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01-03-2018 | Kapitalmarkt | Kolumne | Article

"Mit Krypto-Währungen, Blockchain und ICOs beginnt eine neue Ära"

Author:
Frank Schwab

Bis zum Jahr 2027 könnten laut World Economic Forum (WEF) etwa zehn Prozent der globalen Bruttoinlandsprodukte in Blockchain-Technologien gespeichert sein. Das entspricht einem Wert von mehr als acht Trillionen US-Dollar. Das schnelle Auf und Ab der Krypto-Währungen ist aber nichts für schwache Anlegernerven, meint Springer Professional-Kolumnist Frank Schwab.

Als treibende Faktoren für die Krypto-Währungen sieht das WEF unter anderem die zunehmende finanzielle Inklusion in Schwellenländern, die Disintermediation von Finanzinstitutionen und eine Explosion digital handelbarer Vermögenswerte. Im vergangenen Jahr 2017 haben sich offensichtlich die Kryptowährungs-Pioniere auf den Weg gemacht und die Marktkapitalisierung aller Krypto-Währungen von 18 Milliarden US-Dollar im Januar 2017 auf in der Spitze 813 Milliarden US-Dollar am 7. Januar 2018 um den Faktor 45 gesteigert. Das sind bereits zehn Prozent der vom WEF vorhergesagten acht Trillionen US-Dollar. Seitdem wurden wir Zeitzeugen höher Volatilität. In nur wenigen Tagen fiel die Marktkapitalisierung am 8. Februar 2018 auf 283 Milliarden US-Dollar zurück. Das entspricht einem Rückgang um 65 Prozent. Zeitweise verändert sich die Marktkapitalisierung des Krypto-Geldes um 50 bis 100 Milliarden US-Dollar in nur wenigen Stunden. Also nichts für schwache Anlegernerven oder gar konservative Sparer. 

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Neue digitale Vermögenswerte

Gleichzeitig beobachten Branchenkenner Erstaunliches: Fast aus dem Nichts hat sich eine neue Art der Unternehmensfinanzierung etabliert. Mittels Initial Coin Offering (ICO) beschaffen sich beispielsweise Start-ups und Unternehmer durch Ausgabe einer eigenen Krypto-Währung Kapital, und ersetzen damit klassische Eigen- und Fremdkapitalinstrumente und sogar innovative Crowdinvestitionen oder Crowdfinanzierungen. Während im ersten Quartal 2017 weltweit sieben Unternehmen im Rahmen ihrer ICOs 28 Millionen US-Dollar eingeworben haben, waren es im vierten Quartal 2017 bereits mehr als 100 Unternehmen, die zusammen 2,8 Milliarden US-Dollar eingesammelt haben. Das entspricht einer unglaublichen Verhundertfachung in nur wenigen Monaten. In Frankfurt finanziert beispielsweise das für seine Spar-App bekannte Fintech Savedroid seine Produktentwicklung "Krypto-Währungen für Jedermann" mittels ICO. Und mit dem Berliner Fintech Neufund startet gerade eine auf Blockchain und Crowd basierte Finanzierungsplattform für Equity Token Offerings (ETOs). Beide Start-ups geben die Hoffnung, dass wir in Deutschland nicht den Anschluss an die Innovationsspitze bei Finanzdienstleistungen verlieren.

Auch die Venture-Capital-Investitionen in die noch sehr junge Blockchain-Industrie haben sich seit 2012 jährlich gesteigert: Vor sechs Jahren mit einer Million US-Dollar gestartet, waren es 2016 bereits mehr als 500 Millionen US-Dollar, Tendenz weiter steigend. Derartige Investitionen deuten darauf hin, dass sich die Prognose des WEF erfüllen wird. 

Verbote und Hacks lassen die Krypto-Währungsmärkte wackeln

Verboten für den Besitz oder Handel von Krypto-Währungen in wenigen Ländern, wie Bolivien, Bangladesch oder Marokko, stehen viele neutrale Länder, wie USA, UK, und Deutschland gegenüber und einige, wie die Schweiz, Singapur oder Malta, die sich an die Spitze der Innovationen im Finanzbereich setzen. Wiederholt haben Hacks einzelner Krypto-Börsen Aufsehen erregt, wie zuletzt der Diebstahl von 523 Millionen NEM im Gegenwert von 534 Millionen US-Dollar bei der japanischen Krypto-Börse Coincheck, der die Krypto-Märkte wackeln ließ. Aber die daraus resultierenden Kursverluste wurden in der Regel innerhalb von zwei bis drei Tagen zu guten Teilen wieder aufgeholt. Eine nachhaltige Marktbeschädigung aufgrund der Hacks ist gegenwärtig nicht zu erkennen.

Am Beginn einer neuen Ära

Alles, was wir zurzeit im Zusammenhang mit Krypto-Währungen, der Blockchain und neuen digitalen Anlageformen beobachten, lässt sich mit der Entstehung einiger Megatrends der letzten 30 Jahre gut vergleichen. Während Second Life, eine eigene virtuelle Welt, sich als Modeerscheinung nicht durchsetzen konnte, ist das Internet heute im Privat- und Geschäftsleben nicht mehr wegzudenken. Die ersten Mobile-Banking- und Brokerage- Anwendungen mittels der frühreifen WAP-Technologie für Mobiltelefone sind um die Jahrtausendwende so schnell verschwunden, wie sie gekommen sind. Die nächste Entwicklungsstufe, das Smartphone, hat unseren Alltag bis in die Grundzüge des menschlichen Kommunikationsverhaltens für immer verändert. Krypto-Währungen, Blockchain- Anwendungen, ICOs und ETOs geben aktuell einen Einblick in die Welt der Finanzdienstleistungen in zehn bis 20 Jahren. Dabei kann man sich als Anleger mächtig die Finger verbrennen oder beträchtlichen Reichtum erlangen. Wir stehen am Beginn einer neuen Ära – nicht mehr, und auch nicht weniger.

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