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20-09-2019 | Kapitalmarkt | Im Fokus | Article

Banken fördern Nachhaltigkeit mit passenden Produkten

Author:
Barbara Bocks
3 min reading time

Nachhaltiger zu wirtschaften ist für viele Unternehmen ein wichtiges Thema und wird auch in der breiten Öffentlichkeit viel diskutiert. Eine wichtige Rolle können dabei die Kreditinstitute einnehmen und zugleich ihr Image aufpolieren.

Der Ruf nach Nachhaltigkeit macht auch vor der Wirtschaft nicht Halt. 74 Prozent der Bundesbürger erwarten laut einer aktuellen Cofinpro-Studie von Finanzdienstleistern, dass sie Druck auf Unternehmen ausüben, damit diese nachhaltig wirtschaften. "In dieser Rolle können die Banken ihren im Zuge der Finanzkrise angeschlagenen Ruf wieder aufbessern und in der Gesellschaft ein positives Zeichen setzen", sagt Daniel Spitschan, Manager bei Cofinpro, gegenüber springerprofessional.de. Dass sie dazu in der Lage sind, trauen ihnen 43 Prozent der Bundesbürger zu. Das ist aus Spitschans Sicht "ein recht hoher Wert".

Nachhaltigkeit über Kredite steuern

Kreditinstitute sind seiner Ansicht nach in der Lage, die Wirtschaft über die Kreditvergabe zu lenken und somit beispielsweise Unternehmen, die auf faire Arbeitsbedingungen und die Umwelt achten, bei der Vergabe und den Konditionen zu unterstützen. Ebenso trage die gezielte Finanzierung sozialer Projekte zur Vorreiterrolle bei.

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Beim Vertrieb nachhaltiger Produkte gibt eine große Mehrheit der Finanzexperten an, dass die Produktauswahl schwieriger ist und umfangreichere Informationen benötigt werden. Trotz der schwierigen Produktauswahl gehen nur 28 Prozent der befragten Finanzexperten laut der Studie davon aus, dass nachhaltige Geldanlagen mit Mehrkosten verbunden sind. Vor dem Hintergrund des komplizierten Handlings und der aufwendigen Beratung dieser Produkte wird Spitschan zufolge eine einheitliche EU-Regelung noch wichtiger. "Erst mit der Umsetzung der Ergänzungen zu Mifid II gibt die EU einen einheitlichen Rahmen vor, um Investitionen in ein ökologisch nachhaltiges Wirtschaftssystem zu stärken", so Spitschan. Vergleichbarkeit und Transparenz würden so verbessert.

Kapitalmarkt kommt Schlüsselrolle zu

Dem Kapitalmarkt komme dabei laut Spitschan eine Schlüsselrolle zu, um die von der EU gewünschte Verschiebung zugunsten einer nachhaltig handelnden Ökonomie durchzusetzen.  Anlässlich des kommenden UN-Klimagipfels appellieren 515 institutionelle Investoren, die weltweit 35 Billionen US-Dollar managen, am 19. September an die Regierungen, Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen. In der so genannten "Investor Agenda" fordern unter anderem auch deutsche Investoren wie Union Investment und DWS die Regierungen dazu auf,

  • weltweit aus der thermischen Energie auszusteigen,
  • einen vernünftigen Preis für die Kohlenstoffverschmutzung vereinbaren
  • die Regierungssubventionen für fossile Brennstoffe zu beenden und
  • die nationalen Beiträge zu verbessern, um die Emissionsreduktionsziele des Pariser Abkommens nicht später als im Jahr 2020 zu erreichen.

"Ausgehend von kirchlichen Anlegern, die versuchten, Investitionen in kontroversen Themen zu vermeiden, sei die nachhaltige beziehungsweise sozial verantwortliche Geldanlage zu einem relevanten Teil des Finanzmarkts geworden" , erklärt Bankmagazin-Autor Henry Schäfer im Beitrag "Ethische Werte definieren" der Sommer-Ausgabe (Seite 34) . Auch immer mehr Privatkunden hätten den Wunsch, mit ihrem Ersparten Gutes für die Natur und die Gesellschaft zu tun, hinken aber in vielen Ländern in ihrem Anlagevolumen den institutionellen Investoren hinterher, erläutert der Professor für Betriebswirtschaft der Universität Stuttgart.

Private investieren nur wenig nachhaltig

In der breiten Bevölkerung ist nachhaltiges Investieren noch nicht tief verankert. Jeder Zweite sieht laut der Cofinpro-Befragung in nachhaltigen Investments nur ein vorübergehendes Hype-Thema. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie im Auftrag des Bundesverbands deutscher Banken. Lediglich fünf Prozent der knapp 1.000 Befragten sagten in der Online-Befragung, die im Juni 2019 veröffentlicht wurde, in nachhaltigen Anlagen investiert zu sein. 

Allerdings steigt der Anteil mit zuehmendem Einkommen an. Bei Einkommen über 3.000 Euro monatlich haben zehn Prozent der Befragten bereits nachhaltig investiert. Vor allem die Sorge vor zu wenig Rendite und fehlendes Wissen hindern die meisten der Befragten, die den Begriff kennen, daran, in nachhaltige Produkte zu investieren.

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