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04-11-2016 | Innovationsmanagement | Im Fokus | Article

Von der Idee zur Innovation

Author:
Michaela Paefgen-Laß
4:30 min reading time

Der Innovationsdruck auf deutsche Unternehmen wächst. Darunter leidet die Ideenfindung. Kreativ, effektiv und schnell soll es zum Markterfolg gehen. Doch welche Ideen siegen? 

Sobald über das Wesen von Innovation und Kreativität debattiert wird, ist ein mündlich überliefertes Zitat des amerikanischen Erfinders Thomas Alva Edison nicht fern. "Genius is one percent inspiration and ninty-nine percent perspiratrion", soll er um 1903 gesagt haben. Das Zitat wurde 1932 im Harper's Monthly Magazine veröffentlicht und scheint seither in einer Lesart zementiert: Erfindergeist nährt sich vor allem von Schweiß und harter Arbeit. Wer die Vokabel "perspiration" aber einmal nicht mit dem unangenehm konotierten "Schweiß" übersetzt, sondern sich der Vokabel von ihrer lateinischen Herkunft annimmt, landet bei "überall atmen" und dem medizinischen Begriff "Hautatmung" – dem Ausatmen über eine große Fläche. Wird Inspiration dann wörtlich als "einhauchen" verstanden, eröffnet sich eine neue Interpretationsidee: Innovation entsteht aus einem flüchtigen Einfall, der vom kreativen Geist verarbeitet, breit nach außen strömt. Dieser Ansatz betrachtet den Vorgang des Erfindens von einer weniger pessimistischen Seite, setzt aber ein Gut voraus, das modernen Erfindern fehlt. Die Zeit nämlich, aus der zufälligen guten Idee das Optimale herauszuholen. Denn, der Innovationsdruck auf Technologieanbieter wächst und nimmt einem großen Teil potentieller Neuerungen den Atem zur Verwirklichung. Das bescheinigt auch eine aktuelle Studie. 

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Unternehmen vom Innovationsdruck geplagt

Dass 80 bis 100 Prozent aller Ideen im Unternehmen zur Innovation werden, die sich wirtschaftlich rechnet ist ein Idealzustand über den sich in Deutschland nur zwölf Prozent der von der Unternehmensberatung Staufen befragten 183 Industrieunternehmen freuen dürfen. Durchschnittlich schaffen es 38 Prozent aller Ideen zum Markterfolg, so das Ergebnis der Studie "Industrie Monitor: Innovation 2016". Die größte Gruppe machen machen mit 29 Prozent die Unternehmen aus, bei denen sich höchstens 19 Prozent aller Ideen auf dem Markt behaupten können. Dabei wissen drei von vier Befragten (78 Prozent) sehr genau, dass Innovationen wichtiger für den Unternehmenserfolg sind denn je. Auf ihnen (73 Prozent) lastet ein erhöhter Innovationsdruck. Wie sie ihre Innovationsarbeit vor dem Hintergrund neuer technologischen Entwicklungen gestalten sollen, darüber herrscht bei 43 Prozent Unsicherheit, 32 Prozent machen einfach weiter wie in der Vergangenheit. Dennoch bewegt sich was.

Befragte dieser Branchen spüren besonderen Innovationsdruck
  • Elektroindustrie (90 %)
  • Automobilindustrie (78 %)
  • Maschinen- und Anlagenbau (75 %)

Quelle: Staufen AG, Industrie Monitor: Innovation 2016

Die Studie berichtet von einer "generellen Umbruchstimmung" in der Ideenfindung. Sechs von zehn Industrieunternehmen hätten ihre Innovationsarbeit bereits an kürzere Zyklen angepasst. Erfolgreiche Innovationen zeichne außerdem aus, dass der Kundenwunsch in Vordergrund stehe und nicht das technisch machbare, weiß Staufen-Vorstand Martin Haas und rät zu fokussierten Lean-Innovation-Prozessen. Aber wie definiert sich Innovation überhaupt?

Innovation blickt über den Tellerrand

Die Springer-Autoren Sven Schimpf, Daniel Heubach und Silvia Rummel wollen den von Medien und Literatur inflationär strapazierten Begriff auf den Einzelfall bezogen und möglichst eng definiert haben. "Technologieentwicklung als Innovationstreiber in bestehenden und disruptiven Märkten" müsse unterscheiden zwischen dem "normativen Neuigkeitsgrad, der den Fortschritt bezüglich des Status quo bezeichnet" und dem subjektiven Neuigkeitsgrad, der festlege, für welche Zielgruppe etwas neu ist (Seite 32). Als Treiber für Innovationen kämen Entwicklungen von Primär‐ wie Sekundärtechnologien in Frage, sowie als besondere Herausforderung, solche Technologien, die nicht durch interne Kompetenzen abgedeckt sind (Seite 33). 

Solche Optionen lassen sich in Entwicklung und Forschung  durch die Wahrnehmung thematischer Ähnlichkeiten erschließen. Thematisches Denken basiert auf der Fähigkeit thematische Ähnlichkeit zu erkennen. Denn anders als die taxonomische Ähnlichkeit zielt sie nicht auf gemeinsame charakteristische Merkmale zweier Gegenstände, sondern sucht nach deren komplementärer Beziehung. Ein Beispiel: Bleistift und Filzstift sind sich taxonomisch ähnlich, sie sehen gleich aus und gehören der Kategorie Schreibgerät an. Auf Bleistift und Radiergummi trifft beides nicht zu,  aber sie ergänzen sich in ihrer thematischen Ähnlichkeit. Das eine ergänzt das andere im Schreibprozess um eine wichtige Funktion. Es kommt zur Erfindung des Bleistiftes mit integriertem Radiergummi.

Wie gute Ideen entstehen

Auf den Innovationskontext bezogen, verlangen thematische Ideen nach Wissensverknüpfung. Es geht nicht darum möglichst viele Einfälle zu generieren, sondern gezielt die eine gute Idee zu finden. "Thematische Ideen gehen dabei in der Regel über reine Verbesserungen bestehender Ideen hinaus und stellen neue – häufig ungewöhnliche – Kombinationen bestehender Konzepte dar", schreibt Springer-Autorin Julia K. Fröhlich (Seite 27). Allerdings sind Ideen, die sich auf thematische Ähnlichkeiten beziehen im Gegensatz zu Ideen, die aufgrund taxonomischer Ähnlichkeiten entstanden grundsätzlich gefährdet aussortiert zu werden. Vom Wesen her überschreiten sie auf den ersten Blick die Grenzen von Produktkategorien. Sie werden als "nicht passend" bewertet. "Thematisches Denken kann helfen, solche oft wertvollen Ideen zu retten“, schreibt die Autorin (Seite 27)

Welche Rolle Ähnlichkeitsbeurteilungen im Innovationsmanagement spielen (Seite 16/17)
Strategien: Der wahrgenommene "Fit" einer Idee basiert auf Ähnlichkeit.
Ideen: Neue Ideen basieren auf der Kombination von Objekten/Konzepten, die sich in irgendeiner Art und Weise ähnlich sind.
Prozesse: Ob eine Idee weiterverfolgt wird, hängt von der wahrgenommenen Ähnlichkeit mit bereits bestehenden Ideen ab.
Individuum: Bei Individuen basieren kognitive Prozesse (zum Beispiel Kreativität) auf Ähnlichkeitswahrnehmungen. Diese unterscheiden sich zwischen Individuen.


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2016 | OriginalPaper | Chapter

Technologieentwicklung als Innovationstreiber in bestehenden und disruptiven Märkten – von der Beobachtung zur Umsetzung

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Source:
Die frühe Phase des Innovationsprozesses

2016 | OriginalPaper | Chapter

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