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17-05-2019 | Kapitalmarkt | Interview | Article

"Kapitalgeber interessiert bei Fintechs nicht gehobenes Potenzial"

Author:
Angelika Breinich-Schilly
3 min reading time
Interviewee:
Dr. Nils Beier

ist Managing Director und Fintech-Experte bei Accenture Strategy.

Fintechs sind ein interessantes Ziel für Geldgeber. Aktuell haben sie vor allem Ziele in China im Blick. Welche Regionen für Investoren noch interessant sind und wo der deutsche Markt Chancen bietet, erklärt Fintech-Experte Nils Beier. 

Fast die Hälfte aller Investitionen in Fintechs wurden 2018 in China gezählt. Warum sind die jungen Technik-Unternehmen dort scheinbar interessanter als andernorts?

Zum einen gab es in China anfangs recht wenig Wettbewerb. So konnten Fintechs ihre Services sehr schnell skalieren und wachsen. Außerdem darf man das ursprünglich in China eher magere Angebot an Banken und Finanzdienstleistungen nicht außer Acht lassen. In diese Lücke konnten Fintechs einfacher vorstoßen, weil die Kunden neuen Anbietern bereitwillig eine Chance geboten haben. Ein wichtiger Aspekt ist sicherlich auch der nahezu fehlende Wettbewerb von außen, aufgrund der Marktabschottung in China. 

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Spielen auch andere Gründe eine Rolle?

Insgesamt haben Fintechs in China auch von regulatorischen Vorgaben profitiert, die weit weniger ausgeprägt sind, als in Europa. Für eindeutige Bankdienstleistungen sind zum Beispiel oft keine Banklizenzen nötig. Hinzu kommt, dass sich die Fintech-Lösungen oft in umfassende Ökosystem- und Plattformlösungen der chinesischen Tech-Giganten integrieren und so eine unglaublich große Nutzerzahl erreichen. Grundlegend muss man aber festhalten, dass die Investitionshöhen 2018 durch wenige große Deals zustande gekommen sind. Dagegen lag das Deal-Volumen in Europa 2017 sogar höher als in Asien.

Worauf achten Geldgeber aktuell besonders?  Gibt es hier Unterschiede in den Regionen, wenn wir den weltweiten Markt betrachten?

Ganz allgemein gesprochen, gibt es den Trend, weg von ausgefallenen neuen Technologien und hin zu bewährten Geschäftsmodellen. Ein ausgereiftes Fintech in einem gewachsenen Markt mit einem stimmigen und erfolgreichen Geschäftsmodell zieht heute das Kapital der Investoren an. Aber auch hier gibt es regionale Unterschiede: In Deutschland fließen 72 Prozent der Investitionen in die Bereiche Wealth und Asset Management sowie Zahlungsverkehr und Lending. In den USA werden im Gegensatz auffällig viele Analytic-getriebene Fintechs finanziert, insbesondere im Bereich Advanced Credit Scoring. Die unterschiedlichen regulatorischen Vorschriften in Sachen Datenschutz spielen dabei natürlich eine große Rolle. Auch die Herkunft der Investitionen ist sehr heterogen. In die Fintech-Märkte von Europa und den USA investieren viele unterschiedliche Nationen und Geldgeber. In China erfolgt das gesamte Funding aufgrund des abgeschotteten Marktes meist lokal, also durch chinesische Investoren.

Zuletzt sammelte N26 Geld für die Expansion in die USA. Was macht deutsche Fintechs insgesamt interessant für Investoren?

Deutschland ist die Nummer zwei in Europa, hinter Großbritannien. Die Summen, die in Fintechs investiert werden, wachsen hier im Schnitt um 36 Prozent jährlich. Längst hat sich Berlin als einer der Hotspots für die Szene etabliert, der Talente aus der ganzen Welt anlockt. Für Investoren ist die deutsche Fintech-Szene vor allem aus folgenden Gründen interessant: Deutschland gilt als Tor für das restliche Europa. Zudem sind deutsche Banken aufgrund des stark regulierten Marktes eher konservativ eingestellt und überlassen riskante Bereiche des Lendings Fintech-Unternehmen. Die hiesigen Banken sind aber durchaus offen für Kooperationen, was auch durch die Einführung von PSD2 ermöglicht wurde. Die Regulierung kann aber auch ein entscheidender Vorteil für Investoren sein, denn sie ist sehr stabil und damit gut kalkulierbar. 

Wo sehen Sie Wachstumschancen?

Ein weiterer Grund für Deutschland aus Sicht der Kapitalgeber dürfte das breite noch nicht gehobene Potenzial für Fintechs sein: Es liegt viel nicht- oder nur schlechtverzinstes Kapital auf Giro- und Tagesgeldkonten. Außerdem ist der Anteil an Barzahlungen in Deutschland immer noch ungewöhnlich hoch. Hier bieten sich also noch große Entwicklungspotenziale für Fintechs.   

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