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07-03-2017 | Investmentbanking | Kolumne | Article

Ein Plädoyer gegen das Trennbankensystem

Author:
Prof. Dr. Martin Faust
3:30 min reading time

In der Diskussion zur Bankenregulierung taucht immer wieder die Forderung nach einer Trennung der Banken auf. Finanzexperte Martin Faust zeigt auf, warum das Trennbankensystem nicht unbedingt sinnvoll ist.

Als Vorbild für die Idee, Banken in auf das Einlagen- und Kreditgeschäft beschränkte, Commercial Banks und am Kapitalmarkt tätige Investmentbanken aufzuteilen, soll die Entwicklung in den USA und Großbritannien nach der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts dienen. Damals sind in den USA und Deutschland annähernd die Hälfte der Banken pleite gegangen und viele Kunden verloren ihre Ersparnisse. Als Ursache wurde die Spekulation mit den Geldern der Einleger an den Wertpapiermärkten identifiziert. Um dies künftig zu verhindern, wurde das Trennbankensystem eingeführt.

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Das sogenannte Trennbankengesetz – Zwang zur Verlagerung bestimmter Handelsaktivitäten und Geschäfte mit stark gehebelten Investmentvehikeln auf ein gruppenangehöriges Finanzhandelsinstitut

Das sog. Trennbankengesetz stellt den Versuch des deutschen Gesetzgebers dar, die Empfehlungen des sog. Liikanen-Reports in Gesetzesform zu gießen. Zur Sicherung der Einlagen sowie zum Schutz der Solvenz großer CRR-Kreditinstitute (= Einlagenkreditin

Keine Frage, es gilt, das Risiko der Kreditinstitute zu reduzieren und damit die Volkswirtschaften und ihre Bürger vor schweren Schäden zu schützen. Eine Trennung der Banken ist hierfür jedoch nicht notwendig und auch nicht sinnvoll. Ein Vergleich mit der Situation vor 90 Jahren ist nicht mehr passend. Die Kundenbedürfnisse und die Finanzprodukte haben sich stark verändert. Auch taugt bei genauer Betrachtung die Entwicklung der vergangenen Jahre nicht für die These, dass ein Trennbankensystem stabiler sei als ein Universalbankensystem.

Investmentbanking ist mehr als Eigenhandel

Das Investmentbanking wird immer noch stark vereinfacht mit dem Kapitalmarktgeschäft, insbesondere dem Eigenhandel der Banken gleichgesetzt. In Politik und Medien wird der Eindruck vermittelt, als würden dort Hunderte von Händlern über ihren Monitoren sitzen und spekulieren. Dass sich aus dem Eigenhandel der Banken sehr hohe und existenzbedrohliche Risiken ergeben können, hat die Vergangenheit leider immer wieder belegt. Hieraus abzuleiten, dass zur ein Stabilisierung des Finanzsystems eine Aufspaltung der Geldinstitute die einzig sinnvolle Lösung sei, ist falsch. Angesichts der höheren Risikoanrechnung und der gestiegenen Eigenkapitalanforderungen ist die Attraktivität des Eigenhandels stark gesunken. Viele Banken haben sich hieraus weitgehend zurückgezogen und auf das kundennahe Geschäft konzentriert.

Enge Verzahnung

Gab es noch bis Anfang der 70er Jahre kaum Berührungspunkte zwischen beiden Banksäulen, so sind diese seitdem immer intensiver miteinander verwoben. Seit der Freigabe der Wechselkurse ist der Bedarf an Sicherungsgeschäften stark gestiegen. Heute sind es nicht mehr nur Großkonzerne, sondern auch kleinere Unternehmen, die ihre Währungsrisiken aus Im- und Exportgeschäften absichern. Die Professionalität in den Unternehmen ist sukzessive angestiegen. Heute gehört der Einsatz von Währungs- und Zinssicherungsgeschäften zur täglichen Praxis – auch bei mittelständischen Firmen.

Seit Mitte der 90er Jahre haben verstärkt Produkte aus dem Investment Banking Einzug in das Privatkundengeschäft gefunden, insbesondere in Form von Zertifikaten. Leider nicht immer zum Vorteil der Kunden. Die in den vergangenen Jahren gerade in der Anlageberatung eingeführten Maßnahmen zum Anlegerschutz sollten jedoch künftig Exzesse verhindern. Angesichts der Marktturbulenzen der vergangenen Zeit steigt das Interesse der privaten Anleger an Absicherungsinstrumenten. Ebenfalls ermöglichen es strukturierte Produkte, von Seitwärts- oder Abwärtsmärkten zu profitieren. Zielgerichtet eingesetzte Derivate stellen eine Bereicherung im Portfoliomanagement dar und werden daher in der Direktanlage sowie der Vermögensverwaltung eingesetzt.

Umfassende Angebotspalette ist für Kunden von Vorteil

Angesichts der Vielzahl von Verbindungen zwischen Investment und Commercial Banking ist eine Trennung nicht sinnvoll. So können Firmen- und Privatkunden – auch im Sinne einer ganzheitlichen Betreuung – Finanzprodukte aus einer Hand angeboten werden. Eine erzwungene Trennung ist daher nicht im Interesse der Bankkunden und führt zu höheren Transaktionskosten.

Die weit verbreitete Vorstellung, dass Investmentbanken sehr hohe Risiken eingehen, ist falsch. Bei der Mehrzahl ihrer Geschäfte sind die Banken nur Berater oder Vermittler. So beraten sie Unternehmen beispielsweise bei Übernahmen und Fusionen sowie bei Börsengängen und der Emission von Anleihen. Bei Absicherungsgeschäften an den Zins- oder Devisenmärkten treten Kreditinstitute zwar häufig als Kontrahent auf, schließen jedoch in der Regel zeitgleich Gegengeschäfte als Hedge am Markt ab.

Commercial Banks mit Problemen

Dass ein Trennbankensystem grundsätzlich sicherer ist, kann stark bezweifelt werden. So waren es gerade klassische Banken, die unter anderem in Spanien und Italien gerettet werden mussten. Daher machen es sich Politik und Medien zu einfach, wenn sie die Bankenwelt in "Gut" und "Böse" einteilen. Letztlich wird die Bank erfolgreich sein, die die Bedürfnisse ihrer Kunden möglichst umfassend erfüllen kann. Somit ist es auch für Geldhäuser sinnvoller, auf zwei Beinen zu stehen, als nur auf einem.

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