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08-04-2020 | Interne Kommunikation | Interview | Article

"Offenheit und Klarheit sind in der Krise unverzichtbar"

Author:
Andrea Amerland
4 min reading time
Interviewee:
Andrea Montua

ist Inhaberin Kommunikationsagentur für Interne Kommunikation und Change in Hamburg.

Die Interne Kommunikation ist die DNA erfolgreicher Unternehmensführung, ist sich Andrea Montua sicher. Gerade jetzt in der Corona-Krise hat sie eine wichtige Funktion, da Teams den persönlichen Kontakt zueinander verlieren, so die Springer-Autorin im Gespräch.

Nicht selten wird die Interne Kommunikation vom Management stiefmütterlich behandelt. Sie sagen klar: Das ist eine Führungsaufgabe. Warum?

Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass die Interne Kommunikation die DNA erfolgreicher Unternehmensführung ist. Ohne sie funktioniert es nicht. Studien und Befragungen belegen, dass ein Großteil an Alltags- und Veränderungsprojekten scheitert, weil die Interne Kommunikation nicht gut ist oder gar fehlt. Die Interne Kommunikation nimmt heute viele Rollen ein, in denen sie mal Beraterin, Kollaborateurin, Redakteurin, Motivatorin oder Impulsgeberin ist, um nur ein paar zu nennen. Ob sie ihre Rollen ausfüllen kann, entscheidet die Haltung des Managements. Jede Führung ist gut beraten, die Interne Kommunikation als zentrale Schnitt- und Schaltstelle der Unternehmenskultur anzuerkennen und in vollem Umfang zu nutzen – um Ziele und Menschen zu erreichen.

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Was sagen Sie in diesem Zusammenhang zu dem Satz "Top-Down-Kommunikation ist zum Scheitern verurteilt"?

Ja, wenn sie allein regiert. In Zeiten großer Veränderung, der Unsicherheit oder eben in einer Krisensituation, wie wir sie aktuell erleben, brauchen wir klare und richtungsweisende Kommunikation von oben. Sie gibt Sicherheit und Orientierung, die wir strukturell ganz dringend brauchen, um gut arbeiten zu können. In unternehmerisch ruhigeren Fahrwassern sollte eine gesunde Kommunikationskultur gestärkt werden, die Stimmen aus allen Richtungen zulässt und hört. Nur so werden Sie eine deutlich höhere Identifikation und Commitment innerhalb der Belegschaft aufbauen.

Corona pusht nicht nur das Thema Homeoffice in Deutschland. Auch die Interne Kommunikation steht vor Herausforderungen. Was ist dabei das Gebot der Stunde? Worauf sollten Führungskräfte bei der Mitarbeiterkommunikation unbedingt achten?

Mitarbeiter und Teams verlieren durch Corona den persönlichen Kontakt zueinander. Gerade der erfüllt aber in persönlichen Belastungssituationen eine wichtige Funktion emotionaler Entlastung. Wir fühlen uns verbunden. Dieses Gefühl müssen in Zeiten von Corona die Führungskräfte und die funktionierenden Teamstrukturen vermitteln – sonst geben Angst und Verunsicherung in unseren Köpfen den Takt vor und wir verlieren jegliche Produktivität und Kreativität. Diese Situation stellt einige Führungskräfte vor große Herausforderungen, wenn sie nicht gelernt haben, über eigene Sorgen zu sprechen noch das Rüstzeug mitbringen, authentisch empathisch nah an ihren Mitarbeitern zu sein.

Wie unterscheidet sich Interne Kommunikation in der Krise von anderen Kommunikationssituationen in Unternehmen?

Sie muss mit der Kommunikation noch stärker die Grundbedürfnisse im Menschen bedienen: Ängste nehmen, Verbundenheit vermitteln, positive Erfahrungen fördern und diese gerade in der Krise nicht aus dem Blick verlieren. Dazu gehört auch Humor, Spaß und das Feiern von Erfolgen. Offenheit und Klarheit sind immer wichtig, in der Krise aber unverzichtbar, weil alles andere zu noch mehr Unsicherheit führt.

Wie kann Mitarbeitermotivation über interne Kanäle gelingen – gerade jetzt, da viele Mitarbeiter im Homeoffice agieren?

Motivation entsteht dadurch nicht anders, wir müssen nur die schon genannte Sicherheit und Struktur herstellen, damit dieser Teil unseres Hirns überhaupt ansprechbar wird. Ein ängstlicher Mensch kann erst dann motiviert werden, wenn ihm die Angst genommen wurde. Führungskräfte haben aktuell die große Chance, ihre persönliche Seite zu zeigen und den Mitarbeitern auf einer Ebene zu begegnen, auf der wirkliche Wahrnehmung stattfindet. In Situationen wie dieser merken wir ziemlich schnell, ob wir in der richtigen Firma sind und mit den richtigen Menschen zusammenarbeiten. Wenn bei allen wirtschaftlichen Herausforderungen Mitarbeiter spüren können, dass ihre persönliche Situation gesehen und nicht dem Wohl der Firma untergeordnet wird, sind sie nicht nur temporär motiviert, sondern nachhaltig überzeugt, beim richtigen Arbeitgeber beschäftigt zu sein.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die Art, wie in Unternehmen kommuniziert wird?

Nach Corona wird es ganz selbstverständlich sein, digitale Formate im virtuellen Arbeitsalltag zu nutzen. Dennoch wird die Digitalisierung nicht mehr das Allheilmittel und vor allem nicht Ausdruck einer neuen und besseren Zeit sein. Sämtliche Formate und Tools werden auf den Prüfstand kommen: Machen sie die Arbeit nur effizienter oder verbinden sie uns auch miteinander? Kritische Stimmen dazu gibt es seit Beginn der Digitalisierung, erhielten aber schnell den Stempel reaktionären Denkens. Künftig wird es eine weitere relevante Facette in modernen Unternehmen sein, die Digitalisierung als Unterstützung und nicht als Ziel zu begreifen.

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier

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