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07-12-2021 | Innovationsmanagement | Interview | Article

"Effizienz ist nicht kompatibel mit Kreativität"

Author: Andrea Amerland

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Interviewee:
Frank Weber

ist seit 2011 Unternehmensberater und Hochschuldozent mit den Schwerpunkten Change- und Innovations-Management sowie Leadership und Unternehmensentwicklung.

Vom Innovation- zum Sparweltmeister: Unter dem Primat von Kostensenkung und Effizienzsteigerung vergessen deutsche Unternehmen Kreativität zu fördern und in Erfindungen zu investieren, so Frank Weber. Warum sie damit auf dem Holzweg sind, sagt der Springer-Autor im Gespräch.

Das Land der Dichter und Denker ist nicht mehr der Innovationsweltmeister. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich nehme das Bild gerne auf. Das soll auf den Schriftsteller Johann K. A. Musäus zurückgehen, der im 18. Jahrhundert schrieb: "Was wäre das enthusiastische Volk unserer Denker, Dichter, Schweber, Seher ohne die glücklichen Einflüsse der Fantasie?". Und genau darum geht es. Innovationen können ohne Fantasie und Kreativität nicht stattfinden. Es ist vielleicht so, dass wir für eine bestimmte Zeit zum Innovationsweltmeister wurden, weil wir kulturell verankert ein fantasievolles Volk waren. Weil uns damit die Kreativität in die Wiege gelegt wurde. Diesen Gedanken könnte man auch in sein Gegenteil umkehren: Unbestritten sind wir beides nicht mehr, Dichter- und Denkerland sowie Innovationsweltmeister. Es mag einen Zusammenhang geben.

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2021 | Book

Innovation aus Leidenschaft

So gestalten Unternehmen kraftvoll eine passende Innovationskultur

Gibt es nicht schon viele Bücher zum Thema Innovation? Ja! Doch Hand aufs Herz, so richtig erfolgreich sind die Innovationsprozesse in den wenigsten Unternehmen. Das ist nicht nur bedauerlich. Das ist gefährlich. 

Statt auf Innovationen begünstigende Kreativität zu setzen, verfolgen wir seit Jahrzehnten andere Themen: Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen dominieren das Management-Handeln. Das ist unter bestimmten Rahmenbedingungen nicht schlecht. Doch als betriebswirtschaftliche Dauermaxime, führt das nicht zum Ziel. Sollen Innovationsvorhaben erfolgreich sein, muss auch Geld investiert werden. Das Streben nach Effizienz ist nicht kompatibel mit Kreativität. Diese wird durch ständige Effizienzsteigerungen vernichtet. Kreativität braucht Freiräume, Muße und die Bereitschaft zu irren oder Fehler zu machen.

Welche Rolle spielt das Innovationsmanagement in Unternehmen beim Negativtrend Deutschlands rund um Erfindungen und Disruptionen?

Für erfolgreiche Innovationen müssen eine Reihe von Barrieren überwunden werden. Hierzu gehören finanzielle Hürden, genauso wie Hindernisse, die aus der Gesetzgebung und der Regulation stammen. Vielerorts haben wir keine passende Unternehmenskultur, die Innovationsfähigkeit begünstigt. Die gelebte Kultur repräsentiert jenes angesammelte Wissen, Denken sowie Werte, die das Arbeiten in einer Organisation bestimmen, also die Summe aller Selbstverständlichkeiten. In unserem Fall, wie im Unternehmen über Erneuerungen gedacht und mit diesen umgegangen wird. Das führt zu den zentralen Fragen: Wie ist eigentlich unsere Haltung zum Neuen? Welchen Stellenwert hat das Neue im Unternehmen? Keinen großen und die Dominanz liegt auf dem Bewährten und dessen inkrementeller Optimierung. Man fokussiert alles Mögliche, nur nicht die Notwendigkeit zu innovieren.

Sie brechen in Ihrem Buch eine Lanze für Innovation aus Leidenschaft. Was verstehen Sie darunter?

Wenn ich von Leidenschaft im Zusammenhang von Innovationen spreche, dann beinhaltet das erstens, dass unsere Haltung dem Neuen gegenüber positiver wird. Zweitens drückt sich darin auch ein Enthusiasmus im Tun aus. Drittens hat Leidenschaft immer auch etwas mit der Fähigkeit zu tun, Rückschläge auszuhalten und daraus Energie zu gewinnen. Das ist im Zusammenhang mit Innovationen essenziell. Kaum eine epochale oder auch kleinere Neuerung gelang je auf Anhieb. Die meisten erzählen eine Geschichte davon, wie es zunächst nicht funktioniert hat. Dieses auszuhalten, erfordert Leidenschaft.

Welche Rahmenbedingungen sorgen in Unternehmen für eine fruchtbare Innovationskultur?

Blicken wir zuerst auf das Gegenteil einer solchen Kultur. Sehr häufig dauert es im Lebenszyklus eines Unternehmens nicht lange, bis eine ausdefinierte Hierarchie das Handeln prägt. Das ist für das Innovationsklima alles andere als förderlich. Hier braucht es, was wir in den Modellen der Unternehmenskultur Adhocratie nennen. Der Name 'Adhocratie' leitet sich vom lateinischen Wort 'ad hoc' ab, was man mit 'aus dem Moment heraus' übersetzen kann.

Im Kern beschreibt diese Adhocratie eine Kultur des Unternehmertums und damit das Gegenteil von hierarchisch strukturierter Bürokratie. Hier ist die vorherrschende Logik zur Erreichung von Erfolg, dass Kontrolle die Effizienz fördert, in dem sie Verschwendungen und Redundanzen eliminiert. Bei der Adhocratie-Kultur hingegen beruht die vorherrschende Logik darauf, dass neue Ideen und neue Möglichkeiten, neue Kunden und Märkte schaffen und damit Innovationen entstehen. Dort arbeiten dann Führungskräfte, die mehr an Leader und Entrepreneure denn an Kontrolleure erinnern.  

Während in Hierarchiekulturen Mitarbeiter der Struktur untergeordnet werden, stellt die Adhocratie ihre Fähigkeiten und Kompetenzen über die Struktur. So ist es selbstverständlich, dass sich für ein Innovationsprojekt verschiedene Experten hierarchie- und bereichsübergreifend in multidisziplinären Teams zusammenschließen und von Anfang an ohne Abstimmungs- und Reibungsverluste zusammenarbeiten. Will man also ein Umfeld schaffen, in dem Innovationen gut entstehen können, ist man gut beraten, die Kulturmerkmale von starker Hierarchieorientierung hinter sich zu lassen und sich in Richtung Adhocratie-Kultur zu entwickeln.

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