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27-10-2014 | Kommunikation | Im Fokus | Article

Feiern im vatikanischen Palazzo Prozzo

Author:
Andrea Amerland

Der Vatikan öffnet die Sixtinische Kapelle für Events. Einen noch protzigeren Rahmen für Veranstaltungen werden Unternehmen kaum finden. Und der Vatikan beweist einen ungeheuerlichen Geschäftssinn. Ein Kommentar.

Es ist ungefähr ein Jahr her, da wurde das Kirchenvermögen auf den Prüfstand gestellt. Rund um den Finanzskandal im Bistum Limburg geriet nicht nur der luxusliebende Bischof Tebartz-van Elst ins Visier, sondern auch die Konten der Kirchen. Die Milliardensummen, die darauf vermutet werden, wurden zum Kreuz. Denn wenn auch das Kirchenvermögen nicht auf eine konkrete Summe beziffert werden kann, weil der Klerus sich in den Mantel des Schweigens hüllt, ist klar: Die Kirchen schwimmen im Geld. Und die Forderung, in Deutschland die Kirchensteuer abzuschaffen, hat seitdem neue Nahrung erhalten.

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Aber das Unternehmen Katholische Kirche arbeitet weiter fleißig daran, neue lukrative Geschäftsfelder zu erschließen. Seit neuestem stellt der Vatikan daher seine Heiligen Hallen für kommerzielle Events zur Verfügung. Als erstes Unternehmen konnte nun der deutsche Autobauer Porsche die Sixtinische Kapelle für ein exklusives Event als Location buchen, berichtet das "Handelsblatt".

Unternehmen investieren zunehmend in Live-Kommunikation

Respekt. Aus Marketingsicht hat der Vatikan einen echten Coup gelandet. Um aus einer Veranstaltung ein rundherum positives Erlebnis für Kunden zu machen, das im Gedächtnis haften bleibt, spielt das Ambiente eine große Rolle. Zudem hat sich das Event Business zu einem großen Markt entwickelt. Zwischen 90 und 100 Prozent der Unternehmen setzen Eventmarketing als Kommunikationsinstrument ein, heißt es im Buchkapitel "Status quo, Perspektiven und Erfolgsfaktoren des Eventmarketing" (Seite 61). Zwischen 2005 und 2012 haben sich zudem die Unternehmensausgaben für Live-Kommunikationsmaßnahmen verdoppelt. Neurowissenschaftler bestätigen, dass in Live‐Kommunikation investierte Etats gut angelegt sind, schreiben die Springer-Autoren Elfie Adle und Uta Goretzky im Buchkapitel "Going Public: Eventmarketing in der Wirtschaftskommunikation" (Seite 76).

Transparenz und Glaubwürdigkeit stehen in Frage

Dem Vatikan kann sicher ein guter Geschäftsinstinkt bescheinigt werden. Dennoch hat das neue Geschäftsmodell ein Gschmäckle. Die Einnahmen werden angeblich für karitative Zwecke verbucht. Doch Angaben zum Mietpreis für die religiöse Luxusimmobilie wollen weder der Vatikan noch Porsche machen, hieß es. Zudem widerspricht das Mietmodell und die intransparente Kommunikation dazu Papst Franziskus Grundsätzen. Der Pontifex predigt gegen Prunk und Protz, hat bei der fragwürdigen Vatikanbank IOR (Geldwäschevorwürfe) aufgeräumt und öffentliche Bilanzen gefordert.

Aber vermutlich haben die geschäftstüchtigen Kirchendiener Papst Franziskus gar nicht zu dem Projekt befragt. Wie das "Handelsblatt" weiter berichtet, soll die Direktion der Vatikanischen Museen und der Sixtinischen Kapelle, die Entscheidung zur Vermietung eigenständig gefällt haben. Das macht die Sache aber keinesfalls besser. Jetzt wirft nicht nur die fortschreitende Kommerzialisierung kirchlicher Objekte ein fragwürdiges Licht auf die moralische Beschaffenheit der Katholischen Kirche. Jetzt entsteht auch noch der Eindruck, in der Kirche wird nach dem Motto verfahren: "Man muss nicht alles ernst nehmen, was der Chef sagt".

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2014 | OriginalPaper | Chapter

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Eventmarketing auf dem Weg von der Einmal-Maßnahme zur integrierten Maßnahme in der direkten Wirtschaftskommunikation
Source:
Praxisorientiertes Eventmanagement
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