Skip to main content
main-content
Top

24-11-2020 | Kapitalmarkt | Nachricht | Article

Gold bleibt auch nach Corona-Krise gefragt

Author:
Michael Fuchs
2:30 min reading time

Seit den Rekordkursen im Sommer dümpelt der Goldpreis dahin. Und auch bei den Aktienmärkten, die jüngst von der Impfstoffeuphorie befeuert wurden, bröckeln wieder die Notierungen. Doch die Experten sind sich einig, dass das Edelmetall langfristig nichts von seinem Glanz verliert.

Der Goldpreis hat in den vergangenen zwei Jahren genau das gemacht, was sich Anleger von einem Investment wünschen: Eine kontinuierliche Aufwärtsbewegung ohne schwere Korrekturen. Der Rücksetzer Anfang März war zwar deutlich, aber auch schnell vorbei - und nichts im Vergleich zum freien Fall der Aktienmärkte in dieser Zeit. Doch zuletzt hat der Goldpreis an Schwung verloren: Seit August entwickelt sich der Kurs nur seitwärts. Die Aussicht auf einen Corona-Impfstoff brockte dem Edelmetall, das gerne zur Risikoabsicherung eingesetzt wird, zuletzt sogar merkliche Verluste ein.

Rahmenbedingungen für Gold bleiben gut

Doch wäre mit dem Ende der Corona-Krise auch der Boom der Krisenwährung vorbei? Wohl kaum, denn die Rahmenbedingungen sind weiterhin gut. Ein Blick auf den Kursverlauf zeigt, dass der Aufwärtstrend schon vor der Pandemie einsetzte und daher nicht von ihrem weiterem Verlauf abhängt. Mit deren Ende dürfte sich der Blick vielmehr wieder auf die Fundamentaldaten richten. Und die sprechen klar für Gold. 

So könnten die gewaltigen Hilfsmaßnahmen, die durch neue Schulden finanziert wurden, mittelfristig die Inflation anheizen, betont Benjamin Louvet, Fondsmanager des OFI Precious Metals Funds bei OFI Asset Management, in einer Studie: "Die Pandemie hat die Regierungen insbesondere in den USA und Europa veranlasst, ihren Bürgern eine Vielzahl von Konjunktur- und fiskalpolitischen Maßnahmen wie Kurzarbeitergeld, direkte Auszahlungen und finanzielle Hilfen zukommen zulassen. Der Staat zwingt insbesondere über staatlich besicherte Hilfskredite die Banken, Unternehmen Geld zu leihen. Das sind de facto Liquiditätsspritzen direkt in die Realwirtschaft." 

Hinzu komme, dass die Krise genutzt werde, um Projekt wie die Klimawende voranzutreiben. Der Wechsel zu Erneuerbaren Energien könnte sich nach Ansicht von Louvet aber als weiterer Inflationstreiber erweisen, da er die Strompreise anheize. Für das Edelmetall, das als Inflationsabsicherung gilt, wäre das eine Steilvorlage.

Anleger greifen aus Inflationsangst zum Edelmetall

Gold profitiert jedoch nicht nur von Inflationssorgen. Die extreme Verschuldung vieler Staaten erzwingt geradezu anhaltend niedrige Zinsen, um die Schuldenlast zu bewältigen. Da halbwegs solide Anleihen keine Rendite bringen und durch die Inflation mit der Zeit an Wert verlieren, übernimmt das Edelmetall zunehmend deren Funktion als sicherer Hafen. 

"Inhaber von globalen Anleihen und Barmitteln betrachten Gold als Möglichkeit zur Diversifizierung und zum Schutz ihrer Kaufkraft", merkt Ned Naylor-Leyland, Head of Strategy für Gold und Silber bei Jupiter Asset Management, dazu an. Das gelte um so mehr, als die Opportunistätskosten angesichts von Zinspapieren, die praktisch nicht mehr abwerfen, zu vernachlässigen seien, so Werner Krämer, Geschäftsführer und Macro-Economic Analyst bei Lazard Asset Management in Deutschland.  

Die Experten werte die Kursschwäche daher nicht als als Vorboten einer Flaute . "Der übergeordnete Aufwärtstrend ist nicht in Gefahr", stellt der technische Analyst Christoph Geyer von der Commerzbank fest. Die laufende Konsolidierung könnte Gold zwar noch auf 1.800 US-Dollar drücken, stärkere Verluste fürchtet der Analyst aber nicht. Damit dürfte sich die derzeitige Phase als das erweisen, was schon frühere Seitwärtsbewegungen bei Gold waren: Der Anlauf für den nächsten Sprung nach oben.

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier

Related topics

Background information for this content

Premium Partner

    Image Credits