Skip to main content
main-content
Top

15-09-2020 | Körperschaftsteuer | Im Fokus | Article

Bankenabgabe stärkt Bilanzen der Institute

Author:
Angelika Breinich-Schilly
3 min reading time

Bankenabgaben, die die Institute zur Stabilisierung des europäischen Finanzmarkts leisten, können auch deren eigene Bilanz stärken. Allerdings gilt dies laut einer aktuellen Analyse nur dann, wenn die Körperschaftsteuer nicht zu hoch ist.

"Im Verlauf der Finanzmarktkrise von 2007 bis 2009 gerieten auch einige deutsche Institute des Finanzsektors in Zahlungsschwierigkeiten. Um den Fortbestand dieser Banken zu gewährleisten, wurden sie vom Staat mit milliardenschweren finanziellen Hilfen unterstützt. Eine nachhaltige Entwicklung des Bankensektors setzt jedoch voraus, dass letztlich nicht der Steuerzahler in Schieflage geratene Banken retten muss und somit Verluste des Bankensektors sozialisiert werden", schreiben Knut Henkel, Wilhelm Schneider und Isabel Tüns im Buchkapitel "Die europäische Bankenabgabe – ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Bankensektors" auf Seite 357.

Editor's recommendation

01-12-2019 | Titel | Issue 12/2019

Wenn Institute in Schieflage geraten

Die Rettungs- und Abwicklungsmechanismen für marode Geldhäuser in Deutschland sind einsatzbereit. Auch die Einlagensicherung der Europäischen Union ist gut gefüllt. Doch für einen vollumfassenden Schutz vor einer Pleitewelle fehlen wichtige Vorschriften.

"Hierzu wurde auf deutscher und europäischer Ebene ein komplexes Regelungsnetzwerk geschaffen, das insbesondere diesem Grundsatz der Nachhaltigkeit dadurch genügt, indem es zur dauerhaften Stabilisierung des Finanzsektors beiträgt, ohne dabei die öffentlichen Haushalte zu belasten. Vielmehr sollen Banken zu vorausschauendem Handeln angehalten sowie Fehlanreize für die Eingehung von Risiken reduziert und letztlich Ansteckungsrisiken minimiert werden", so die Springer-Autoren. 

"Im Zuge dieser Entwicklung wurde auf Ebene der Europäischen Union ein einheitlicher Abwicklungsfonds (Single Resolution Fund – SRF) eingerichtet, der von den Instituten angespart wird. Dazu leisten die Banken jährliche Beiträge, die als Bankenabgabe bezeichnet werden."

Bankenabgabe senkt die Schulden des Instituts

Und diese wirken nicht nur stabilisierend auf das gesamte EU-Finanzsystem, sondern offenbar auch auf die Institute selbst, wie eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt. Der Analyse zufolge reduziert eine Bankenabgabe, die sich nach den Verbindlichkeiten des Geldhauses abzüglich der Kundeneinlagen richtet, zugleich die Verschuldung und stärkt damit die Kapitalstruktur. Dies gelte allerdings nur, wenn der nationale Körperschaftsteuersatz nicht zu hoch ist. 

Hintergrund: Bei dieser Steuer wird Fremdkapital gegenüber dem Eigenkapital bevorzugt. Je höher der Körperschaftsteuersatz, desto größer die Steuerersparnis durch Fremdfinanzierung. Der Anreiz, die Finanzierung über Fremdkapital zurückzufahren, sinkt.

"Die Körperschaftsteuer gehört, wie die Einkommensteuer, zur Gruppe der Veranlagungssteuern", führt Karin Nickenig im Praxislehrbuch Steuerrecht auf Seite 50 aus. "Die Körperschaftsteuer hat das Merkmal einer Besitzsteuer, welche auf der Basis des zu versteuernden Einkommens der juristischen Person berechnet wird. Als direkte Steuer wird die Körperschaftsteuer nicht nur von der juristischen Person geschuldet, sondern auch wirtschaftlich getragen. Steuerschuldner und Steuerträger sind identisch."

Hohe Körperschaftssteuer treibt Fremdfinanzierung an

"Während eine Abgabe auf Bankverbindlichkeiten einen geringeren Verschuldungsgrad begünstigt, geht ein höherer Körperschaftsteuersatz mit einer stärkeren Fremdfinanzierung und damit einem höheren Verschuldungsgrad einher", erläutert Franziska Bremus aus der Abteilung Makroökonomie des DIW Berlin das zentrale Ergebnis der Studie. "Die Frage ist, wann welcher der beiden gegenläufigen Effekte überwiegt. Die Antwort darauf ist wichtig für das Verständnis, wann eine Bankenabgabe überhaupt eine Wirkung auf die Finanzierungsstruktur von Banken entfalten kann."

Gemeinsam mit Lena Tonzer vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat die Wirtschaftswissenschaftlerin Bilanzdaten von rund 3.000 Instituten aus 27 EU-Ländern über den Zeitraum 2006 bis 2014 ausgewertet. Die beiden Forscherinnen berechneten, dass die Einführung einer Bankenabgabe bei einem durchschnittlichen Körperschaftsteuersatz von rund 30 Prozent den Verschuldungsgrad einer Bank um etwa 1,6 Prozentpunkte reduziert. Parallel steige die Eigenkapitalquote eines durchschnittlichen Instituts von rund zehn auf etwa elfeinhalb Prozent. Bei einem Körperschaftsteuersatz von rund 40 Prozent lasse sich jedoch kein statistisch signifikanter Rückgang der Verschuldungsquote mehr feststellen.

"Hat eine Bank weniger Verbindlichkeiten in Form von kurzfristigem Fremdkapital, das zum Beispiel über den Interbankenmarkt gewonnen wird, und eine bessere Eigenkapitalausstattung, ist sie in Krisenzeiten widerstandsfähiger", betont Bremus. "Das gilt beispielsweise auch im Fall einer Insolvenzwelle von Unternehmen, wie sie infolge der Corona-Pandemie drohen könnte."

Related topics

Background information for this content

Premium Partner

    Image Credits