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21-08-2017 | Kläranlagen | Interview | Article

"Die Thematik der Spurenstoffe gehört zu den Top-Themen"

Author:
Nico Andritschke
Interviewee:
Dr.-Ing. Steffen Metzger

ist Leiter des Kompetenzzentrums Spurenstoffe Baden-Württemberg (KomS), das sich als Plattform zum Wissens- und Technologietransfer sowie zum Erfahrungsaustausch rund um das Thema "Spurenstoffe im Abwasser" versteht.

Der steigenden Spurenstoffbelastung der Gewässer ist nicht mit dem alleinigen Ausbau von Kläranlagen zu begegnen. Dr. Steffen Metzger bilanziert die Forschung und umreißt die Strategie des Bundes.

Springer Professional: Die Kompetenzzentren für Spurenstoffe in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und der Schweiz begingen kürzlich ihr 5-jähriges Jubiläum. Welche Bedeutung hat das Thema Spurenstoffe aktuell und wie fällt die Bilanz für ihre Arbeit aus?

Steffen Metzger: Die Thematik der Spurenstoffe gehört zweifelsohne zu den Top-Themen, mit denen man sich gegenwärtig im Bereich der Siedlungswasserwirtschaft auseinandersetzt. Dies wird auch daran deutlich, dass bei nahezu allen großen Fachveranstaltungen ein Block "Spurenstoffe" auf der Tagesordnung steht. Auch die Anzahl an Fachpublikationen und Untersuchungsvorhaben zu dieser Thematik hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Rückblickend auf die vergangenen Jahre fällt die Bilanz für unsere Arbeit durchweg positiv aus. Gerade da der Ausbau der Kläranlagen in Deutschland bislang ohne gesetzliche Verpflichtung erfolgt, hat sich das KomS zur Bündelung und Klärung der vielen anstehenden Fragen als zentrale und unabhängige Anlaufstelle im Land als auch zur wissenschaftlich-technischen Begleitung der Umsetzung von Maßnahmen auf Kläranlagen bewährt.

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Perspektiven der kommunalen Abwasserbehandlung

Nachhaltiges Handeln wird auch die kommunale Abwasserbehandlung verändern. Zum einen werden aus Gewässerschutzgründen weitergehende Anforderungen an den Ablauf von Kläranlagen gestellt, zum anderen müssen die im Abwasser enthaltenen Ressourcen künftig besser genutzt werden.


Unzählige Forschungs- und Pilotprojekte wurden in den letzten Jahren, beschränkt auf wenige Bundesländer, realisiert. Ist man mit den gewonnenen Erkenntnissen und Erfahrungen in der Lage den Spurenstoffen effektiv zu begegnen?

Mit den Reinigungsverfahren zur gezielten Spurenstoffelimination kann eine Vielzahl an Spurenstoffen in hohem Umfang aus dem Abwasser eliminiert werden. Jedoch gelingt es nicht, alle im Abwasser enthalten Spurenstoffe zu entfernen. Obgleich dessen konnte bereits mehrmals gezeigt werden, dass mit den Verfahren zur Spurenstoffelimination die "toxische Wirkung" des Abwassers reduziert werden kann. Daher bin ich der Ansicht, dass mit der Erweiterung von Kläranlagen um Verfahren zur Spurenstoffelimination ein sinnvoller Beitrag zur Reduktion des Spurenstoffeintrags geleistet werden kann. Es müssen jedoch auch an anderen Stellen Maßnahmen ergriffen werden, um den Spurenstoffen in Summe effektiv zu begegnen.

Die Elimination welcher Spurenstoffe hat dabei Priorität und welche Verfahrenstechnologien kommen hauptsächlich zur Anwendung?

Derzeit werden von der Fachwelt die OzonungFiltertechnologien mit granulierter Aktivkohle sowie Verfahren mit Pulveraktivkohle als auch Kombinationen dieser Verfahren als realisierbare Technologien für die Spurenstoffelimination angesehen. Mit all diesen Verfahren kann eine "Breitbandelimination" erzielt werden. Eine Priorisierung zur Elimination einzelner Stoffe war bislang nicht gegeben. Letztendlich kann mit diesen Technologien die Restbelastung des Abwassers "in Summe" verringert und damit der Eintrag von "Stressoren" in die Gewässer reduziert werden.

Sind daraus resultierende positive Effekte in den Fließgewässern feststellbar?

Aus einigen Untersuchungsvorhaben sind erste positive Resultate bekannt, aber insgesamt besteht auf diesem Gebiet noch weiter Forschungsbedarf. 

Welche Erfahrungen können die Schweizer Kollegen beisteuern?

In der Schweiz ist man in Sachen Spurenstoffelimination schon einen Schritt weiter. So gibt es mittlerweile eine gesetzliche Regelung zur Spurenstoffelimination auf Kläranlagen. Und nicht nur das, auch die Frage der Finanzierung ist dort bereits geregelt, ebenso wie die Überwachung der Eliminationsleistung. Dennoch ist man sich auch dort bewusst, dass man alleine mit dem Ausbau von Kläranlagen das Problem der steigenden Spurenstoffbelastung im Gewässer nicht lösen kann. Und so widmet man sich, nach Findung einer Regelung für die Kläranlagen, nun in einem nächsten Schritt den Einträgen von Spurenstoffen aus der Industrie und dem Gewerbe sowie wie den diffusen Spurenstoffeinträgen ins Gewässer. Die Probleme sind die gleichen wie hierzulande, die strategische Herangehensweise ist eben eine andere.

Im Juni fand eine Abschlussveranstaltung zum Stakeholder-Dialog "Spurenstoffstrategie des Bundes" statt. Was sind die Ergebnisse und wie geht es weiter?

Als Ergebnis des Stakeholder-Dialogs wurden 14 Handlungsempfehlungen erarbeitet. Die Empfehlungen zielen auf Minderungsstrategien an den Quellen, in der Anwendung und auf Basis nachgeschalteter Maßnahmen ab. Dem übergeordnet ist eine Empfehlung, relevante Spurenstoffe, sprich Stoffe, die eine hohe Relevanz hinsichtlich ihres Vorkommens in der Umwelt und ihrer human- beziehungsweise ihrer ökotoxikologischen Eigenschaften aufweisen, festzulegen. Dazu ist zunächst eine Vorgehensweise für die Ableitung und Evaluierung der relevanten Spurenstoffe zu erarbeiten, um eine solche Stoffliste festlegen und fortlaufend den neuesten Erkenntnissen anpassen zu können. Als weitere übergeordnete Maßnahme wird empfohlen auf Bundesebene einen Vorschlag zur Finanzierung für die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen zu erarbeiten. In der zweiten Phase des Stakeholder-Dialogs sollen nun die Maßnahmen konkretisiert und ihre Umsetzung angegangen werden.

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