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11-07-2022 | Klimawandel | Im Fokus | Article

Klimawandel sorgt für grüne Innovationen

Author: Andrea Amerland

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Der Klimawandel führt in deutschen Unternehmen zu Umweltinnovationen, die nicht nur die Auswirkungen des Klimawandels abfedern sollen. Die Innovationsaktivitäten steigen insgesamt - auch in anderen Bereichen, zeigt eine Studie. 

Der Klimawandel kann weitgehend ohne (gefühlte) Einschränkungen und verordnete Verhaltensänderungen bekämpft werden. Dazu bedarf es technologischer, aber auch ökonomischer und sozialer Innovationen. Diese fallen allerdings nicht vom Himmel, sondern sind das Ergebnis ressourcenintensiver Forschung und Entwicklung."

Was Tom Brökel, Professor für Regional Innovation an der University of Stavanger Business School, Norwegen, in der Zeitschrift für angewandte Geographie "Standort" beschreibt, setzen Unternehmen offenbar bereits um. Denn wie eine Analyse des ZEW Mannheim mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Augsburg zeigt, agieren Unternehmen hier allein schon aus Betroffenheit. 

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Dieses Buch gibt einen Einblick, wie die wirtschaftliche Praxis dem Klimawandel entgegenwirken und erfolgreich mit seinen direkten und indirekten Folgen umgehen kann. Die Autoren untersuchen die klimawandelinduzierten Risiken und ihre Steuerung aus betriebswirtschaftlicher Sicht.

Klimawandel pusht Öko-Innovationen

"Wichtiger Anstoß für Umwelt-Produktinnovationen ist oft - wenig überraschend - die steigende Nachfrage nach klimafreundlichen Produkten. Die Unternehmen konzentrieren sich vor allem auf Innovationen, die zu einem geringeren Energieverbrauch des Produkts führen", sagt Studien-Koautor Christian Rammer, stellvertretender Leiter des ZEW-Forschungsbereichs "Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik".

Die Forscher haben genauer untersucht, wie der Klimawandel sich auf Unternehmen und ihr Innovationsmanagement auswirkt. Dafür nutzten sie Daten zu rund 8.500 Unternehmen mit mindestens fünf Beschäftigten, die im Zuge des Community Innovation Surveys der Europäischen Kommission im Jahr 2021 erhoben wurden. Demzufolge zeigen sich vier verschiedene Dimensionen:

  1. Extreme Wetterbedingungen haben direkte Auswirkungen. So führen etwa Schäden durch Stürme zu Anpassungen wie der Neugestaltung von Gebäuden und Produktionsprozessen oder mehr klimaresistenten Produkten. 
  2. Politischen Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels, wie Emissionssteuern, direkte Vorschriften oder handelbare Zertifikate regen Unternehmen dazu an, ihre Produktionsprozesse und Produkteigenschaften zu ändern.
  3. Extremwetterereignissen sowie die 19 klimapolitischen Maßnahmen können die Kosten der Unternehmen erhöhen, etwa durch höhere Material-, Energie- oder Transportpreise. Diese Kostensteigerung ziehen Energieeinsparungen, eine Umstellung auf mehr erneuerbare Energien, aber auch Innovationen zur Neugestaltung des gesamten Produktionsprozesses nach sich.
  4. Ein geändertes Konsumentenverhalten fördert klimafreundlichere Produkte und Produktionsverfahren. Das führt zur Verbesserung bestehender Erzeugnisse oder zur Entwicklung neuer Services, die dieses Kundenbedürfnis erfüllen. 

Klimaneutralität und grüne Innovationsaktivitäten

"Die Nachfrage nach klimaneutralen Produkten löst auch sonstige Produktinnovationen aus. Dies deutet darauf hin, dass Klimaneutralität auch für neue Produkte relevant ist, die nicht die Verringerung negativer Umweltauswirkungen zum Ziel haben", führt Rammer weiter aus.

Für eine Mehrheit von insgesamt 60,8 Prozent der Unternehmen ist mindestens eine der Folgen des Klimawandels für ihr Geschäft sehr oder moderat relevant. Vom Klimawandel besonders betroffen sind die Branchen Energieversorgung und Bergbau (55,9 Prozent) sowie Transport und Lagerung (50,8 Prozent). Am wenigsten Auswirkungen spüren laut ZEW-Studie die Bereiche Telekommunikation, Programmierung und Informationstechnologie (10,2 Prozent) sowie Recht, Buchhaltung, Beratung und Werbung (5,5 Prozent).

Insgesamt stellen die Forscher starke Effekte fest, die nicht auf Öko-Innovationen beschränkt sind, sondern allgemeine Anreize für mehr Innovationsaktivitäten setzen. Es gebe einen signifikant positiven Zusammenhang zwischen Klimafragen und grünem Innovationsaktivitäten der Unternehmen.

Business Model Canvas als Methode

In der Regel liegt die Geschäftsmodellentwicklung im Verantwortungsbereich der Managementebene, schreiben Tobias Schlömer, Karina Kiepe und Tim Thrun im Buchkapitel "Die Konstruktion von Geschäftsmodellen für nachhaltiges Wirtschaften: (k)eine exklusive Aufgabe des Managements?!" "Gleichwohl wird deutlich, dass die Einbindung der ausführenden Organisationsebenen für eine erfolgreiche Umsetzung von Geschäftsmodellen unerlässlich ist." (Seite 210). Denn über die Modellierung von Innovationen könnten Mitarbeitende die Zusammenhänge im Unternehmen, ihre Anteile am Unternehmenserfolg und vor allem ihre Selbstwirksamkeit erfahren, urteilen die Autoren.

Die Methode "Business Model Canvas" biete eine vergleichsweise barrierefreie Möglichkeit der Mitarbeiterbeteiligung. Denn das Canvas-Vorgehen (Canvas = Leinwand) macht Intrapreneurship für eine Vielzahl von Adressaten gangbar. Denn sie ermögliche es, Mitarbeitern unterschiedlicher Ausbildung und Qualifikation, relativ einfach und mit geringem Aufwand neue Geschäftsmodellideen strukturiert zu visualisieren. Die Barriere zur Kommunikation der eigenen Idee werde so gesenkt und die Zahl der potenziellen Innovatoren erhöht. (Seite 215)

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