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21-07-2022 | Kapitalmarkt | Schwerpunkt | Article

Mit einem Allwetter-Portfolio durch Krisen manövrieren

Author: Michael Fuchs

3:30 min reading time

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Sachwerte und damit auch Aktien gelten als probates Mittel gegen eine Inflation. Wenn sie aber schneller an Wert verlieren als die Preise anziehen, ist es mit dem Inflationsschutz vorbei. Daher ist in Krisenzeiten eine andere Herangehensweise gefragt. 

Der Weltaktienindex MSCI World bietet eine einfache und vergleichsweise risikoarme Möglichkeit, in Aktien zu investieren. Doch seit Jahresbeginn hat der Index, auf den es zahlreiche börsengehandelte Fonds gibt, rund 20 Prozent eingebüßt. Wer sein Geld unverzinst auf dem Konto hätte liegen lassen, wäre also besser gefahren, denn zuletzt lag die Inflationsrate in Deutschland bei 7,6 Prozent. 

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Aktie und Kapitalmarkt: Funktion und Wirkung

Die Aktie ist nun schon seit mehreren hundert Jahren das fungible Wertpapier, das die Eigentumsanteilsrechte an einer Aktiengesellschaft verbrieft. Um die Handelbarkeit dieser Eigentumsrechte zu erhöhen, wurden Aktien schon früh zum Handel an streng regulierten und überwachten Wertpapierbörsen zugelassen, die in ihrer Gesamtheit den organisierten Kapitalmarkt für Aktien bilden.

Doch was tun? Breite Streuung von Aktieninvestments ist offensichtlich kein Allheilmittel, wenn ein Index wie der MSCI World mit seinen rund 1.600 Aktien ein Fünftel an Wert verliert. Matthias Mohr, Managing Director der Fondsgesellschaft Capital Group, empfiehlt daher eine sorgfältige Auswahl. Sein Ziel: "ein Allwetter-Prtfolio", das hilft, Risiken "abzufedern und langfristig Gewinne zu erzielen". Ein derartiges Portfolio setzt auf fünf Kriterien, zu denen es jeweils geeignete Aktien gibt.

Solidität und Sicherheit versprechen Rendite

Das erste Merkmal ist die Beständigkeit. Dieses Kriterium erfüllen Unternehmen, "die in der Lage sind, ihre Gewinne im Laufe der Zeit kontinuierlich zu steigern". Um derartige Firmen zu finden, gibt es einige bewährte Messgrößen. Mohr nennt "Nachhaltigkeit der Erträge, die Rendite auf das investierte Kapital und die Gesamtgröße der Zielmärkte".
 
Interessant sind daneben Unternehmen, deren Erträge sich auch in einem schwierigen Marktumfeld gut vorhersehen lassen. Mohr spricht hier von Abonnementmodellen. Darunter fallen Geschäftsmodelle, die gemeinhin als defensiv gelten, also vom konjunkturellen Auf und Ab weniger tangiert sind.
 
Ähnlich sieht es bei der dritten Gruppe aus, den Unternehmen mit rentenähnlichen Cashflows. Es sind Firmen, deren Geschäftsmodell so zuverlässig ist, dass ihre Aktien bis zu einem gewissen Grad die Funktion sicherer Anleihen erfüllen. Mohr nennt als Beispiel Unternehmen, die über ein hohes Maß an wiederkehrenden Gesamteinnahmen verfügen, wie es etwa bei Anbietern aus dem Daten- und Analysegeschäft der Fall ist.

Aktien innovativer Unternehmen im Blick behalten

Während bei den ersten drei Kriterien Solidität und Sicherheit künftiger Erträge im Zentrum stehen, spielen bei den übrigen Innovation und Zukunftsfähigkeit eine zentrale Rolle. Die erste Gruppe davon sind sogenannte Smart Industrials. Anders als der Name vielleicht vermuten lässt, sind dies jedoch keine kleinen Firmen mit innovativen Produkten, sondern bewährte Industrieunternehmen, "die von den wachstumsgetriebenen säkularen Entwicklungen in den Bereichen Automatisierung und Sensorik, Elektrifizierung, Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft sowie Ausbau und Modernisierung der Stromnetze profitieren werden".
 
Daneben empfiehlt Mohr Vorreiter im Bereich Nachhaltigkeit. Auch hier geht es nicht um risikoreiche kleine Werte, die wie etwa die Wasserstoffaktien durch enorme Kurssprünge in beide Richtungen auffallen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr gut positionierte Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien.

Auf Risikostreuung achten

Für Privatanleger, die nicht über die Zeit und die Expertise verfügen, Aktien aus den genannten Gruppen zu identifizieren, gibt es inzwischen eine ganze Reihe aktiver, aber auch passiver börsengehandelter Fonds, aus denen sich ein Allwetter-Portfolio zusammenstellen lässt. Doch auch hier sollte der Aspekt der Risikostreuung nicht außer Acht gelassen werden. 

"Ein Anlageportfolio sollte dem Alter, den Vermögensverhältnissen und den Ansprüchen des Anlegers angepasst sein", schreibt hierzu Guido Wenski im Buchkapitel "Behavioral Finance - Investieren am Aktienmarkt" (Seite 136). Dies bedeute, dass das vorhandene Kapital in unterschiedliche Anlageklassen aufteilt. Hierzu gehören neben Aktien "Immobilien (auch selbst bewohnte), Renten und liquide Mittel", so der Springer-Autor. "Ein Aktienanleger benötigt gute Nerven. Dafür ist die Festlegung von Anlagezielen und persönlicher Anlagestrategie vor allem bei Investition in Einzeltitel wichtig", so der Experte und erläutert: 

Ein ausgewogenes Aktienportfolio enthält Anteilsscheine aus verschiedenen Branchen, die nicht notwendigerweise denselben Konjunkturzyklen folgen. Die Grundlage für den Vermögensaufbau sollten immer Dividendenpapiere mit hoher Bonität bilden. [...] Dazu werden Aktien mit etwas höherem Risiko gemischt. Nachhaltigkeits- und Ausschlusskriterien helfen bei der Auswahl."

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