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Frank Strikker, Andreas Bergknapp, Ilona Holtschmidt, Christine Moscho, Stefan Stenzel (Hrsg.): Coaching und Change im Blickpunkt. Impulse aus der Coaching-Forschung – Unternehmenskultur, Mentalisierung und virtuelles Coaching. Band 4 der Schriftenreihe der Europäischen Fernhochschule Hamburg. Hannover: ibidem Verlag, 2024, 183 S., 27,00 €.
Heute schon über die Themen von morgen nachdenken. So oder so ähnlich ließ sich die Intension des Buchs „Coaching und Change im Blickpunkt“ beschreiben, im Zentrum Beiträge der drei Gewinner:innen des DBVC Nachwuchs-Forschungspreises 2023. Die Coaching-Forschung bezieht ihre Bedeutung u. a. daraus, dass Coaching sich gegenüber anderen Unterstützungsangeboten wie Mediation, Mentoring, Supervision und gegenüber der Psychotherapie abzugrenzen hat. Auch gilt es die Wirksamkeit von Coaching sowie relevante Gestaltungsfragen zu erforschen und sich gegenüber Scharlatanen zu distanzieren, die mit unrealistischen Heilsversprechungen medienwirksam agieren und dabei den Coaching-Begriff benutzen.
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Inhalt und Aufbau
Das vorliegende Buch stellt die Master-Thesis von André Günther zur Bedeutung der Unternehmenskultur bei der Implementierung von Coaching im Krankenhaus, die Abschlussarbeit von Kristina Thomsen zur Messung der Mentalisierung im Coaching und von Mirjam Besel zur Gestaltung einer vertrauensvollen Arbeitsbeziehung im Online-Coaching vor. Die drei Beiträge werden eingeführt von Sigfried Greif, der die Zielsetzung, den theoretischen Hintergrund, die Methodik und den Stellenwert der Arbeiten für die Weiterentwicklung von Coaching einordnet. Siegfried Greif „adelt“ die Preisträger:innen mit ihren Arbeiten, indem er diese als Pilotprojekte zu „große(n) Coaching-Themen“ bezeichnet und die Gründlichkeit ihrer Literaturrecherchen hervorhebt (S. 16). Es folgt ein Beitrag zur Bedeutung des Fachausschuss Forschung im DBVC von Christina Moscho und Ilona Holtschmidt und zum Konzept des Nachwuchsforschungspreises von Ilona Holtschmidt. Auf die Beiträge der Preisträger:innen folgt jeweils die Laudatio zur Preisverleihung durch Ilona Holtschmidt, Frank Strikker, Andreas Bergknapp. Das abschließende Kapitel – geschrieben von Andreas Bergknapp, Stefan Stenzel und Frank Strikker – reflektiert das Spannungsfeld zwischen Praxis und Theorie im Coaching. Dabei handelt es sich um ein konstruktives wechselseitiges Lernfeld, in dem disparate Perspektiven, Interessen und Funktionslogiken von Praxis und Theorie aufeinandertreffen.
Zu den Beiträgen der Preisträger:innen
Die Forschungsperspektive von André Günther verspricht, Aufschluss über die Bedingungen zu geben, die die Einführung von Coaching in Institutionen befördern. Der Stand der Unternehmenskultur zum Coaching wird auf Basis von drei literaturbasierten Entwicklungsmodellen im Rahmen einer Online-Befragung von Führungskräften eingeschätzt. Insgesamt ist die Coachingkultur in dem untersuchten Klinikum vergleichsweise wenig entwickelt. Die Führungskräfte, die bereits ein Coaching in Anspruch genommen hatten, gaben dabei im Vergleich zu den anderen Führungskräften einen höheren Entwicklungsstand der Coachingkultur an. Dies lässt sich als Argument dafür interpretieren, dass durch die breitere Zuverfügungstellung von Coaching-Angeboten die Organisationsentwicklung vorangetrieben und durch die verstärkte Nutzung von Coachings die Leistungsfähigkeit der Institution erhöht werden kann.
Kristina Thomsen entwickelt in ihrer Arbeit einen Interviewleitfaden zur Messung der Mentalisierung beim Coachee. Das Bindungsinterview – methodischer Impulsgeber für den Interviewleitfaden – stammt ursprünglich aus der Psychotherapie. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion – zentraler Bestandteil beim Mentalisieren – bildet eine Voraussetzung zur erfolgreichen Selbstregulation im Berufsleben. Die Autorin zeigt – aus der Bindungsforschung abgeleitet – die Bedeutung der Mentalisierung als grundlegende Fähigkeit der Selbst- und Fremdwahrnehmung von Wünschen, Gefühlen, Überzeugungen und Zielen auf. Der Interviewleitfaden ermöglicht es nach dessen weiterer Evaluierung Fortschritte im Coaching abzuschätzen.
Online-Coaching befindet sich neben dem Präsenz-Coaching seit Corona auf dem Vormarsch. Im Fachdialog häufig geäußert werden jedoch Zweifel zur Beziehungsqualität in Online-Formaten. Den Gestaltungsbedingungen für eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung und vertrauensfördernden Maßnahmen im Online-Coaching wendet sich die Interview-Studie von Mirjam Besel zu. Auf Basis ihrer Interviews entwickelt die Autorin ein Erklärungsmodell für die Vertrauensbeziehung im videobasierten Coaching. Dabei berücksichtigt sie beide Perspektiven, die vom Coach und von den Klient:innen. Die Pilotstudie weist darauf hin, dass es eine verstärkte Aufmerksamkeit für die Beziehungsgestaltung und für vertrauensfördernde Handlungen braucht, damit der Coach zum „Designer von Vertrauensbeziehungen“ wird (S. 163).
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Fazit
Das Buch gibt interessante und inspirierende Einblicke in unterschiedliche Aspekte des Coaching-Prozesses und seine Implementierung. Zu jedem Thema erfolgt eine breite Darstellung des „State of the Art“, aktuelle wissenschaftliche Standpunkte und diesbezügliche Literatur werden vorgestellt. Auch erhalten die Leser:innen Einblick in die Forschungswerkstätten der drei Nachwuchsforscher:innen. Dabei werden sie von erfahrenen Forschungskolleg:innen wertschätzend begleitet.
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