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19. Künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft: Integration, Herausforderungen und Transformationspotentiale

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Zusammenfassung

Das vorliegende Kapitel bietet einen Überblick über die Anwendung von KI in der Landwirtschaft sowie ihre technologischen Grundlagen, praktischen Anwendungen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Ausgehend von der historischen Entwicklung der Landwirtschaft über die Industrialisierung bis zur Digitalisierung werden Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit und Ernährungssicherheit diskutiert. Das Kapitel zeigt auf, wie KI als Schlüsseltechnologie zu deren Bewältigung beitragen kann. Dabei werden die besonderen Charakteristika des Agrarsektors berücksichtigt, die spezifische Anforderungen an KI-Lösungen stellen. Die folgenden Abschnitte behandeln systematisch die Anwendung von KI in der Außen- und Innenwirtschaft, technische Herausforderungen der Integration sowie wirtschaftliche, gesellschaftliche und regulatorische Aspekte. Das Kapitel schließt mit einer Analyse der Zukunftsperspektiven und einer Skizze konkreter Schritte für die nachhaltige und digitale Transformation der Landwirtschaft.

19.1 Einführung und Grundlagen

Die Landwirtschaft bildet seit Jahrtausenden das Fundament menschlicher Zivilisationen. Mit der Entwicklung des Ackerbaus und der Viehzucht vor etwa 12.000 Jahren begann eine tiefgreifende Transformation der menschlichen Gesellschaft, die den Übergang von nomadischen Jäger-Sammler-Kulturen zu sesshaften Agrargesellschaften ermöglichte (Zeder, 2011). Diese „Neolithische Revolution“ (Diamond, 1999) legte den Grundstein für die Entstehung komplexer sozialer Strukturen, technologischer Innovationen und letztlich der modernen Zivilisation, wie wir sie heute kennen.
Heute steht die Landwirtschaft vor beispiellosen Herausforderungen. Der Klimawandel bedroht die Produktivität vieler landwirtschaftlicher Systeme, während gleichzeitig die wachsende Weltbevölkerung eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion erfordert (Lobell & Gourdji, 2012). Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass die globale Bevölkerung bis 2050 auf fast 10 Mrd. Menschen anwachsen wird, was eine Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion um bis zu 56 % im Vergleich zu 2010 notwendig macht (van Dijk et al., 2021; Ritchie et al., 2022). Gleichzeitig werden natürliche Ressourcen, wie fruchtbarer Boden und Süßwasser, immer knapper, und die Biodiversität ist durch intensive landwirtschaftliche Praktiken bedroht (Tilman et al., 2011).

19.1.1 Stand und Herausforderungen der modernen Landwirtschaft

Ein zentraler Aspekt der modernen Landwirtschaft ist ihre duale Rolle als Beeinflusserin und Abhängige von Umwelt und Klima. Einerseits trägt die Landwirtschaft signifikant zu Umweltveränderungen bei. Aktuelle Studien zeigen, dass der Agrarsektor für etwa ein Viertel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, wobei die landwirtschaftlichen Emissionen heute 18-mal höher sind als in den 1960er-Jahren (Yang et al., 2024). Intensive landwirtschaftliche Praktiken führen zudem zu Bodendegradation, Verlust der Biodiversität und Wasserverschmutzung (Pereira et al., 2023). Andererseits ist die Landwirtschaft in hohem Maße von Umweltbedingungen abhängig. Klimawandel, extreme Wetterereignisse und Ressourcenknappheit bedrohen die Stabilität der landwirtschaftlichen Produktion weltweit (Mohapatra et al., 2022). Nach den oben genannten Prognosen des Bevölkerungswachstums wird sich diese wechselseitige Abhängigkeit künftig weiter verstärken.
Die Notwendigkeit einer nachhaltigen Landwirtschaft wird durch die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen unterstrichen, insbesondere SDG 2 „Zero Hunger“, SDG 13 „Climate Action“ und SDG 15 „Life on Land“ (Sachs, 2012). Diese Ziele verdeutlichen die Dringlichkeit, innovative Lösungen zu finden, die sowohl die Produktivität steigern als auch die Umweltauswirkungen minimieren. In diesem Kontext gewinnt die Digitalisierung der Landwirtschaft, oft als „Landwirtschaft 4.0“ oder „Smart Farming“ bezeichnet, zunehmend an Bedeutung. Durch den Einsatz von Sensoren, Drohnen, satellitengestützten Systemen und Künstlicher Intelligenz (KI) können landwirtschaftliche Prozesse präziser gesteuert und Ressourcen effizienter eingesetzt werden. Ein großes Versprechen ist dabei, dass KI und digitale Technologien helfen, nachhaltige Lebensmittelsysteme zu etablieren.
In diesem Kontext gewinnen Wertschöpfungsnetzwerke zunehmend an Bedeutung. Diese Netzwerke verbinden verschiedene Akteure entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette – von Landwirten über Technologieanbieter bis hin zu Forschern und politischen Entscheidungsträgern. Durch die Förderung von Kooperation und Wissensaustausch tragen Wertschöpfungsnetzwerke dazu bei, Innovationen zu beschleunigen und nachhaltige Lösungen für die Herausforderungen der modernen Landwirtschaft zu entwickeln (Shepherd et al., 2020; Assimakopoulos et al., 2024).

19.1.2 Besonderheiten des Agrarsektors für KI-Anwendungen

Die Implementierung von KI-Lösungen in der Landwirtschaft wird durch spezifische Charakteristika des Sektors beeinflusst, die ihn von anderen Wirtschaftszweigen unterscheiden. Eine besondere Herausforderung stellt die ausgeprägte Fragmentierung und Heterogenität des Agrarsektors dar. Allein in der Europäischen Union existierten im Jahr 2020 etwa 9,1 Mio. landwirtschaftliche Betriebe (eurostat, 2020), im Gegensatz zu 3261 Kreditinstituten (European Central Bank, 2016) und nur etwa 200 Fluggesellschaften (statista, 2024). Neben dieser ökonomischen Fragmentierung manifestiert sich die Heterogenität in der Landwirtschaft in weiteren Dimensionen:
  • Unkontrollierbare Umweltbedingungen: Wetter, Klimawandel und extreme Ereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen beeinflussen maßgeblich den Erfolg landwirtschaftlicher Aktivitäten.
  • Zeitliche Abhängigkeiten: Vegetationsperioden und saisonale Zyklen mit engen Zeitfenstern spielen in der Landwirtschaft eine zentrale Rolle.
  • Örtliche Unterschiede: Variationen in Bodenarten, Topographie und Mikroklimata innerhalb einzelner Felder oder zwischen verschiedenen Regionen erhöhen die Komplexität landwirtschaftlicher Entscheidungen.
Im Gegensatz zu Sektoren wie der Fertigungsindustrie oder dem Finanzwesen, die oft in kontrollierten Umgebungen operieren, muss die Landwirtschaft mit einer Vielzahl von externen, oft unvorhersehbaren Faktoren umgehen. Während beispielsweise die Automobilindustrie ihre Produktionsprozesse weitgehend standardisieren und optimieren kann, muss die Landwirtschaft ständig auf wechselnde Umweltbedingungen reagieren.
Eine weitere Herausforderung stellt die Datenverfügbarkeit und -qualität dar. In der Landwirtschaft existieren oft erhebliche Datenlücken, insbesondere bei kleineren Betrieben, die nicht über die notwendige technische Infrastruktur zur systematischen Datenerfassung verfügen. Zudem erschweren die Heterogenität der Datenquellen und das Fehlen standardisierter Datenformate die Integration und Analyse der Daten. Während im Bankensektor beispielsweise das SWIFT-System für den standardisierten Datenaustausch genutzt wird, kommen in der Landwirtschaft verschiedene, oft nicht kompatible Systeme zum Einsatz.
Die Investitionsfähigkeit in KI-Technologien unterscheidet sich ebenfalls stark zwischen den Sektoren. Während Großunternehmen, wie Banken oder Fluggesellschaften, erhebliche Ressourcen für die Entwicklung und Implementierung von KI-Lösungen aufwenden können, sind viele landwirtschaftliche Betriebe klein und haben begrenzte finanzielle Möglichkeiten. In der EU waren 2020 etwa 64 % der landwirtschaftlichen Betriebe kleiner als 5 ha (eurostat, 2020). Dies führt zu unterschiedlichen Geschwindigkeiten bei der Technologieadoption. Während im Finanzsektor bereits 2019 etwa 85 % der Unternehmen KI-Technologien einsetzten (Deloitte Center for Financial Services, 2019), lag die Adoptionsrate in der Landwirtschaft deutlich niedriger. Eine Studie aus Deutschland zeigte, dass 2022 nur etwa 58 % der Landwirte GPS-gesteuerte Landmaschinen, 19 % Drohnentechnologie und 14 % KI-Technologie im engeren Sinne nutzten (bitkom, 2022).
Die Integration von KI in der Landwirtschaft verspricht, viele der aktuellen Herausforderungen zu adressieren. Durch die Analyse komplexer Datensätze, die Steuerung autonomer Systeme und die Optimierung von Entscheidungsprozessen kann KI dazu beitragen, die Produktivität zu steigern, Ressourcen effizienter zu nutzen und die Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Produktion zu verbessern. In den folgenden Abschnitten werden wir die technologischen Grundlagen von KI in der Landwirtschaft (Abschn. 19.2), die Herausforderungen der Systemintegration (Abschn. 19.3) sowie die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und regulatorischen Aspekte (Abschn. 19.4 und 19.5) eingehend diskutieren. Abschließend werden Zukunftsperspektiven und Schritte für die weitere Entwicklung von KI in der Landwirtschaft vorgestellt (Abschn. 19.6).

19.2 Technologische Basis und Anwendungsfelder

19.2.1 Anwendungsfelder in der Außenwirtschaft

Die Außenwirtschaft umfasst Maschinen, Geräte und Prozesse, die in der Feld- und Grünlandbewirtschaftung eingesetzt werden. In diesem Kontext hat sich die Präzisionslandwirtschaft (Precision Farming) als zentrales Anwendungsfeld für Künstliche Intelligenz etabliert. KI-gestützte Systeme analysieren Daten aus verschiedenen Quellen, darunter Bodensensoren, Wetterstationen und Satellitenbilder, um ortsspezifische Maßnahmen zu optimieren und die Effizienz der landwirtschaftlichen Produktion zu steigern (Monteiro et al., 2021).
Maschinelles Lernen und Deep Learning (LeCun et al., 2015) bilden die Grundlage für die Analyse komplexer Datensätze und die Erkennung von Mustern in landwirtschaftlichen Prozessen. Diese Technologien ermöglichen im Prinzip die präzise Vorhersage über Ernteerträge und optimale Zeitpunkte für Aussaat und Ernte basierend auf historischen Daten und aktuellen Umweltbedingungen (Khaki & Wang, 2019).
KI-basierte Bilderkennungssysteme erreichen eine Genauigkeit von bis zu etwa 99 % bei der Identifikation von Pflanzenkrankheiten, was eine frühzeitige Intervention und gezielte Behandlung ermöglicht (Militante et al., 2019). Hier ist jedoch darauf zu achten, dass diese Zahl sehr kontextabhängig und deshalb vorsichtig zu interpretieren ist.
Ein Schlüsselbereich der Präzisionslandwirtschaft ist die präzise Düngung und Bewässerung. KI-Algorithmen können den Nährstoff- und Wasserbedarf von Pflanzen genau bestimmen. Studien zeigen, dass präzise Stickstoffdüngung den Düngemitteleinsatz bei gleichbleibenden Erträgen um bis zu 30 % reduzieren kann (Sanyaolu & Sadowski, 2024). Diese Effizienzsteigerung trägt nicht nur zur Kostenreduktion bei, sondern auch geringerer Umweltbelastung durch übermäßigen Düngemitteleinsatz.
Für das Unkraut- und Schädlingsmanagement werden autonome Roboter entwickelt, die bildbasiert Unkräuter identifizieren und behandeln. Dadurch soll der Einsatz von Herbiziden reduziert werden. Untersuchungen zeigen Reduktionen um bis zu 97 %, wobei die Erfolgsrate bei 47,6 % lag (Wu et al., 2020).

19.2.2 Anwendungsfelder in der Innenwirtschaft

Auch in der Innenwirtschaft, die Bereiche wie Stallsysteme, Lagerung und Verarbeitung umfasst, zeigt der Einsatz von KI großes Potential. In der Tierhaltung und -gesundheit können KI-gestützte Überwachungssysteme das Verhalten und die Gesundheit von Nutztieren in Echtzeit analysieren. Systeme zur Früherkennung von Krankheiten bei Milchkühen erlauben die Früherkennung von Digitaler Dermatitis mit 79 % Genauigkeit am Tag der ersten klinischen Anzeichen (Magana et al., 2023). Diese Technologien tragen zur Verbesserung der Tiergesundheit und zur Steigerung der Produktivität und Rentabilität in der Tierhaltung bei.
Im Bereich Lagerung werden Reduktionen der Verluste um bis zu 30 % durch KI-optimierte Lager- und Verpackungslösungen berichtet (Abramov, 2025).
In der Verarbeitung und Qualitätskontrolle identifizieren KI-gestützte Gassensorsysteme Trockenfäule bei Kartoffeln annähernd fehlerfrei (Farokhzad et al., 2024), was zu einer Verbesserung der Lebensmittelsicherheit und -qualität führt.

19.2.3 Herausforderungen und Integration

Die beiden obigen Abschnitte stellen exemplarische KI-Lösungen für die Landwirtschaft vor. Nicht alle Laborergebnisse lassen sich im Feld bei gleicher Performance reproduzieren. Dennoch gibt es schon heute zahlreiche vielversprechende bis sehr gute und oft auch kommerziell verfügbare Lösungen, die jedoch meist Insellösungen mit relativ geringen Adoptionsraten bleiben. Gründe hierfür liegen in der begrenzten technischen Infrastruktur in ländlichen Gebieten, in hohen Anfangsinvestitionen, die besonders für kleine Betriebe problematisch sind, sowie im Fehlen von qualifiziertem Personal mit Expertise in beiden Bereichen – Landwirtschaft und KI (bitkom, 2022).
Eine besondere Herausforderung ist eine Integration unterschiedlicher Technologien und Sensordaten, die
  • den hochgradig spezifischen technologischen und ökonomischen Anforderungen einzelner Betriebe gerecht wird,
  • die Datenhoheit der Landwirte respektiert,
  • offen ist hinsichtlich der Einbindung von Diensten und Lösungen Dritter, wie etwa Startups.
Systeme wie das John Deere Operations Center oder xarvio Digital Farming Solutions von Bayer leisten das nicht immer, kommen aber zum Preis der Herstellerabhängigkeit.
Die Anpassung an lokale Bedingungen bleibt eine zentrale Herausforderung. Die Heterogenität der landwirtschaftlichen Produktion erfordert KI-Systeme, die flexibel an unterschiedliche Umweltbedingungen, Anbaumethoden und Betriebsgrößen angepasst werden können. Dies setzt nicht nur technologische Innovationen, sondern auch ein tiefes Verständnis der spezifischen Bedürfnisse und Bedingungen in der Landwirtschaft voraus. Plattformbasierte Lösungen, die Dienste auf der Basis offener und standardisierter Schnittstellen und Datenmodelle modular integrieren (s. Abschn. 19.3.1.2 und 19.5.2) stellen hier einen vielversprechenden Ansatz dar.
Neben der horizontalen digitalen Prozessintegration in der landwirtschaftlichen Produktion gibt es die Tendenz zur vertikalen digitalen Integration entlang der Verarbeitungskette bis hin zum Verbraucher in Wertschöpfungsnetzwerken. Auch hier haben KI und Plattformen das Potential, technologische Grundlagen zu schaffen (Assimakopoulos et al., 2024). Während digitale Produktpässe im Agrarbereich noch in der Frühphase der Erprobung sind, zeigen Pilotprojekte und Studien ihr Potential für mehr Transparenz, Nachhaltigkeit und Effizienz (Bär et al., 2023). Kritische Aspekte wie Standardisierung, Kostenzugang und die Vermeidung von Monopolisierung müssen jedoch weiter erforscht werden. Die Integration von DPPs (Digitalen Produktpässen) i n bestehende Wertschöpfungsnetzwerke wird als Schlüssel für die Skalierung angesehen (Šipka & Stagianni, 2024).
Trotz des großen Potentials dieser Technologien ist es wichtig, ihre Grenzen und möglichen negativen Auswirkungen zu berücksichtigen. KI-gestützte Entscheidungssysteme können zu einer Überoptimierung führen, die langfristig die Biodiversität und Bodengesundheit beeinträchtigen könnte (Benefo et al., 2022). Zudem besteht die Gefahr, dass eine übermäßige Abhängigkeit von KI-Systemen das traditionelle landwirtschaftliche Wissen und die Autonomie der Landwirte untergräbt.

19.3 Integration und Systemarchitektur

19.3.1 Datenmanagement

19.3.1.1 Datenerfassung und -qualität

Eine solide Datenbasis von hinreichender Qualität ist die Grundlage für effektive KI-Anwendungen in der Landwirtschaft. Die Heterogenität und Fragmentierung des Agrarsektors stellen jedoch erhebliche Herausforderungen für die Datenerfassung und -qualität dar. Landwirtschaftliche Daten stammen aus einer Vielzahl von Quellen, darunter IoT-Sensoren, Drohnen und Satellitenbilder. Der Mangel an Datenstandards erschwert die Integration und Qualitätssicherung (Wolfert et al., 2017). Verstärkt wird diese Fragmentierung durch unklare Datenhoheit (Jouanjean et al., 2020).
Studien zeigen, dass Data Quality Assessment (DQA) Tools die Datenqualität und damit die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der darauf basierenden KI-Modelle verbessern kann (Schroth et al., 2023).
Es ist jedoch zu beachten, dass die Komplexität und Variabilität landwirtschaftlicher Systeme eine besondere Herausforderung für KI-Anwendungen darstellen. Die Qualität und Verfügbarkeit von Daten können in verschiedenen landwirtschaftlichen Kontexten stark variieren; dies beeinträchtigt unter Umständen die Zuverlässigkeit und Übertragbarkeit von KI-Modellen. So können KI-Modelle auf fragmentierten Datensätzen Machtungleichgewichte zwischen großen und kleinen Betrieben begünstigen (Dara et al., 2022). Zudem können KI-Systeme, die auf unausgewogenen Datensätzen trainiert wurden, zu verzerrten Ergebnissen führen und bestehende Ungleichheiten verstärken.

19.3.1.2 Standardisierung und Zertifizierung

Ein zentraler Aspekt für die erfolgreiche Integration von KI in die Landwirtschaft sind die Standardisierung und Zertifizierung von KI-Systemen. Im Gegensatz zu anderen Sektoren, wie dem Bankenwesen mit seinem etablierten SWIFT-System, fehlt es der Landwirtschaft bislang an vergleichbaren universellen Standards für den Datenaustausch. Aktuell befassen sich verschiedene Organisationen an der Standardisierung der Integration von KI in der Landwirtschaft. Die Internationale Organisation für Normung (ISO) arbeitet im TC 347 – Data-driven agrifood systems – aktiv an der Entwicklung von Standards für die digitale Landwirtschaft.
Die von der ITU1/FAO2 Focus Group on AI and IoT for Digital Agriculture (FG-AI4A) (FG-AI4A, 2021) entwickelte Referenzarchitektur (ITU-T, 2024) bietet technische Spezifikationen für den Aufbau plattformbasierter vernetzter Agrarsysteme. Diese umfassen standardisierte Datenmodelle und Schnittstellen zwischen Daten und KI-Modellen. Dies ist essenziell, um die Diskriminierungsfreiheit, Interoperabilität und Offenheit dieser Plattformen und ihrer Ökosystem zu gewährleisten.
Zertifizierungsprozesse spielen eine wichtige Rolle bei der Verifizierung der Einhaltung von Standards und der Gewährleistung der Vertrauenswürdigkeit von KI-Systemen. Beispielsweise könnten Zertifizierungen für Datenschutz, Systemsicherheit und betriebliche Effizienz dazu beitragen, die Akzeptanz von KI-Technologien in der Landwirtschaft zu fördern.

19.3.1.3 Edge Computing und Cloud-Lösungen

Die Verarbeitung und Speicherung der enormen Datenmengen, die in der modernen Landwirtschaft generiert werden, erfordern innovative Lösungsansätze. Edge Computing und Cloud-Lösungen spielen hierbei eine zentrale Rolle. Edge Computing ermöglicht die Verarbeitung von Daten direkt am Entstehungsort, was besonders in ländlichen Gebieten mit begrenzter Internetkonnektivität von Vorteil ist. Studien zeigen, dass Edge-Computing-Lösungen die Latenzzeiten bei der Datenverarbeitung um bis zu 50 % reduzieren können, was für zeitkritische Anwendungen, wie die Steuerung autonomer Landmaschinen, entscheidend ist.
Cloud-Lösungen hingegen bieten die Möglichkeit, große Datenmengen zentral zu speichern und zu analysieren. Dies ist besonders wichtig für komplexe KI-Modelle, die umfangreiche historische Datensätze für das Training benötigen. Die Kombination von Edge Computing für die Echtzeitverarbeitung und Cloud-Lösungen für umfassende Analysen ermöglicht eine flexible und skalierbare Infrastruktur für KI-Anwendungen in der Landwirtschaft.

19.3.2 Plattformen und Ökosysteme

19.3.2.1 Integrierte offene Plattformen

Die Entwicklung integrierter offener Plattformen stellt einen vielversprechenden Ansatz dar, um die Fragmentierung im Agrarsektor zu überwinden und die Adoption von KI-Technologien zu fördern. Diese Plattformen zielen darauf ab, verschiedene Akteure und Technologien in einem kohärenten Ökosystem zu vereinen. Ein Beispiel hierfür ist das BMWK-geförderte Projekt NaLamKI (Nachhaltige Landwirtschaft mittels KI), das die Digitalisierung in der Landwirtschaft vorantreibt, indem es die Interoperabilität zwischen verschiedenen Software- und Hardwareanbietern ermöglicht (Bosse et al., 2023). NaLamKI setzt und implementiert dabei offene Standards der ITU/FAO FG-AI4A. Die NaLamKI-Plattform umfasst einen digitalen Zwilling des landwirtschaftlichen Betriebs und einen Dienstkatalog. Aus dem Dienstkatalog kann der Landwirt Dienste von Drittanbietern (wie etwa Startups) wählen und sich so ein integriertes System modular nach seinen Anforderungen erstellen. Das standardisierte Datenmodell erlaubt das diskriminierungsfreie Einstellen und Anbieten neuer Dienste bei Gewährleistung der Datenhoheit des Landwirts. Solche Plattformen, betrieben von voneinander unabhängigen und möglichweise konkurrierenden Organisationen, sind untereinander interoperabel und können bei Zustimmung der Landwirte bzw. der Dienstanbieter Daten und Dienste austauschen (ITU-T, 2024).
Im BMEL-geförderten Projekt ACRAT (Accelerating Climate Resilient Agriculture in Telangana) (2024) wird dieses Prinzip in einem agroökologischen Ansatz im indischen kleinbäuerlichen Kontext gemeinsam mit lokalen Startups und Landwirten nutzerzentriert weiterentwickelt.
Solche Plattformen können als Katalysatoren für Innovation dienen, indem sie den Austausch von Daten und Erkenntnissen zwischen Landwirten, Forschern und Technologieanbietern erleichtern und so ein Ökosystem etablieren. Sie bieten zudem eine Grundlage für die Entwicklung und Implementierung standardisierter KI-Lösungen, die auf die spezifischen Bedürfnisse des Agrarsektors zugeschnitten sind.

19.4 Wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte der KI in der Landwirtschaft

19.4.1 Ökonomische Betrachtungen

19.4.1.1 Kosten-Nutzen-Analyse

Die Kosten für eine Implementierung von KI-Technologien in der Landwirtschaft liegen in Abhängigkeit von der Betriebsgröße bei 10.000–250.000 US-$ (MarketsAndMarkets, 2022; Sheykin, 2024). Prognosen zeigen einen ROI von 3–5 US-$ pro investiertem Dollar mit einem globalen Marktvolumen von 9,55 Mrd. US-$ bis 2030 (Grand View Research, 2024).
Aus der Anwendersicht ergeben sich die ökonomischen Vorteile aus den Einsparungen bzw. Ertragssteigerungen (s. auch Abschn. 19.2) durch den Einsatz von KI. Präzisionsdüngung reduziert den Stickstoffeinsatz um 15–27 % und steigert Erträge um 10–15 % (Bongiovanni & Lowenberg-Deboer, 2004). Gerade Kleinbauern können vom Einsatz von KI profitieren (Šermukšnytė-Alešiūnienė & Melnikienė, 2024). Die Integration digitaler Technologien in Wertschöpfungsnetzwerke ermöglicht es Kleinbauern insbesondere auch, direkte Marktzugänge zu finden (Xie et al., 2021).

19.4.1.2 Kritische Betrachtung der Potentiale

Die Fragmentierung des Agrarsektors und die Heterogenität der landwirtschaftlichen Betriebe stellen erhebliche Herausforderungen für die flächendeckende Implementierung und Skalierung von KI-Lösungen dar (Alexander et al., 2024). Die Notwendigkeit, KI-Systeme an lokale Bedingungen anzupassen, kann zu zusätzlichen Entwicklungs- und Implementierungskosten führen, was die Rentabilität insbesondere für kleinere Betriebe in Frage stellen kann. Diskriminierungsfreie, offene und interoperable Systeme, die modulare, spezifische Lösungen integrieren, könnten hier einen Ausweg bieten. Eine kritische Frage bleibt jedoch, wer diese Plattformen betreibt und kontrolliert.
Wie in Abschn. 19.3 erörtert, erfordert das Training von KI-Modellen große Mengen qualitativ hochwertiger Daten, die oft schwer zu beschaffen sind. Dieses Problem stellt sich insbesondere für kleine Betriebe. Ähnlich zur Gefahr einer Monopolisierung oder Oligopolisierung von Plattformen (Sauvagerd et al., 2024) müssen die Aspekte von Datenhoheit und Dateneigentümerschaft geklärt werden, um kleineren Betrieben die Partizipation am ökonomischen Potential der KI-Integration zu ermöglichen (Gikunda, 2024). Die Datenqualität und -verfügbarkeit in der Landwirtschaft sind oft unzureichend, was die Genauigkeit und Zuverlässigkeit von KI-Prognosen und -Empfehlungen beeinträchtigen und somit die erwarteten ökonomischen Vorteile schmälern kann (Wolfert et al., 2017).
KI-Methoden sind nicht nur daten-, sondern auch energieintensiv. Deshalb ist sorgfältig zu prüfen, in welchen Anwendungsfällen und Systemen KI tatsächlich zur Nachhaltigkeit beiträgt und wo beispielsweise eingesparte Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft lediglich gegen CO2-Ausstoß zum Betrieb der digitalen Infrastruktur und zur Ausführung von KI-Algorithmen getauscht werden (Kanungo, 2023). In diesem Zusammenhang ist es relevant, Modelle mit hinreichender Generalität zu entwickeln, die nicht wiederholt anwendungsspezifisch neu trainiert werden müssen, sowie energieeffiziente Laufzeitumgebungen in den Betrieben und Landmaschinen zu implementieren. Diese Ansätze können dazu beitragen, den Energieverbrauch und die damit verbundenen Umweltauswirkungen von KI-Anwendungen in der Landwirtschaft zu reduzieren.

19.4.2 Gesellschaftliche Implikationen

19.4.2.1 Transformation der Arbeitswelt

Die zunehmende Integration von KI in die Landwirtschaft führt zu signifikanten Veränderungen in der Arbeitswelt des Agrarsektors. Während einige traditionelle Aufgaben durch Automatisierung ersetzt werden, entstehen gleichzeitig neue Berufsbilder und Kompetenzanforderungen. Eine Studie des McKinsey Global Institute prognostizierte, dass etwa 30 % der landwirtschaftlichen Arbeitsplätze in Deutschland bis 2030 durch KI und Automatisierung ersetzt werden könnten, während gleichzeitig neue Stellen in Bereichen wie Datenanalyse, KI-Systemmanagement und Präzisionslandwirtschaft geschaffen werden (McKinsey Global Institute, 2017).
Diese Transformation erfordert eine Anpassung der Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramme im Agrarsektor. Landwirte und Agraringenieure müssen zunehmend digitale Kompetenzen entwickeln, um KI-Systeme effektiv nutzen und interpretieren zu können. Die Entwicklung spezialisierter Studiengänge und Weiterbildungsangebote, wie beispielsweise die Masterstudiengänge „Digital Agriculture“ an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und „Informationstechnologie in den Agrar- und Umweltwissenschaften“ and der Julius-Liebig-Universität Gießen, zeigen die wachsende Bedeutung dieser neuen Kompetenzen (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, 2025; Justus-Liebig-Universität Gießen, 2025).
Die Integration von KI selbst in die landwirtschaftliche Ausbildung bildet einen relevanten Hebel für die Bewältigung des digitalen Wandels im Agrarsektor. Digitale Lernplattformen mit KI-Algorithmen passen Schulungsinhalte individuell an Vorkenntnisse und Lernfortschritte an. Farmer.Chat von Digital Green nutzt Retrieval-Augmented Generation, um über 8000 Schulungsvideos und über 50 Sprachen in Echtzeit-Beratungen zu integrieren (Digital Green, 2025). Virtuelle Farmumgebungen ermöglichen risikofreies Experimentieren mit Anbaustrategien und KI-Analysetools (Nguyen et al., 2024). Digitale Zwillinge von Anbauflächen erlauben das Testen von Bewässerungsalgorithmen vor der Feldimplementierung (Thipphayasaeng et al., 2024).

19.4.2.2 Ethische Aspekte und gesellschaftliche Akzeptanz

Die Einführung von KI in der Landwirtschaft wirft wichtige ethische Fragen auf, die adressiert werden müssen, um eine breite gesellschaftliche Akzeptanz zu gewährleisten. Zentrale Themen sind die Datenhoheit der Landwirte, die Transparenz von KI-Entscheidungsprozessen und die Offenheit der Systeme. Die Sammlung und Analyse großer Datenmengen durch KI-Systeme erfordern robuste Schutzmaßnahmen, um die Betriebsdaten der Landwirte zu schützen und den Missbrauch sensibler Informationen zu verhindern (Wiseman et al., 2019).
Darüber hinaus sind ethische Fragen zum Tierwohl (Deutscher Ethikrat, 2020) und zur Nachhaltigkeit bei der Entwicklung und Implementierung von KI-Systemen in der Landwirtschaft zu berücksichtigen.
Die Wahrung menschlicher Agency über KI-Systeme in der Landwirtschaft stellt einen zentralen Aspekt dar. Dieser Grundsatz gewährleistet, dass Landwirte trotz Automatisierung souveräne Entscheidungsträger bleiben und nicht zu passiven Ausführenden algorithmischer Vorgaben degradiert werden. 78 % der Landwirte fordern Vetorechte bei KI-Empfehlungen, insbesondere bei Tierwohl-Interventionen (z. B. automatisierten Keulungsentscheidungen) und ökologischen Risikoabwägungen (Dara et al., 2022). Die Betonung liegt hierbei auf der Notwendigkeit manueller Override-Funktionen für ethisch sensitive Betriebsbereiche (DLG, 2018).
Die Transparenz und Erklärbarkeit von KI-Entscheidungen sind ausschlaggebend, um das Vertrauen der Landwirte zu gewinnen (Dara et al., 2022). Interpretierbare KI-Modelle, etwa zur Visualisierung von Entscheidungsbäumen für Düngeempfehlungen oder die nachvollziehbaren Schadschwellen-Berechnungen in Pflanzenschutzsystemen, steigern die Akzeptanz bei Landwirten um 43 % (Holzinger et al., 2024).
Fallstudien zeigen, dass Landwirte den Verlust traditioneller agrartechnischer Kompetenzen, die Abhängigkeit von ATPs (Agricultural Technology Providers) bei Systemupdates sowie die kognitive Überlastung durch Parallelbedienung multipler KI-Tools befürchten (Hüllmann et al., 2023).

19.4.2.3 Nachhaltigkeit und Umweltauswirkungen

Durch die Optimierung des Ressourceneinsatzes können KI-gestützte Systeme den ökologischen Fußabdruck der Landwirtschaft reduzieren. Das oben genannte ACRAT-Projekt demonstriert, wie digitale Plattformen dazu beitragen können, die Prinzipien der Agroökologie in die Praxis umzusetzen. Durch die Förderung von Biodiversität, die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und die Reduzierung des Einsatzes chemischer Inputs trägt ACRAT nicht nur zur Resilienz gegenüber Klimawandel bei, sondern auch zur langfristigen Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Systeme.
Darüber hinaus spielen KI-Anwendungen eine wichtige Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel und dessen Eindämmung. KI-gestützte Klimamodelle ermöglichen es Landwirten, ihre Anbaustrategien an sich verändernde Wettermuster anzupassen. Eine Studie von PwC schätzt, dass KI-Technologien in der Landwirtschaft bis 2030 zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen um bis zu 160 Megatonnen CO2-Äquivalent pro Jahr beitragen könnten (PricewaterhouseCoopers, 2019). Wie in Abschn. 19.4.1.2 geschildert, ist es hierbei essenziell, dass der Ressourcenverbrauch des Betriebs digitaler Infrastruktur die gewonnenen Einsparungen nicht übersteigt.

19.5 Rechtlicher und regulatorischer Rahmen für KI in der Landwirtschaft

Die Integration von Künstlicher Intelligenz in die Landwirtschaft erfordert nicht nur technologische Innovationen, sondern auch einen robusten rechtlichen und regulatorischen Rahmen. Dieser Rahmen muss sowohl die Förderung von Innovationen als auch Sicherheit, Ethik und Datenschutz gewährleisten. Im Folgenden werden die zentralen Aspekte der EU-Regulierungen, nationalen Gesetzgebungen sowie Datenschutz- und Sicherheitsmaßnahmen beleuchtet.

19.5.1 EU-Regulierungen und nationale Gesetzgebung

Der EU Artificial Intelligence Act (AI Act), der am 01.08.2024 in Kraft trat, verfolgt einen risikobasierten Ansatz bei der Regulierung von KI-Systemen (s. Kap. 23). In der Landwirtschaft ist dies besonders relevant für Systeme, die kritische Funktionen, wie die autonome Steuerung von Landmaschinen oder das Management lebenswichtiger Ressourcen, übernehmen. Diese werden als Hochrisikosysteme eingestuft und unterliegen strengen Sicherheits- und Transparenzanforderungen (FG-AI4A WG-ELR, 2024). Auf nationaler Ebene ergänzen die Mitgliedstaaten diese Vorgaben: Deutschland beispielsweise hat eine eigene KI-Strategie entwickelt, die durch gezielte Investitionen in Forschung und Entwicklung die Implementation von KI-Technologien in der Landwirtschaft fördert (OECD, 2024).
Der ab September 2025 geltende Data Act ergänzt den AI Act, indem er den Zugang zu den für KI-Systeme essenziellen Daten reguliert. Ein Kernaspekt ist dabei die Stärkung der Position der Landwirte im digitalen Ökosystem. Sie erhalten umfassende Kontrollrechte über die von ihren Maschinen und Sensoren generierten Daten und haben die Möglichkeit, diese an Dritte, wie Agrarberater oder Genossenschaften, weiterzugeben; ebenso ist das Verbot missbräuchlicher Vertragsbedingungen geregelt (Atik, 2023). Studien erwarten, dass diese neuen Rechte die Verhandlungsposition der landwirtschaftlichen Betriebe gegenüber Agritech-Unternehmen verbessern werden (Zampati, 2019).
Der Common European Agricultural Data Space (CEADS) implementiert FAIR-Prinzipien für agrarspezifische Datensätze (European Commission, 2024), um die Auffindbarkeit, Zugänglichkeit, Interoperabilität und Wiederverwendbarkeit landwirtschaftlicher Daten zu gewährleisten. Dies ermöglicht KI-gestützte Analysen über Betriebsgrenzen hinweg, etwa für regionale Schädlingsprognosen oder Nachhaltigkeitsbewertungen.
Trotz des umfassenden Regulierungsrahmens bleiben einige Herausforderungen bestehen: Daten-Lock-in-Effekte bei proprietären Farm-Managementsystemen, unklare Haftungsfragen bei KI-basierten Fehlempfehlungen und die energieintensive Infrastruktur für Echtzeitdatenströme (Ryan et al., 2024). Eine abschließende Beurteilung ist noch schwer (Osborne Clarke, 2024).

19.5.2 Daten- und Systemsicherheit

Der Schutz und die Sicherheit von Daten sind von zentraler Bedeutung für den Einsatz von KI in der Landwirtschaft. Betriebsdaten stellen handelsrechtlich sensible Informationen dar, deren Missbrauch zu wirtschaftlichen Schäden führen kann. Viele IoT-Geräte in der Landwirtschaft verfügen über unzureichende Sicherheitsprotokolle, was sie anfällig für unbefugten Zugriff und Manipulation macht. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, müssen robuste Verschlüsselungsprotokolle, strenge Zugriffskontrollen und regelmäßige Sicherheitsaudits implementiert werden (Basharat & Mohamad, 2022).

19.5.3 Auswirkungen auf Innovation und Akzeptanz

Die Regulierung von KI in der Landwirtschaft hat weitreichende Auswirkungen auf Innovation und Akzeptanz. Die Erwartung von Eigentumsrechten an Betriebsdaten zeigt einen signifikanten positiven Effekt auf die KI-Nutzungsbereitschaft (Mohr & Kühl, 2020). 49 % der Landwirte sehen den Verlust der Datenhoheit als größtes Hemmnis für KI-Adoption, und 52 % fordern klare politische Rahmenbedingungen zur Datenkontrolle (Rohleder & Meinel, 2024).
Einerseits können klare rechtliche Rahmenbedingungen das Vertrauen von Landwirten und Verbrauchern in KI-Technologien stärken, indem sie Sicherheit und Transparenz gewährleisten. Andererseits besteht die Gefahr, dass KI-Konformitätskosten die Kapazitäten von Kleinbetrieben übersteigen (Budras et al., 2025)
Die Balance zwischen Regulierung und Innovation ist entscheidend, um die Vorteile von KI in der Landwirtschaft voll auszuschöpfen. Regulatorische Sandboxen wie Experimentierfelder und Reallabore ermöglichen Testphasen ohne Vollregulierung und können so die Pilotierungsrate steigern (BMEL, 2021).

19.5.4 Integration in Wertschöpfungsnetzwerke

Wertschöpfungsnetzwerke können die wirtschaftliche Rentabilität von KI-Anwendungen in der Landwirtschaft signifikant steigern. Durch die Erleichterung des Zugangs zu Ressourcen, Märkten und Wissen ermöglichen sie es auch kleineren Betrieben, von den Vorteilen der KI zu profitieren. Die JN-Plattform in China verbindet Kleinbauern mit KI-gestützten Vertriebs- und Logistiksystemen, wodurch die Gewinne der Betriebe signifikant stiegen (Sun & Ma, 2025). Die langfristige Netzwerkstabilität erfordert institutionalisierte Kommunikationsstrukturen und klare Verantwortungsverteilung (Mishra et al., 2024).
Transparente Wertschöpfungsnetzwerke dokumentieren KI-Entscheidungen nachvollziehbar – etwa bei der Pestizidausbringung – und erhöhen das Vertrauen von Verbrauchern (Assimakopoulos et al., 2024)

19.6 Zukunftsperspektiven

19.6.1 Entwicklungstrends

Die Präzisionslandwirtschaft, bereits in Abschn. 19.2 diskutiert, entwickelt sich durch KI-Technologien weiter. Zukünftige Entwicklungen versprechen eine noch genauere Ressourcenoptimierung und Ertragssteigerung. Diese Fortschritte werden durch die Verbesserung von Sensortechnologien, Datenanalyse-Algorithmen und autonomen Systemen ermöglicht.
Die zunehmende Vernetzung landwirtschaftlicher Geräte und Sensoren durch das Internet der Dinge (IoT) in Kombination mit KI-Technologien wird die Datenerfassung und -analyse revolutionieren (siehe Kap. 17 und 18). Die Anzahl der vernetzten IoT-Geräte in der Landwirtschaft wird weiter ansteigen, was eine umfassende Echtzeitüberwachung und -steuerung landwirtschaftlicher Prozesse ermöglicht. Wenn die damit (und in Abschn. 19.3) beschriebenen Herausforderungen des Datenmanagements gelöst sind, wird dies die Datengrundlage für KI-Anwendungen weiter verbessern.
Entwicklungen in der Robotik werden die Autonomie von KI-Systemen erhöhen und landwirtschaftliche Intervention physisch aufs Feld oder in den Stall bringen. KI-gesteuerte Roboter werden zunehmend komplexe Aufgaben, wie selektives Ernten, präzises Unkrautjäten und gezielte Schädlingsbekämpfung, übernehmen.
Die Konvergenz von KI, IoT und Robotik wird ein paradigmatisches Ökosystem für die digitale Landwirtschaft schaffen. Um auch Kleinbauern die Möglichkeit zu geben, daran zu partizipieren, gilt es, ein regulatorisches und finanzielles Umfeld zu schaffen und die digitale Kompetenz der Akteure zu erhöhen.

19.6.2 Forschungsbedarf

Die Komplexität und Variabilität landwirtschaftlicher Systeme erfordern robuste und adaptive Modelle, die mit unvollständigen oder verrauschten Daten umgehen können. Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf die Entwicklung von Algorithmen, welche die in Abschn. 19.1 erwähnte Fragmentierung des Agrarsektors und die starke Umweltabhängigkeit berücksichtigen. Diese Algorithmen dürfen die digitale Dividende der Nachhaltigkeit nicht verspielen und müssen entsprechend energieeffizient sein.

19.6.2.1 Verbesserung der Datenqualität und -verfügbarkeit

Die Qualität und Verfügbarkeit von Daten bleiben eine zentrale Herausforderung für die effektive Nutzung von KI in der Landwirtschaft. Forschungsinitiativen zielen darauf ab, Methoden zur Verbesserung der Datenerfassung, -integration und -standardisierung zu entwickeln. Ein besonderer Fokus liegt auf der Entwicklung von Techniken zur Datenaggregation aus verschiedenen Quellen und der Schaffung offener Datenplattformen, die den Austausch und die Nutzung landwirtschaftlicher Daten erleichtern.
Die Komplexität der Herausforderungen in der Landwirtschaft erfordert verstärkt interdisziplinäre Forschungsansätze. Die Zusammenarbeit zwischen Agrarwissenschaftlern, Informatikern, Klimaforschern, Experten für Mensch-Technik-Interaktion und Sozialwissenschaftlern ist entscheidend, um ganzheitliche KI-Lösungen zu entwickeln, die sowohl technologisch fortschrittlich als auch praktisch anwendbar sind. Forschungsprogramme, die diese interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern, gewinnen zunehmend an Bedeutung.

19.6.3 Schritte zur digitalen und nachhaltigen Transformation der Landwirtschaft

Um die in Abschn. 19.4 diskutierte Transformation der Arbeitswelt zu bewältigen (siehe Kap. 18), ist eine umfassende Anpassung der Aus- und Weiterbildungsprogramme im Agrarsektor erforderlich. Spezielle Studiengänge und Weiterbildungsangebote, die traditionelles landwirtschaftliches Wissen mit digitalen Kompetenzen und KI-Kenntnissen verbinden, können dazu beitragen, relevante Expertise schnell in die Breite zu bringen. Universitäten und Berufsbildungseinrichtungen sollten ermutigt werden, ihre Curricula entsprechend anzupassen, um den zukünftigen Bedarf an qualifizierten Fachkräften zu decken.
In Anlehnung an die in Abschn. 19.5 diskutierten rechtlichen Rahmenbedingungen sollte ein regulatorisches Umfeld geschaffen werden, das Innovation fördert und gleichzeitig ethische Standards und Datenschutz gewährleistet. Dies beinhaltet die Entwicklung klarer Richtlinien für den Einsatz von KI in der Landwirtschaft, die Förderung von Standardisierungsinitiativen und die Schaffung von Anreizen für die Adoption von KI-Technologien insbesondere für kleinere landwirtschaftliche Betriebe.
Die Schaffung von Innovationsökosystemen, einschließlich Technologieparks und Inkubatoren mit Fokus auf AgTech, kann die Entwicklung und den Technologietransfer beschleunigen. Solche Initiativen können dazu beitragen, die in Abschn. 19.3 diskutierten Herausforderungen bei der Integration von KI-Systemen zu bewältigen.
Um der Heterogenität des Ökosystems zu begegnen und gleichzeitig die Oligopolisierung zu vermeiden, ist die Etablierung von diskriminierungsfreien und offenen Standards nötig. Eine globale Initiative, die auf den Säulen Forschung, Implementierung, Capacity Building und Standardisierung ruht, bietet die Möglichkeit, die Herausforderungen der digitalen Landwirtschaft koordiniert auf internationaler Ebene anzugehen. Ein erster Schritt in diese Richtung wurde mit der Gründung der Global Initiative on AI for Food Systems durch die Food and Agriculture Organization, dem International Fund for Agricultural Development, der International Telecommunication Union und dem World Food Programm unternommen. Durch die Verbindung von Standardisierung mit praktischer Implementierung lassen sich innovative Ansätze, wie die im NaLamKI-Projekt entwickelte Referenzarchitektur oder die im ACRAT-Projekt erprobten Plattformlösungen, in einem globalen Kontext weiterentwickeln und skalieren. Gleichzeitig können bestehende Initiativen wie ISO/TC 347 – Data-driven agrifood systems mit ihrer Expertise zur Förderung von Dateninteroperabilität und Standardisierung einen wichtigen Beitrag leisten. Die Integration solcher Projekte in eine globale Initiative könnte nicht nur die Fragmentierung der Dateninfrastruktur überwinden, sondern auch die Entwicklung nachhaltiger, interoperabler und datensouveräner digitaler Plattformen begünstigen. Es wird empfohlen, diese Ansätze aktiv zu unterstützen, um eine resiliente und inklusivere digitale Landwirtschaft zu ermöglichen, die den Bedürfnissen von Landwirten weltweit gerecht wird.
Dabei ist es wichtig, nicht nur in der Optimierung landwirtschaftlicher Primärproduktion zu denken, sondern das komplette Wertschöpfungsnetz über Verarbeitung und Märkte bis hin zum Konsumenten zu berücksichtigen. Die Integration von sozialen und ökologischen Aspekten wird entscheidend sein, um die Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Agrarsektors zu verbessern.
Die Landwirtschaft in der entwickelten Welt hat durch ihren hohen Grad an Mechanisierung und Industrialisierung zwar enorme Produktivitätssteigerungen erreicht, steht jedoch zunehmend vor strukturellen und ökologischen Herausforderungen. Intensive landwirtschaftliche Praktiken haben zu Bodenerschöpfung, Biodiversitätsverlust und einer Abhängigkeit von chemischen Inputs geführt, die schwer zu durchbrechen ist. Digitale Technologien werden hier oft als Lösung gesehen, diese Trajektorie zu vermeiden, indem sie Prozesse optimieren und nachhaltigere Praktiken ermöglichen. Im Gegensatz dazu könnten sich entwickelnde Länder durch den direkten Einsatz digitaler Technologien diese Sackgasse möglicherweise ersparen. Anstatt zunächst auf eine intensive Mechanisierung zu setzen, können sie digitale Lösungen, wie KI-gestützte Präzisionslandwirtschaft, IoT-basierte Überwachungssysteme und datengetriebene Entscheidungsunterstützung, direkt in ihre landwirtschaftlichen Systeme integrieren. Projekte wie NaLamKI und ACRAT zeigen, wie datengetriebene Ansätze nicht nur die Produktivität steigern, sondern auch nachhaltige Praktiken fördern können.
Die Zukunftsperspektiven von KI in der Landwirtschaft sind vielversprechend, doch es ist wichtig, potenzielle langfristige Auswirkungen kritisch zu betrachten. Die zunehmende Technologisierung könnte zu einer Entfremdung von traditionellen landwirtschaftlichen Praktiken führen und das kulturelle Erbe ländlicher Gemeinschaften beeinflussen. Zudem müssen die ökologischen Folgen der verstärkten Technologienutzung, wie erhöhter Energieverbrauch und elektronischer Abfall, berücksichtigt werden (Assimakopoulos et al., 2024). Eine nachhaltige Integration von KI in die Landwirtschaft erfordert daher einen ganzheitlichen Ansatz, der ökologische, soziale und ethische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.
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Title
Künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft: Integration, Herausforderungen und Transformationspotentiale
Author
Sebastian Bosse
Copyright Year
2026
Publisher
Springer Berlin Heidelberg
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-71567-3_19
1
International Telecommunication Union, eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen zu Aspekten der Informationstechnik und Standardisierung.
 
2
Food and Agriculture Organization, eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen zu Aspekten der Landwirtschaft.
 
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