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30-01-2023 | Konsumentenkredit | Schwerpunkt | Article

Junge Kunden gehen mit Ratenkrediten sorglos um

Author: Angelika Breinich-Schilly

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In den vergangen Jahren ist das Schuldenaufkommen in privaten Haushalten stetig gesunken. Auch 2022 bildet da keine Ausnahme, trotz hoher Inflation und Energiepreisen. Junge Kunden konsumieren allerdings häufig über Kredit in Form von "Buy now, pay later"-Angeboten. Deren Risiken sind nicht immer bekannt.

Die Überschuldungsquote in Deutschland liegt laut Schuldneratlas 2022 bei 8,48 Prozent und damit 0,38 Prozent weniger als im Jahr 2021. In absoluten Zahlen sind damit rund 5,88 Millionen Bundesbürger in den roten Zahlen. Allerdings müssen sich viele Menschen aufgrund der hohen Preise für Artikel des täglichen Bedarfs und Energie deutlich einschränken. Und immer häufiger suchen Verbraucher bei Google nach Wegen, wie sie ihre Schulden schnell los werden, ermittelte das Portal Keywordtool.io. 

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2022 | OriginalPaper | Chapter

Empirische Untersuchung der finanziellen Bildung der Baby Boomer und der Generation Y

Das Buchkapitel befasst sich mit einer Online-Befragung, zu denen die Teilnehmer in insgesamt 55 Fragen auf die Themengebiete Lernen durch Erfahrung in der Kindheit, finanzielle Bildung, Spar- und Investitionsverhalten, finanzielles Wohlbefinden und sozidemografischen Daten eingingen. In der 218 Probanden umfassenden Ad-hoc-Stichprobe gehörten unter anderem 46,3 Prozent der Generation Baby Boomer und 53,7 Prozent der Generation Y an.

Laut einer im Januar veröffentlichten Studie von Lowell, einem Lösungsanbieter im Forderungsmanagement, fühlen sich vor allem junge Menschen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren besonders sicher im Umgang mit Geld (83 Prozent). Ein gutes Drittel (34 Prozent) dieser Altersgruppe schätzt die eigene schulische Finanzbildung als gut ein. Um sich in diesem Beriech weiterzubilden, nutzen junge Menschen häufig die Sozialen Medien (67 Prozent). Insgesamt standen für die Untersuchung rund 2.000 Deutsche ab 18 Jahren im Oktober 2022 Rede und Antwort.

Laxe Schuldenmentalität bei jungen Kunden

Doch offensichtlich kratzt das Finanzwissen der jungen Verbraucher nur an der Oberfläche. Fast zwei Drittel (64 Prozent) wissen nicht, was der Datendienstleister Schufa ist und dass dieser unter anderem die Bonität von Kreditnehmern prüft. Und 63 Prozent ist unbekannt, wie ein Darlehen überhaupt funktioniert. Das ist besonders gefährlich, da gerade in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen eine eher laxe Schuldenmentalität herrscht. 

So wissen nur 36 Prozent, was hinter "Buy now, pay later"-Angeboten (BNPL) tatsächlich steckt. Dennoch sind 27 Prozent für diese Kreditform offen. Unter den Befragten ab 55 Jahren ziehen im Bedarfsfall nur 16 Prozent ein solches Angebot in Erwägung. Auch für größere, nicht unbedingt notwendige Käufe, sind 21 Prozent der Generation Z bereit, die BNPL-Option zu wählen. Nur 49 Prozent schieben eher einen Kauf auf, um Schulden zu umgehen. Für lediglich 21 Prozent der Kunden dieser Altersgruppe hängen entsprechende Zahlungsvereinbarungen prinzipiell davon ab, ob sie in den kommenden Monaten ausreichend Geld übrig haben für die Raten. 

Die Umfrage zeigt, wie sorglos besonders die jüngere Generation mit Konsumschulden umgeht. Die Ratenzahlungen, wie bei dem BNPL-Prinzip, können sich schnell anhäufen und man verliert leicht den Überblick. Auch Trends auf den sozialen Medien, in denen junge Menschen regelrecht mit Ihren Schulden protzen, sind ein Grund zu Sorge", mahnt Jens Kellersmann, Pressesprecher der Lowell Gruppe in der DACH-Region.

Verbraucherkredit ist systemrelevant

Allerdings gilt der Verbraucherkredit dennoch als systemrelevant, weil er systemrelevanten Konsum ermöglicht, schreibt Irina Domurath, Rechtsprofessorin von der Universidad Central de Chile, in ihrem Open-Access-Beitrag "Verbraucherkredit als Daseinsorsorge?" in der Zeitschrift "Wirtschaftsdienst" (Ausgabe 3 | 2022). "Konsum ist heutzutage ein Grundpfeiler für Wirtschaftswachstum", führt die Expertin aus.

Renaissance des Ratenkredits

Dass der Ratenkredit eine Renaissance erlebt, beschrieb Ulf Meyer, Sprecher der Geschäftsführung der SWK Bank, bereits Mitte 2021 in der Zeitschrift Bankmagazin: "Im Bereich der Konsumfinanzierung äußert sich diese Entwicklung insbesondere dadurch, dass immer mehr Kredite online abgeschlossen werden. Bereits jeder dritte Ratenkredit kommt über das Internet zustande. Und laut dem Bankenfachverband wird bereits jeder zehnte Online-Ratenkredit über ein Smartphone bestellt", erläutert er in der Ausgabe 7-8 | 2021.

Allerdings kommen zum Beispiel Finanzdienstleistungen bei den großen US-Konzernen wie Google, Amazon, Facebook oder Apple nicht in klassischen Produktkategorien daher. Vielmehr sind sie "Teil des digitalen Erlebnisses des Kunden", schreibt Markus Pertlwieser im Buch "Das Richtige digitalisieren" (Seite 22). "Bezahlen oder ein Ratenkredit ist nicht als Bankprodukt verortet, sondern fügt sich nahtlos ins Shopping-Erlebnis und wird für den Kunden im Kaufprozess möglichst nicht spürbar." 

Feste Raten, keine oder nur geringe Zinsen bei pünktlicher Zahlung und der Verzicht auf versteckte Gebühren machen diese Bezahloption speziell für die jüngere Bevölkerung so attraktiv, erläutert auch Bernd Richter, Payment-Experte beim Softwarespezialisten FIS. Denn deren Kreditwürdigkeit für herkömmliche Finanzierungslösungen sei in der Regel eingeschränkt, begründet der Fachmann in seinem Bankmagazin-Beitrag "Pump ist Trumpf" (Ausgabe 2-3 | 2022) den Run der Generation Z auf diese Finanzierungsform.

Kauf auf Pump birgt Gefahren

"Auch wenn BNPL seitens der Händler sowie der Verbraucher große Zustimmung erfährt, sollten die Schattenseiten des Geschäfs nicht außer Acht gelassen werden. Mehr denn je stehen Finanzdienstleister in der Verantwortung, die fnanzielle Gesundheit von Verbrauchern zu berücksichtigen. Über die Vereinbarkeit von sozialer Verantwortung mit dem Service der Konsumkredite muss entsprechend dringlich diskutiert werden", fordert Richter. 

Der Kauf auf Pump mit nur wenigen Klicks birgt erhebliche Gefahren. Allzu leicht verlieren unbedarfte Nutzer die Übersicht über den Konsum und dessen Finanzierung. Darüber hinaus ist unbestreitbar, dass der Service Impulskäufe zusätzlich begünstigt. Besonders kritisch dabei ist, dass das Abrutschen in die Schuldenfalle meist unkontrolliert geschieht", warnt der Experte.

Ein Fall für die Regulierung

Es scheine daher nicht unwahrscheinlich, dass künftig "ein strengerer regulatorischer Rahmen" Geschäftsmodelle mit digitalen Verbraucherkrediten regeln wird, um die Interessen der Kunden zu schützen und die finanzielle Stabilität zu sichern. "Regulierer werden sich überlegen müssen, wie diese neuen Anbieter und deren Geschäft zu beurteilen sowie zu kontrollieren sind." 

Laut einer im August 2022 veröffentlichten Umfrage von Credi2, Anbieter für Finanzierungslösungen, unter 120 Bankentscheidern fordern mehr als 60 Prozent der etablierten Institute im Wettbewerb mit Nichtbanken eine entsprechende Regulierung des Marktes. 

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