für sich herausgefiltert hat, die ihr nützlich und kontrollierbar erscheinen. Der Rest wird ignoriert oder im schlimmsten Falle sogar unterdrückt. Der Fokus liegt auf Effizienz. Die Arbeitsteilung nimmt daher immer weiter zu, während die Produkte und Systeme, an denen die Menschen arbeiten, immer komplexer werden. 

Um diese Komplexität überhaupt noch bewältigen zu können, wird das Leistungsprinzip zunehmend und einseitig auf Druck ausgelegt. Das macht kein angenehmes Arbeitsklima und schließt auf Dauer auch größere Innovationssprünge aus. Denn Innovation wird als Störfaktor wahrgenommen, der die gradlinigen Prozesse unterbricht, Unsicherheiten beschert und schwer zu kontrollieren scheint.

Innovation ist wie Urlaub

Wenn Urlaub nicht geplant wird, wird er wahrscheinlich auch nicht passieren. Genauso verhält es sich mit Innovation. So wie gut daran getan ist, Urlaub und Arbeit zu trennen, so ist es auch ein guter Rat, Innovation und die tägliche Arbeit zu trennen. Denn während der Fokus bei der täglichen Arbeit auf Effizienz liegt, liegt er bei Innovation auf Effektivität. Schließlich ist es das Ziel der Innovation, bestehendes zu verdrängen und obsolet zu machen. Dabei hilft es enorm, wenn der Status Quo spielerisch hinterfragt werden kann. Doch dazu ist eine gewisse Distanz zum Alltagsgeschäft nötig. Genau wie Urlaub erfordert Innovation deshalb ein wenig Zeit und ein anderes Umfeld, in dem der Mensch wieder er selbst sein darf.

Hier kommt die Verhaltensorientierung zum Tragen. Der Mensch darf so sein, wie er ist, anstatt sich zu verstecken, zu verstellen und nur die gewünschten funktionellen Verhaltensweisen an den Tag zu legen. Das natürliche Verhalten mit all seinen hellen und dunklen Farben bekommt wieder Raum, anstatt eingesperrt zu werden. Die vernachlässigten emotionalen Ebene gezielt einzubeziehen, ermöglicht Zuhören, Reflektion, Teamlernen, Kreativitätsentfaltung, Ehrlichkeit sowie ein anderes und vor allem freies Denken. Wie durch Magie ist plötzlich ein völlig neues Arbeiten möglich. Am Ende stehen intrinsische Motivation, Spaß an der Arbeit, Leidenschaft sich zu engagieren und in der Folge eine viel höhere Leistungsbereitschaft, als sie jemals einseitig über Druck erreicht werden könnte.

Verhaltensorientierung in der Praxis

Damit das, was sich in der Theorie so schön bunt anhört, auch in der Praxis funktioniert, bedarf es einiger Rahmenbedingungen.

Regel 1: Keine Innovation ohne Ziel

So wie auch beim Urlaub festgelegt wird, ob Radfahren an der Nordsee oder Kultur in der Toskana angesagt ist, so benötigt auch die Innovation einen klaren Zweck. Wenn möglich gleich mit einer gesalzenen Herausforderung. So nahm sich zum Beispiel ein renommierter Hersteller analoger Fotoapparate vor, seine erste Digitalkamera zu bauen. 

Regel 2: Lernfähiges und eigenständiges Team

Bei der Auswahl der Teammitglieder geht es vor allem um Kompetenz und Lernfähigkeit. Dabei dürfen echte Kundinnen und Kunden natürlich nicht fehlen. Für die Digitalkamera wurden deshalb gleich zwei Profifotographen mit ins Team geholt.

Regel 3: Länger als möglich, kürzer als nötig

Der Startpunkt wird so gewählt, dass alle Teammitglieder ohne Ablenkung und Unterbrechung für die gesamte Dauer teilnehmen können. Die Dauer wird so gewählt, dass die zu leistende Arbeit kaum zu bewältigen ist. Innerhalb von drei Wochen sollte, um beim Beispiel zu bleiben, der Entwurf der Digitalkamera stehen.

Regel 4: Kritische Jury

Besserwisser gehören auf die Tribüne und dürfen gelegentlich ihren Senf dazu geben, ohne jedoch direkt mitzumischen oder zu entscheiden. Die Manager des renommierten Herstellers blieben außen vor, damit die Entstehung der neuen Digitalkamera nicht durch Ängste oder Machteinflüsse aus der Bahn gleitet.

Regel 5: Zum Abschluss immer eine Party

Egal ob Erfolg oder Abbruch, am Ende wird gefeiert. Auch ein Misserfolg lässt sich mit Streuselkuchen und Kaffee leichter verdauen.

Mit diesen fünf Regeln lässt sich die Erfolgswahrscheinlichkeit von Innovationsprojekten, die übrigens im Durchschnittsunternehmen bei rund sieben Prozent liegt, deutlich erhöhen. Auf diese Weise können divers aufgestellte Teams mit unterschiedlichen Hintergründen und Persönlichkeiten in wenigen Tagen innovative Produkte, Dienstleitungen und Geschäftsmodelle hervorbringen.

Der Flow und die Motivation, die diese Ergebnisse in so kurzer Zeit ermöglichen, basieren maßgeblich auf den vielen bunten Facetten des menschlichen Verhaltens. Es ist deshalb nicht der Stock in den Speichen der Effizienz, sondern der Motor für die Erneuerung einer ganzen Organisation.

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