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About this book

Der Band beschäftigt sich mit den Folgen sozialstruktureller Veränderungen für die Strukturen und Akteure in der Aus- und Weiterbildung. Welche Auswirkungen haben der demografische Wandel, zunehmende Akademisierungstendenzen, der Wechsel von der Produktions- zur Dienstleistungsgesellschaft und die Digitalisierung auf das Verhältnis von Aus- und Weiterbildung sowie von allgemeiner und beruflicher Bildung? Wie verändern sich Berufsbiografien unter den Bedingungen des sozialstrukturellen Wandels? Inwiefern entstehen neue Lernbedarfe und wie sind Bildungsangebote zu gestalten, um diese Bedarfe zu decken? Die Autorinnen und Autoren bearbeiten diese Fragestellungen aus den Perspektiven der Berufs- und Wirtschaftspädagogik sowie der Erwachsenbildung.

Table of Contents

Frontmatter

Der Scheinriese Herr Tur Tur und die „absolute Metapher vom Lebenslangen Lernen“: Präliminarien und Überlegungen zu Ambivalenzen des Lebenslangen Lernens – statt eines Vorwortes

Zusammenfassung
Der Beitrag dient der Einleitung in den Sammelband. Im ersten Teil formulieren die Autoren die zentralen Fragen, welche zur Erstellung des Bandes geführt haben und ordnen die im Titel genannten Begriffe in den Kontext des Bandes ein. Zunächst beschäftigen sie sich hierzu mit der definitorischen Unschärfe des Begriffs „Lebenslanges Lernen“ aus deutscher und europäischer Perspektive und diskutieren kritisch dessen vermeintliche Funktion als individuelle Strategie zur Begegnung der Unwägbarkeiten einer modernen Lebensgestaltung. Sie umreißen die vielfältigen Ambivalenzen, Chancen und Risiken, die das Lebenslange Lernen für Individuen bereithält und deren Thematisierung sich wie ein roter Faden durch den gesamten Sammelband zieht. Den sozialstrukturellen Wandel beschreiben sie als Summe aller Entwicklungen, die letztlich dazu führen, dass sich berufliche Biografien immer mehr einer Planbarkeit entziehen. Im zweiten Teil erläutern die Autoren die Aufteilung der Beiträge in drei Teile und geben einen Überblick zu den einzelnen Aufsätzen.
Dieter Münk, Marcel Walter

Konvergenz von Bildungssegmenten und Lernformen

Frontmatter

The Dark Sides of Lifelong Learning: Unzeitgemäße Überlegungen zu einem zeitgemäßen Problem

Zusammenfassung
Der Beitrag setzt sich kritisch mit dem bildungs- und beschäftigungspolitischen Konzept des Lebenslangen Lernens auseinander. Grundlage für die Ausführungen sind die seit den 60er Jahren zunehmend konstatierten Individualisierungstendenzen, welche die Planbarkeit individueller Bildungs-, Karriere- und Lebensmuster zunehmend erschweren. Der Autor zeichnet zunächst die zentralen Entwicklungslinien europäischer Berufsbildungspolitik nach und arbeitet dabei insbesondere deren wirtschaftspolitische Ausrichtung heraus. Auf dieser Basis markiert er aus berufs- und wirtschaftspädagogischer Sicht zentrale Defizite in der Rezeption von lebenslangem Lernen wie die fehlende Passung mit der institutionellen Struktur des bundesdeutschen Bildungssystems, der insbesondere aus aufgeklärter pädagogischer Sicht problematischen ökonomischen Instrumentalisierung, von Lebenslangem Lernen implizierten Anpassungsverpflichtungen und der weiterhin ungelösten Bildungsungerechtigkeit.
Dieter Münk

Gleichartig, aber nicht gleichwertig? – Überlegungen zu einer Neubestimmung des Verhältnisses zwischen Berufs- und Hochschulbildung

Zusammenfassung
Ausgehend vom geänderten Bildungsverhalten Jugendlicher, das sich in den letzten Jahren durch kontinuierlich steigende Studienanfängerzahlen und rückläufige Zuströme in die duale Berufsausbildung auszeichnet, diskutiert der Beitrag das Verhältnis von Berufs- und Hochschulbildung. Die zentrale Fragestellung ist dabei zukunftsgerichtet: Kommt es zu einer weiteren Konvergenz der beiden traditionell markant getrennten Bildungssektoren? Die Argumentation erfolgt in vier Schritten, wobei jeweils zwei eher retrospektiv-erklärenden bzw. eher prognostischen Charakter haben. Zunächst werden bestehende Konvergenzen von Berufs- und Hochschulbildung nachgezeichnet und Einflussfaktoren auf die Entwicklung des Verhältnisses beider Segmente skizziert. Schließlich werden Optionen aufgezeigt, die bestehenden Entwicklungen zu beeinflussen und ggf. zu gestalten. Der Beitrag schließt mit einer Skizze des Modells integrierter beruflicher Studiengänge, die bereits heute in Grundzügen vorliegen und die berufliche Bildung auch im Hochschulbereich konsequent, aber mit Übergängen in nichtakademische berufliche Bildung und in wissenschaftlich orientierte akademische Bildung fortsetzen.
Dieter Euler

Europe 2020: Kontinuität oder Umorientierung europäischer Aus- und Weiterbildungspolitik in Krisenzeiten?

Zusammenfassung
Der Beitrag umreißt im Nachgang einer Darstellung des Lissabonprozesses die für die berufliche Aus- und Weiterbildung zentralen Inhalte der Europe-2020-Strategie. Er beleuchtet, inwieweit diese für eine Umorientierung der bisherigen Politik steht oder als veränderter Charakter von EU-Aus- und Weiterbildungspolitik interpretiert werden kann. Im Fokus steht dabei nicht eine Evaluation der nationalen Auswirkungen des Lissabonprozesses sondern die Frage, ob sich die Intention europäischer Aus- und Weiterbildungspolitik nach der Euro-Krise geändert hat und ob Kritik und Befürchtungen, die im deutschen Fachdiskurs in Bezug auf europäische Aus- und Weiterbildungspolitik formuliert wurden, neu zu bewerten sind.
Christian Schmidt

Politische Erwachsenenbildung in politischen Zeiten

Zusammenfassung
Der Beitrag diskutiert die Aufgabengebiete und Grenzen der politischen Erwachsenenbildung und leitet daraus Perspektiven für Forschung, Themenbesetzung in der Bildungspraxis sowie für die Professionalisierung von Erwachsenenbildenden ab. Ausgehend von Entwicklungen rückläufiger Wahlbeteiligung, einer zunehmenden Entkopplung politischer Praxis von großen Teilen des gesellschaftlichen Lebens und steigender milieuspezifischer Politikverdrossenheit argumentieren die Autorin und der Autor, dass diese „Krise der Politik“ keine „Krise der politischen Bildung“ ist und plädieren im Zuge einer kritischen Auseinandersetzung der Deutungshoheit von Politik und Weiterbildungsbeteiligung für das Lernpotenzial weniger etablierter Formen politischer Beteiligung sowie nicht-institutionalisierten Lernarrangements. Die Ausführungen machen deutlich, wie schlecht sich die Idee vom Lebenslangen Lernen derzeit noch mit der deutschen Trennung von allgemeiner, politischer und beruflicher Weiterbildung vereinbaren lässt, verweisen unter Rückgriff auf theoretische Überlegungen und empirische Hinweise jedoch auf die Notwendigkeit, einer engeren Verzahnung.
Helmut Bremer, Jana Trumann

Über Berufsbildung zur grundlegenden Bildung – Ergebnisse aus einem empirischen Projekt zur Entwicklung der Allgemeinbildung bei Auszubildenden im Bereich Finanzen und Versicherungen

Zusammenfassung
Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Allgemein- und Berufsbildung. Dabei steht die Frage im Vordergrund, inwiefern die berufliche Bildung einen Beitrag zur Allgemeinbildung leistet. Im theoretischen Teil des Beitrags wird zunächst der Allgemeinbildungsbegriff kurz abgesteckt und anschließend der Zusammenhang von beruflicher und allgemeiner Bildung auf der Basis historischer Quellen der klassischen Berufsbildungstheorie aufgearbeitet. Im empirischen Teil wird der Einfluss von beruflicher Bildung auf die Erweiterung des Allgemeinwissens untersucht. Die verwendeten Daten stammen aus einer Kooperation zwischen dem Fachgebiet Berufspädagogik/Berufsbildungsforschung der Universität Duisburg-Essen sowie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Deutschen Bank. Die Ergebnisse verweisen darauf, dass berufliche Bildung zur Entwicklung der Allgemeinbildung einen wesentlichen Beitrag leistet. Insofern lässt sich nicht nur theoretisch begründen, sondern auch empirisch zeigen, dass gelungene berufliche Aus- und Weiterbildung über reine Berufsbefähigung hinausgehen.
Marcel Walter

Kompetenzentwicklung in digitalisierten Lernwelten

Frontmatter

Die betriebliche Weiterbildung im Spannungsfeld von Persönlichkeits- und Personalentwicklung: Zukunftsmodelle der permanenten Bildungserneuerung?

Zusammenfassung
Dieser Beitrag skizziert zunächst die klassischen Herausforderungen des betrieblichen Bildungsmanagements sowie allgemeine Trends in der Weiterbildungsbranche als neue Ausgangspunkte für die Organisation von Lernen in Betrieben. Aus diesen Überlegungen heraus werden Entwicklungsoptionen für die betriebliche Weiterbildung aufgezeigt, um Modelle der permanenten Bildungserneuerung im Spannungsfeld von Personal- und Persönlichkeitsentwicklung zu entwerfen. Der Beitrag schließt mit einem Ausblick für die Neuorientierung des betrieblichen Bildungsmanagements sowie der gewerblichen Weiterbildungsanbieter. Die Autorin formuliert Zukunftsszenarien und Forschungsdesiderata.
Sabine Seufert

Lebenslanges Lernen im Kontext sozialer Medien: Chancen für formelles und informelles Lernen

Zusammenfassung
Das Internet entwickelt sich zunehmend zu einem Raum, der ganz selbstverständlich für Lernzwecke genutzt wird, nicht unbedingt als Ersatz für traditionelle Räume des Lernens face-to-face in Schulungen und Lehrgängen, aber in Kombination und Erweiterung traditioneller Angebote. Hiervon ausgehend diskutiert der Beitrag die Möglichkeiten sowie die Bedeutung des sozialen Lernens – des Lernens im Austausch mit anderen – im Zusammenhang mit formellen und informellen Lernangeboten. Nach einer begrifflichen Klärung des Begriffs „soziales Lernen“ arbeiten die Autoren auf der Grundlage von theoretischen Überlegungen und zahlreichen Praxisbeispielen relevante Mechanismen für den Lernerfolg in formalen, non-formalen und informellen Lernsettings heraus.
Michael Kerres, Tobias Hölterhof, Martin Rehm

Technology teaches Action: Ästhetische Erfahrungen hybrider Akteure – Überlegungen zur Formierung neuer Orientierungen Erwachsener in Auseinandersetzung mit der Stimmung neuer Medien

Zusammenfassung
Menschen und (neue) Medien bilden kollektive Handlungsstrukturen heraus, die allein in symmetrischen Beziehungen zu verstehen sind. Als grundlegend für diese Beziehungen herausgestellt wird in diesem Beitrag die Wahrnehmung und das Erleben dieser Beziehung durch den handelnden Menschen. Sowohl die Wahrnehmung als auch das Erleben sind existenzieller und ästhetischer Natur, was bedeutet, dass das Lernen mit neuen Medien und die dahinterliegenden Einstellungen von der „Stimmung“ jener Medien begleitet wird. In der Ästhetik der Medien liegt somit ein implizites Bildungspotenzial welches explizit gemacht werden sollte, um diese als Ressource der Bildung durch ästhetische Erfahrungen zugänglich(er) zu machen.
Marcus Elm

Lebenslanges Lernen im Kontext biografischer Entscheidungen

Frontmatter

Diskurse zur Krise von Beruf und Beruflichkeit

Zusammenfassung
Im Rahmen dieses Beitrags werden die von einschlägigen Vertretern der Berufs- und Arbeitsmarktsoziologie sowie der Berufspädagogik in den letzten 40 Jahren vorgebrachten Pro- und Kontra-Argumente zum Ende des Berufs vorgestellt und die jeweiligen Bezugsebenen der Diskussion herausgearbeitet. Dabei beziehen sich die Ausführungen insbesondere auf die Diskussionen zur Flexibilisierung beruflicher Bildung, zu den Auflösungstendenzen des Berufsprinzips durch abgeflachte betriebliche Hierarchien sowie zu den Einflüssen europäischer Berufsbildungspolitik. Vor dem Hintergrund der laufenden Initiativen zur Verzahnung der Berufs- und Hochschulbildung und der steigenden Studierenden- und Akademikerquoten werden außerdem gegenwärtig aufkeimende und zukünftig denkbare Akzentuierungen der Krisendebatten skizziert und damit Perspektiven ausgelotet, wie sich zukünftige Debatten zur Funktionalität des Berufs und der beruflichen Bildung darstellen könnten.
Anna Rosendahl, Manfred Wahle

Bildungsberatung als elementarer Baustein für erwachsenenbildnerische Professionalität

Zusammenfassung
Bildungsberatung in Weiterbildungseinrichtungen erfolgt überwiegend auf der Basis biografischer Erfahrungen und autodidaktischer Aneignungsprozesse des Beratungspersonals, aber nur selten durch eine entsprechende Professionalisierung. Von diesem Befund ausgehend beschäftigt sich die Autorin im ersten Teil des Beitrags mit den Aufgaben, Grenzen, Herausforderungen und Zielen der Bildungsberatung. Anschließend werden Ergebnisse verschiedener Forschungsprojekte zum Thema reflektiert, wobei die Autorin die Ausführungen auf Kurswahlberatung und Mentoring als spezielle Beratungsformate zuspitzt. Der Beitrag schließt mit einer Diskussion des Stellenwertes von Bildungsberatung unter den Bedingungen künftiger Entwicklungen der Weiterbildungslandschaft.
Anne Schlüter

Zum Wechselverhältnis von Leben und Lernen – Lebenslanges Lernen und die Erträge der Biografieforschung

Zusammenfassung
Der Beitrag bezieht Erträge der Biografieforschung aus dem Blickwinkel der Erwachsenenbildung auf das Konzept des Lebenslangen Lernens. Dazu umreißt die Autorin eingangs mit kritischem Bezug zum Schlagwort Beschäftigungsfähigkeit, wie das Lebenslange Lernen in der Erwachsenenbildung thematisiert wird, bevor sie die wechselseitige Beziehung zwischen Leben und Lernen in den Blick rückt und für die Relevanz der Biografieforschung für die Erwachsenenbildungsforschung argumentiert. Auf dieser Basis werden dann Ergebnisse eines biografieanalytischen Forschungsprojektes skizziert, um die Erträge der Biografieforschung für das Feld der Erwachsenenbildung zu veranschaulichen. Der Beitrag schließt mit einer Betrachtung zur Relevanz der Biografieforschung für das Konzept des Lebenslangen Lernens.
Nicole Justen

Beschäftigungslagen auf dem segregierten Arbeitsmarkt der Weiterbildung

Zusammenfassung
Der Beitrag fokussiert prekäre Beschäftigungsverhältnisse im Weiterbildungsbereich. Dabei erfolgt zunächst eine analytische Zerlegung des Weiterbildungsbereichs in drei Teilsegmente und des Weiterbildungspersonals in vier Beschäftigungstypen. Im Anschluss werden vier Dimensionen der Beschäftigungsprekarität (Einkommen, soziale Absicherung, Beschäftigungssicherheit und eigene Weiterbildungsaktivität) zugrunde gelegt, um auf der Basis eines quantitativ erhobenen Datensatzes die Prekaritätsverhältnisse in den verschiedenen Weiterbildungssegmenten und Beschäftigungstypen differenziert offenlegen zu können. Vertiefend wird dabei der Blick auf die Erziehungswissenschaftler/-innen gelenkt, um ihre Beschäftigungssituation im Vergleich zu anderen Absolventinnen und Absolventen zu untersuchen. Es wäre verkürzt, das Beschäftigungsfeld der Weiterbildung gänzlich als prekär zu bezeichnen. Mit Ausnahme der Weiterbildungsaktivitäten des Weiterbildungspersonals eröffnet sich indes eine doppelte Schere zwischen den Weiterbildungssegmenten und zwischen den Beschäftigungstypen. Erziehungswissenschaftler/-innen können im Weiterbildungsbereich vergleichsweise sichere und einkommensstarke Positionen besetzen.
Julia Alfänger, Robert Cywinski, Arne Elias, Rolf Dobischat
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