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About this book

Der Autor analysiert Defizite der Personalführung in Wissenschaft und Praxis, erläutert führungstheoretische Grundlagen und gibt einen kritischen Überblick über die wesentlichen konzeptionellen Ansatzpunkte und Theorien der Führung. Er stellt sein in der Praxis erprobtes Modell der Komplementären Führung vor, das führungstheoretisch unter anderem an Aufgabenmodelle der Führung, das Führen als Dienstleistung und den Shared-Leadership-Ansatz anknüpft. Wesentliche Bezugspunkte sind die Zielvorstellung des sich selbst führenden Mitarbeiters, kompensatorische Mechanismen bei Ausbleiben dieser Selbststeuerung sowie eine aktive Rolle der Personalfunktion im Führungsgeschehen.

Die Komplementäre Führungstheorie ist anwendungsorientiert und bietet eine schlüssige konzeptionelle Basis für betriebliche Führungsmodelle. Das Vorgehen bei der Entwicklung und Einführung solcher Modelle wird beschrieben und mit Projektempfehlungen hinterlegt. Das Buch richtet sich an alle führungstheoretisch Interessierten, speziell aber an HR-Fachleute und Führungskräfte, die das Führen in Organisationen gestalten und nach überzeugenden theoretischen Grundlagen für ihre Arbeit suchen. Das in der dritten Auflage vollständig überarbeitete Fachbuch richtet sich an HR-Fachleute und Führungskräfte, die Führung in Organisationen gestalten und nach überzeugenden theoretischen Grundlagen für ihre Arbeit suchen.

Pressestimmen zur zweiten Auflage:

· „Ein fundierter theoretischer Unterbau für die Ideen und Konzepte moderner Führungskräfte.“ Personalmagazin

· „Praxisbezogenes Standardwerk“ Human Resources Manager

Table of Contents

Frontmatter

Probleme, Ansatzpunkte und Grundlagen

Frontmatter

Kapitel 1. Zum Stand der Dinge in Theorie und Praxis

Zusammenfassung
Führung hat allgemein kein gutes Image, und nach Ansicht vieler Experten scheint sich die Qualität der Personalführung im Laufe der Zeit entgegen allen Bemühungen keineswegs zu verbessern. Sicher gibt es auch kompetente Führungskräfte und gute Führung, es bestehen allerdings auch sehr große Defizite. Im theoretisch-empirischen Bereich sind dies insbesondere die unsachgemäße Vermischung von politischer und organisationaler Führung, die fehlende Interdisziplinarität der vier Leitfächer (BWL/Management, Personalpsychologie, medizinisch-technische Arbeitswissenschaft, Arbeitsrecht) sowie die ausgeprägte Praxisferne der theoretischen und empirischen Fragestellungen. Viele theoretische Modelle, gerade der populären Führungsliteratur, sind zudem in fast schon verdummender Weise simplifizierend und gehen äußerst nachlässig mit Quellen um. Im praktisch-konzeptionellen Bereich bestehen ebenfalls große Defizite. So hat man sich dort fast vollständig von wissenschaftlichen Grundlagen und akademischem Denken losgesagt und greift stattdessen lieber auf externe Berater und Ratgeberbücher zurück, die diese Lücke mehr schlecht als recht füllen. Organisatorisches Versagen, strategische Wechselhaftigkeit und HR-Bürokratismus entziehen guter Führung in vielen Unternehmen von vornherein die Grundlage und machen jede Beschäftigung mit Führungsthemen zur Farce. Statt diese mangelhaften Rahmenbedingungen – v. a. auch den falschen Zuschnitt von Führungsstellen – systematisch zu verbessern, werden sie individualisiert und den Führungskräften aufgebürdet. Die daraus resultierende chronische Überlastung vieler Führungskräfte wird für Organisationen zunehmend zum Problem. Zwar verfügt beinahe jede mittelgroße Organisation über ein eigenes Führungsmodell; angesichts vieler konzeptioneller Mängel und auf Gefälligkeit ausgerichteter Postulate sind diese jedoch kaum je geeignet, die Qualität der Führung wirklich zu verbessern. Um die Führung in Organisationen ist es also unter dem Strich weder unter theoretisch-empirischen noch praktischen Gesichtspunkten gut bestellt.
Boris Kaehler

Kapitel 2. Führungstheoretische Grundlagen und konzeptionelle Vorüberlegungen

Zusammenfassung
Am Anfang jeder Beschäftigung mit Führung muss eine klare Definition stehen. Führung im Sinne von Unternehmensführung ist ein an Personal- oder Sachaspekten ansetzender Steuerungseinfluss auf den markt-, produktions- und ressourcenbezogenen Geschäftsbetrieb in einer Organisation und ihren Einheiten zum Zweck der Erreichung der Ziele der Einheit. Führung im Sinne von Personalführung ist die Einflussnahme auf Menschen in einer Organisation und ihren Einheiten zum Zweck der Erreichung der Ziele der Einheit durch Erzeugung von Arbeitsleistungen und Erfüllung sonstiger Anforderungen. Führungseinfluss lässt sich auf zwei Arten ausüben: durch antizipatorische Normsetzung oder durch situative Intervention. Beide Formen lassen sich in harter, fremdsteuernder oder in sanfter, non-direktiver Form ausüben. Da harter Fremdeinfluss in der Regel Widerstände auslöst, empfiehlt es sich, Einfluss überwiegend sanft zu nehmen (z. B. in Form geregelter Selbstführung, instrumenteller Verhaltensverstärkung, Nudging, kollektiver sozialer Normen oder impliziter Kommunikation).
Boris Kaehler

Kapitel 3. Kritische Würdigung etablierter Führungstheorien und -konzepte

Zusammenfassung
Im vorstehenden Kapitel wurde ein kritischer Überblick über die wesentlichen Führungstheorien und -konzepte gegeben und dargelegt, welche Elemente Anknüpfungspunkte für das Theoriemodell der Komplementären Führung bilden. Diese Theorie soll Strukturelemente beschreiben, derer es bedarf, um Personalführung in der Praxis – über normative Vorgaben bzw. Empfehlungen – systematisch zu prägen und flächendeckend wirksam zu gestalten. Das in Abschn. 2.3.1.1 vorgestellte Prozessdiagramm wurde dabei als Bezugsrahmen für die Kapitelgliederung verwendet, was möglich ist, da fast alle Theorieansätze sich auf einen oder einige wenige Führungsaspekte konzentrieren. Zu unterscheiden sind eigenschaftsorientierte, einstellungsorientierte, aufgabenorientierte, modalitätsorientierte, beziehungsorientierte, kulturorientierte, systemorientierte, entscheidungsorientierte, situationsorientierte, kontextorientierte, wirkungsorientierte und ergebnisorientierte Theorieansätze der Führung. Allerdings bleibt die Zuordnung mitunter willkürlich, denn weder lassen sich die einzelnen Prozessaspekte theoretisch perfekt voneinander abgrenzen, noch sind sämtliche Theorien eindeutig zuzuordnen. Dennoch trägt die Gliederung zum systematischen Verständnis bei und erleichtert den Überblick.
Boris Kaehler

Die Theorie der Komplementären Führung

Frontmatter

Kapitel 4. Das Kernmodell – Funktionen, Aufgaben, Akteure

Zusammenfassung
Das Kernmodell der Komplementären Führung besteht aus drei Elementen, die jeweils komplementäre (d. h. sich ergänzende) Bestandteile aufweisen und der Theorie ihren Namen geben. Das erste Element des Kernmodells bilden die komplementären Führungsfunktionen. Organisationale Personalführung ist eine interne Dienstleistung. In Bezug auf das Personal in einer Organisationseinheit hat sie zwei Funktionen. Die Unterstützungsfunktion besteht darin, den einzelnen Mitarbeitern zu helfen, ihre Arbeitsleistung zu erbringen. Die Schlagwörter „Fördern“ und „Mitarbeiterorientierung“ mögen dies verdeutlichen. Die Ordnungsfunktion besteht darin, die Leistungserbringung der einzelnen Mitarbeiter zu disziplinieren und zu beaufsichtigen. Die Schlagwörter hier lauten „Fordern“ und „Produktionsorientierung“. Führungstheoretisch knüpft das Modellelement damit an den Ansatz des „Führens als Dienstleistung“ sowie an die klassische Dualität „Mitarbeiter- vs. Produktionsorientierung“ an. Es hat den Stellenwert eines Grundsatzprinzips und ist v. a. von praktischem Wert: Die Idee des Führens als doppelter Dienstleistung gibt Führenden Orientierung und beugt destruktiver Führung vor.
Boris Kaehler

Kapitel 5. Die Umsetzungselemente – Führungsaufbau, Führungsroutinen, Führungsinstrumente, Führungsressourcen

Zusammenfassung
Das Kernmodell der Komplementären Führung beschreibt grundlegende Mechanismen der Personalführung. Um es konkret umzusetzen, sind weitere Modellelemente erforderlich. Es sind dies die vier Umsetzungselemente des Führungsaufbaus, der Führungsroutinen, der Führungsinstrumente und der Führungsressourcen. Unter dem Führungsaufbau werden hier die aufbauorganisatorischen Strukturen verstanden, in welche die unterschiedlichen Führungsakteure eingebunden sind. Dies betrifft den Zuschnitt und die hierarchische Einbindung der an der Personalführung beteiligten Organisationseinheiten (Stellen, Gruppen, Abteilungen, Bereiche etc.). Damit verbunden sind aber auch die Aufgabenverteilung unter den Akteuren und ihre jeweiligen Befugnisse. Theoretische Grundlage sind hier die allgemeinen Grundsätze der Organisationswissenschaft. Der Führungsaufbau stellt, ebenso wie die anderen Elemente des Modells, keinen Teilbereich der Führung, sondern eine besondere Perspektive auf Führung dar. Damit lässt er sich nicht getrennt vom Gesamtmodell betrachten. Ohne dauerhafte Aufbaustrukturen finden zwar sicherlich auch Beeinflussungsprozesse statt, mit systematischer organisationaler Führung aber hat dies wenig zu tun. Das Komplementäre Führungsmodell lässt Spielräume für unterschiedliche Aufgabenverteilungen unter den Akteuren, gibt jedoch mit seinen Elementen einen groben strukturellen Rahmen vor. So wäre z. B. eine Personalabteilung, die sich dem kompensatorischen „HR-Co-Management“ verweigert, inkompatibel mit dem Modell. Gleiches gilt für Führungspositionen ohne disziplinarische Befugnisse oder mit überdehnter Führungsspanne. Funktionierende Personalführung setzt einen funktionalen Führungsaufbau voraus.
Boris Kaehler

Kapitel 6. Führungskräfte im Fokus

Zusammenfassung
Die Komplementäre Führungstheorie konzipiert Personalführung als einen kollektiven Prozess, an dem verschiedene Führungsakteure beteiligt sind. Einer dieser Akteure ist die Führungskraft. Ihre Personalführungstätigkeit lässt sich anhand der sieben Elemente der Theorie strukturieren. Sie hilft dem Geführten einerseits dabei, seine Arbeitsleistung abzurufen und nachhaltig zu realisieren (Unterstützungsfunktion); andererseits wirkt sie ihm gegenüber als Ordnungsinstanz und sorgt dafür, dass Regeln und Erfordernisse der betrieblichen Gemeinschaft durchgesetzt werden (Ordnungsfunktion). Dieses Prinzip des Führens als Dienstleistung konkretisiert sich in jeder einzelnen der 24 Führungsaufgaben, die die konkreten Aufgabenstellungen der Personalführung beschreiben. Sie sollten idealerweise vom Mitarbeiter selbst wahrgenommen werden. Die Führungskraft greift als kompensatorische Instanz nur ein, wenn die Selbststeuerung versagt. Da keineswegs alle Mitarbeiter immer bereit und in der Lage sind, umfassende Selbstführung im Unternehmensinteresse zu betreiben, ist diese kompensatorische Intervention durchaus erforderlich. Nur aus diesem Grunde muss es Führungskräfte überhaupt geben. Die Intervention kann korrigierend, gemeinsam, delegativ oder substituierend erfolgen. Vernachlässigt die Führungskraft ihre Verantwortung, so greifen die obere Führungskraft oder der Personalbetreuer als übergeordnete Instanzen ein. Dieser mehrfache kompensatorische Mechanismus gewährleistet, dass sämtliche auf die Mitarbeiter bezogenen Führungsaufgaben auch bei Untätigkeit der Führungskraft tatsächlich wahrgenommen werden, und beugt Machtmissbrauch vor.
Boris Kaehler

Kapitel 7. Die Rolle der Personalfunktion

Zusammenfassung
In der HR-Literatur und unter Praktikern wird in den letzten Jahren eine breite Diskussion über die mangelnde strategische Bedeutung der Personalfunktion (Personalabteilung) geführt. Neue Erkenntnisse sind nur zu erwarten, wenn ihre vielschichtige Rolle klarer herausgearbeitet wird, als dies gemeinhin geschieht. Zu thematisieren ist dabei zunächst die Gestaltung der Führungsstrukturen bzw. des Führungsmodells. Als diejenige Stelle, die normalerweise über die fundierteste HR-Kompetenz im Unternehmen verfügt und zudem als Führungsakteur eine wesentliche Rolle im Führungsprozess spielt, übernimmt die Personalabteilung hier in der Regel die Federführung, indem sie das Modell anregt und als Projektleitung die Entwicklung koordiniert. Des Weiteren ist die Rolle der HR-Funktion im Kontext dieser Führungsstrukturen zu beleuchten. Die Komplementäre Führungstheorie konzipiert Personalführung als einen kollektiven Prozess, an dem verschiedene Führungsakteure beteiligt sind. Einer dieser Akteure ist die Personalfunktion. Ihre Personalführungstätigkeit lässt sich anhand der sieben Theorieelemente sinnvoll strukturieren. Auf diese Weise lässt sich sicherstellen, dass sie funktional auf den Unternehmenszweck und die Unterstützung des eigentlichen Geschäfts ausgerichtet wird.
Boris Kaehler

Inhaltliche Aspekte wirksamer Personalführung

Frontmatter

Kapitel 8. HR-Normen setzen

Zusammenfassung
Führungseinfluss lässt sich auf zwei Wegen ausüben: durch antizipatorische Normsetzung und durch situative Intervention (Abschn. 2.​1.​4.​1). Die erste Variante, also Management durch Regelung, ist grundsätzlich die effizientere und effektivere. Es gilt das Primat der Strukturen: Wer menschliche Arbeit gestalten will, muss zunächst an den Strukturen, den Regelungen, ansetzen. Die Aufgabenkategorie „HR-Normen setzen“ des Komplementären Führungsmodells beinhaltet solche konstitutiven und strategischen Regelungen. Die sieben anderen Aufgabenkategorien sind im Gegensatz dazu operativer Natur und werden durch diese Regelungen geprägt und vorstrukturiert. Unter „HR-Normen“ im Sinne von Personalführungsnormen werden hier alle antizipatorischen Regelungen verstanden, die im Rahmen der Personalführung zu setzen sind.
Boris Kaehler

Kapitel 9. Einstellen, binden, trennen

Zusammenfassung
In der Aufgabenkategorie „Einstellen, binden, entlassen“ werden Zu- und Abgänge an Mitarbeitern thematisiert. In Bezug auf die Leistungsfähigkeit des Personals bietet keine andere Aufgabengruppe einen so großen Hebel, denn wo Stellen falsch besetzt sind, ist mit anderen Maßnahmen kaum mehr etwas Substanzielles zu erreichen.Im Hinblick auf die Aufgabe des Rekrutierens müssen Führende Bewerberzielgruppen mit hoher Profilpassung definieren, zielgruppengerecht alle vier Beschaffungsräume bearbeiten und systematische Bewerberbeziehungen pflegen, um ausreichend Einstellungskandidaten zu rekrutieren. Im Rahmen der Auswahl und Eingliederung haben Führende Anforderungsprofile zu definieren, die neuen Mitarbeiter gesamtprozessorientiert und durch planvolles eignungsdiagnostisches Vorgehen auszuwählen, anschließend sind sie systematisch einzugliedern. Im Ergebnis sollten Stellen ausschließlich mit geeigneten und dort hoch leistungsfähigen Kandidaten besetzt werden. Schon in der Kontakt- und Anbahnungsphase, aber auch später nach erfolgter Einstellung, müssen Leistungsträger gebunden werden. Ergänzend sind organisatorische Vorkehrungen für den Fall von Abwanderung zu treffen. Trennung und Freisetzung als Führungsaufgaben bedeuten, dass Führende sich von Fehlbesetzungen trennen und evtl. Personalüberhänge abbauen.
Boris Kaehler

Kapitel 10. Administration gewährleisten

Zusammenfassung
Die Aufgabenkategorie „Administration gewährleisten“ beinhaltet oft verkannte und vernachlässigte, aber durchaus sehr wesentliche Führungsaufgaben. Die erste, „HR-Verwaltung abwickeln“, besteht darin, die auf den Geführten bezogenen personaladministrativen Arbeiten zu bewältigen, die sich nicht zuletzt aus rechtlichen Vorgaben ergeben. Praktisch jede Personalführungsmaßnahme erfordert die Sammlung, Aufbereitung, Weitergabe und/oder Dokumentation von Daten. Diese Prozesse lassen sich durch angemessene Standardisierung und Automatisierung erheblich effizienter und robuster gestalten. Falsche bzw. lückenhafte Personaldaten und umständliche Verwaltungsroutinen erschweren die Personalführung dagegen erheblich. Schwerpunkte der Personalverwaltung sind gemeinhin die Gehaltsabrechnung, das Bewerbermanagement, das Vertrags- und Formularwesen sowie die Abwicklung von Trainingsmaßnahmen. Verwaltungsarbeiten werden oft als lästige Kostenverursacher geschmäht, sind aber für die Funktionalität der Kernprozesse (u. a. deren Geschwindigkeit), die Rechtsicherheit des Betriebes (z. B. Datenschutz) und die Minimierung von Bilanzrisiken (z. B. Rückstellungen für Mehrarbeit oder Versteuerung von geldwerten Vorteilen) von größter Bedeutung. Insofern ist die Personaladministration eine wichtige Führungsaufgabe, die übrigens wiederum primär – jedenfalls wenn entsprechende „Self-Service-Systeme“ vorhanden sind – eine Selbstführungsaufgabe ist. Relevante Führungsinstrumente sind in diesem Zusammenhang z. B. die (heute zunehmend elektronische) Personalakte und das Entgeltabrechnungssystem.
Boris Kaehler

Kapitel 11. Arbeitsaufgaben steuern

Zusammenfassung
In der Kategorie „Arbeitsaufgaben steuern“ werden jene Führungsaufgaben thematisiert, die der unmittelbaren Steuerung der eigentlichen Arbeit des Mitarbeiters dienen. Es geht dabei darum, diese Arbeit zu definieren, die erforderlichen Ressourcen bereitzustellen und die Leistung bei der Aufgabenerfüllung zu beurteilen. Nicht anders als bei den übrigen Führungsaufgaben liegt auch dies primär in der Verantwortung des Mitarbeiters, d. h. er übernimmt sie idealerweise selbst. Selbstständige Mitarbeiter suchen sich ihre Aufgaben, verschaffen sich ihre Ressourcen und wissen, ihre Leistung einzuschätzen. Nur bei entsprechenden Selbstführungsdefiziten greifen die direkte Führungskraft und andere Führungsakteure kompensatorisch-komplementär ein.
Boris Kaehler

Kapitel 12. Zusammenarbeit gestalten

Zusammenfassung
Die Aufgabenkategorie „Zusammenarbeit gestalten“ thematisiert die Abstimmungskommunikation, die Beziehungsbildung und den Zusammenhalt in Gruppen. Eine exakte Abgrenzung der drei Aufgaben ist weder möglich noch nötig, die drei Aspekte greifen eng ineinander. Entsprechend der Grundprämisse des Komplementären Führungsmodells sind auch diese Führungsaufgaben primär in Bezug auf den einzelnen Mitarbeiter zu erfüllen. Jeder Mitarbeiter gestaltet „seine“ Seite der Zusammenarbeit. Die Teamebene wird auf diese Weise mittelbar erschlossen, was kontraintuitiv sein mag, aber sehr viel effektiver ist als die verbreitete Fokussierung auf die reine Teamebene unter Ausblendung der Beiträge des Einzelnen.
Boris Kaehler

Kapitel 13. Kompetenz und Entwicklung fördern

Zusammenfassung
Die Kategorie „Kompetenz und Entwicklung fördern“ umfasst die Führungsaufgaben der Qualifizierung, Heran- und Weiterentwicklung sowie der Kultivierung von Wissen und Innovation. Wie alle Führungsaufgaben, so sind auch diese primär Sache des Mitarbeiters selbst. Dies entspricht vielleicht nicht dem vorherrschenden Bild der Personalentwicklung, durchaus aber der gelebten Praxis, denn die eigenständige Qualifizierung und Entwicklung hält ganz sicherlich den bei weitem größten Anteil an den realen Lernund Entwicklungsprozessen. Freilich muss auch hier bei Bedarf kompensatorisch durch die Führungskräfte und die Personalabteilung unterstützt werden, idealerweise auf Basis eines integrierten Personalentwicklungsinstrumentariums.
Boris Kaehler

Kapitel 14. Fürsorge gewähren

Zusammenfassung
Die Aufgabenkategorie „Fürsorge gewähren“ thematisiert solche Leistungsbedingungen, die schwerpunktmäßig die nachhaltige, mittelfristige Arbeitsleistung betreffen. Auch handelt es sich hier um Aufgaben, bei denen die Notwendigkeit des Selbstmanagements schon auf den ersten Blick ins Auge fällt. So ist z. B. Gesundheit eine wesentliche Voraussetzung für dauerhafte Leistungsfähigkeit, jedoch im Wege der Fremdsteuerung nur sehr begrenzt zu erreichen. Entsprechend gilt auch und gerade hier das kompensatorische Prinzip der Komplementären Führung: Die Führungskraft und andere Führungsakteure greifen dann und nur dann ein, wenn entsprechende Selbstführungsdefizite bestehen.
Boris Kaehler

Kapitel 15. Motivation stiften

Zusammenfassung
Um die Führungsaufgabe der Motivation zu verstehen, ist ein Minimum an motivationstheoretischer Kenntnis nötig. Leider werden auf diesem Feld besonders viele populäre Irrlehren verbreitet. So wird z. B. vertreten, Führungskräfte dürften keinesfalls motivieren, da dies Aufgabe des Mitarbeiters sei. Dies ist einerseits richtig, da jede Führungsaufgabe zunächst eine Selbststeuerungsaufgabe sein sollte. Es ist aber auch völlig falsch, da die komplementären Führungsakteure natürlich auch hier bei Bedarf kompensatorisch intervenieren müssen. Zu unterstellen, alle Mitarbeiter würden sich immer vollständig selbst motivieren, ist lebensfern. Ein anderer Mythos ist die Zerstörung „intrinsischer“ Tätigkeitsmotivation durch „extrinsische“ Zusatzmotivation. Zum einen ist dieser „Verdrängungseffekt“ wissenschaftlich hoch umstritten und die zugrunde liegende Unterscheidung schon rein theoretisch nicht haltbar. Zum anderen lässt sich überall beobachten, dass Anreize – zu denen natürlich auch die Tätigkeitsanreize gehören – sich gegenseitig verstärken oder konterkarieren können und dass Fehlsteuerungen in erster Linie aus Fehlanreizen resultieren. Ganz generell ist Motivation als Phänomen recht komplex und lässt sich nicht durch die Verabsolutierung einzelner Aspekte verstehen. Es handelt sich vielmehr um ein diffiziles Zusammenspiel zwischen Motiven, multiplen Anreizen und kognitiven Phänomenen.
Boris Kaehler
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