Zinssenkung keine Basis für Investitionsschub
- 11-06-2024
- Investitionsplanung
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Die Europäische Zentralbank hat die Zinszügel gelockert. Doch das hat nur bedingt Einfluss auf die mittelständischen Investitionen. Das hat eine Sondererhebung des KfW-Mittelstandspanels von Mitte April 2024 ergeben.
Zahlreiche KMU haben für 2024 keine Investitionspläne. Und viele Betriebe, die dennoch entsprechenede Projekte angehen, tuen dies meist mit Eigenmitteln.
Thomas Weissenfels / Fotolia
Wie von vielen Experten erwartet, hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins nach rund zwei Jahren kontinuierlicher Straffung das erste Mal wieder nach unten geschraubt. Diese Lockerung könnte die Kredite für Unternehmenskunden wieder verbilligen. Diese mussten infolge der Zinswende im Juni 2022 deutlich höhere Zinsen für Bankdarlehen berappen. Viele Investitionsprojekte liegen daher auf Eis oder wurden sogar komplett gekippt. Die künftig wieder günstigeren Finanzierungskonditionen der Investitionstätigkeit im Mittelstand im Jahr 2024 einen "zumindest leichten Schub" verleihen, zeigt die Ende Mai veröffentlichte Sondererhebung des KfW-Mittelstandspanels.
Kapital für grünen und digitalen Wandel
Die Förderbank hat ermittelt, dass rund jedes zehnte mittelständische Unternehmen seine Ausgaben in diesem Bereich im Gesamtjahr 2024 als Folge der Zinswende ausweiten könnte. Diese Betriebe befinden sich "in Wartestellung". Allerdings geben einige an, ihre Investitionen aber zumindest teilweise auch ohne Zinswende tätigen zu wollen. Ohne diesen Anteil wollen rund fünf bis sechs Prozent der Mittelständler die Leitzinssenkung nutzen, um im laufenden Jahr mehr als vorgesehen zu investieren.
"Davon profitieren werden voraussichtlich die Transformationsanstrengungen der Unternehmen", so KfW Research. Impulse erwarten die Volkswirte vor allem in den Bereichen Digitalisierung sowie Klimaschutz oder Energieeffizienz.
Zinsen nicht die größte Investitionshürde
Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben für 2024 allerdings keinerlei Investitionsambitionen. Sie planen daher auch keine neuen Darlehen für entsprechende Projekte. Daher spielt für diese Betriebe die aktuelle Leitzinskorrektur auch keine wesentliche Rolle. "Insbesondere die traditionell hohe Relevanz der Eigenfinanzierung dürfte einen möglichen Zinssenkungseffekt begrenzen", urteilen die Ökonomen.
Finanzierungskonditionen rangieren bei den mehr als 11.300 befragten KMU, deren Umsatz die Grenze von 500 Millionen Euro im Jahr nicht übersteigt, daher auch nur auf dem fünften Platz unter den Investitionshemmnissen (34 Prozent). Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Land (45 Prozent), Enerige-, Material- und Lohnkosten (43 Prozent), gesetzliche Vorgaben (39 Prozent) sowie die eigene Umsatzentwicklung (38 Prozent) spielen für die Betriebe eine größere Rolle.
Positiver Nettoeffekt bleibt beschränkt
Nur bei acht Prozent der Unternehmen führen sinkende Zinsen dazu, zusätzliche Projekte durchzuführen oder ihren Umfang auszudehnen. Zwei Prozent der KMU nutzen die EZB-Entscheidung, um bereits laufende Investitionen aufzustocken. "In diesen Fällen stünde tatsächlich ein positiver Nettoeffekt zu Buche."