Drei Viertel der KMU investieren ohne Bankkredit
- 19-05-2025
- Investitionsfinanzierung
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Kredite von Banken und Sparkassen sind die wichtigste externe Finanzierungsquelle für Mittelständler - auch wenn 77 Prozent bei Investitionen darauf verzichten. Strukturelle Nachteile lassen die Kredithürde vor allem kleiner Betriebe steigen.
Mittelständler achten sehr genau darauf, wie sie ihre Investitionsprojekte finanzieren. Mit der Unternehmensgröße und dem Kapitalbedarf steigt das Interesse am klassischen Bankkredit.
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Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland finanzieren ihre Investitionsprojekte jährlich zu einem Drittel (32 Prozent) über Kredite von Banken und Sparkassen. Ihr Anteil liege damit auf dem Niveau der vergangenen 20 Jahre. "Diese sind damit die wichtigste externe Finanzierungsquelle des deutschen Mittelstands", heißt es im aktuellen Fokus Volkswirtschaft von KfW Research.
Auf Basis des KfW-Mittelstandspanels ermittelten die Volkswirte für das Jahr 2023 eine Kreditsumme in Höhe von insgesamt 79 Milliarden Euro. Eigenmittel, wie Cashflow oder Rücklagen durch einbehaltene Gewinne, machen mit 51 Prozent allerdings den größten Anteil im Finanzierungsmix im Jahr 2023 aus. Fördermittel kamen zuletzt auf einen Anteil von rund 13 Prozent.
Drei Viertel der KMU verzichten auf Bankkredit bei Investitionen
Wie hoch die eingesetzten Fremdmittel in der Praxis sind, variiert laut der Analyse erheblich. 2023 nutzten nur 23 Prozent der KMU Bankkapital für eine vollständige oder teilweise Investitionsfinanzierung. Kredite hatten in diesen Betrieben einen Anteil von durchschnittlich 69 Prozent am Finanzierungsmix. In den vergangenen 20 Jahren waren es durchschnittlich 68 Prozent. Die Zahlen zeigen allerdings auch, dass gut drei Viertel der Mittelständler (77 Prozent) auf Darlehen von der Bank gänzlich verzichten, wenn es um Investitionen geht. "Und diese Gruppe an KMU ist in den letzten zwei Dekaden deutlich größer geworden", heben die Analysten hervor. 2004 lag sie noch bei 60 Prozent, 2009 bei 68 Prozent und 2015 bei 72 Prozent.
Kreditfinanzierung ist meist Sache großer Mittelständler
Eine Ursache liegt laut Untersuchung in der Unternehmensgröße: Bei Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten griffen 2023 nur 20 Prozent auf Bankkredite zur Finanzierung von Investitionsprojekten zurück. Unter den Mittelständlern mit 50 und mehr Arbeitnehmenden waren es bereits 36 Prozent. Auch wenn kleine Unternehmen seltener Kredite zur Investitionsfinanzierung nutzen, betrug der durchschnittliche Kreditanteil im Finanzierungsmix der Investitionen bei ihnen im Jahr 2023 rund 73 Prozent. Dieser sinkt mit zunehmender Unternehmensgröße bis auf 58 Prozent (Betriebe ab 50 Beschäftigte).
Strukturelle Nachteile erschweren Kleinbetrieben den Kreditzugang
Für diese Entwicklung machen die Studienautoren strukturelle Nachteile von Kleinunternehmen beim Kreditzugang verantwortlich. Kapitalgeber können deren Kreditwürdigkeit häufig nur schwer einschätzen, weil die Kredithistorie, Sicherheiten und externe Ratings fehlen, aber auch das Finanzierungsvolumen meist nur gering ist. Das ungünstige Kosten-Nutzen-Verhältnis verteuere die Zinsen, lasse Sicherheitsanforderungen steigen und verringere so die Kapitalverfügbarkeit - ein Wettbewerbsnachteil gegenüber größeren Unternehmen.
2023 nahmen kleine KMU durchschnittlich 37.000 Euro Kapital bei einer Bank zur Durchführung eines Investitionsprojekts auf. Das entspricht dem langjährigen Mittel in diesem Segment von 39.000 Euro. Das Kreditvolumen großer Mittelständler lag im gleichen Zeitraum mit im Schnitt rund 900.000 Euro bei mehr als dem 24-Fachen. Dort beträgt der Mittelwert von 2007 bis 2023 825.000 Euro.
Mittelstand braucht Finanzierungspartner vor Ort
Ungeachtet der beschriebenen Unterschiede zwischen den mittelständischen Segmenten bleibe aber die Gesamtrelevanz von Bankkrediten im Finanzierungsmix der Investitionen im Mittelstand stabil.
Daher ist es auch nach wie vor von hoher Bedeutung für den oftmals lokal verankerten Mittelstand, einen funktionsfähigen Zugang zur Bankfinanzierung offen zu halten. Gerade mittelständische Unternehmen sind auf Fachwissen und Erfahrungen ihrer Finanzierungspartner vor Ort angewiesen, vor allem bei beratungsintensiven Finanzierungsanlässen. Vielfach langjährig gewachsene und stabile Geschäftsbeziehungen zu Kreditinstituten sind ein entscheidendes Kriterium für die Qualität und Quantität der Kreditversorgung des Mittelstands in Deutschland", lautet das Fazit der Studienautoren.