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28-07-2021 | Leitzins | Im Fokus | Article

Märkte brauchen klare Signale der EZB

Author: Barbara Bocks

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Jüngst hat der EZB-Rat das mittelfristige Inflationsziel festgelegt. An ihrer Niedrigzinspolitik wird die Zentralbank auf absehbare Zeit nicht rütteln. Unter anderem wollen die Sparkassen eine Entlastung bei den Negativzinsen auf Bankeinlagen.

Am 22. Juli 2021 hat sich der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) auf ein Inflationsziel von mittelfristig zwei Prozent verständigt und seine Forward Guidance zu den Zinssätzen geändert. Die EZB will die Leitzinsen so lange auf ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau belassen, bis die Inflation zwei Prozent erreicht und dort auf absehbare Zeit bleibt oder auch vorübergehend moderat über diesem Zielwert liegt. Das ist ein Novum, denn zuvor war als Vorbedingung für eine Zinserhöhung von Inflationsaussichten von "nahe, aber unter zwei Prozent" die Rede. Aktuell geht das Institut davon aus, dass die Ankäufe im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms (Pandemic Emergency Purchase Programme, kurz PEPP) während des laufenden Quartals deutlich umfangreicher ausfallen werden als in den ersten Monaten dieses Jahres.

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Infl ation ist ein Konstrukt. Sie wird von unterschiedlichen Akteuren unterschiedlich wahrgenommen. Zum Teil passiert dies, weil Warenkörbe differieren, zum Teil weil
Erwartungen unterschiedlich gebildet werden. Dieser Beitrag diskutiert die Heterogenität der Inflation und ihrer Wahrnehmung und was dies für die Zielgröße der Zentralbankpolitik bedeutet.

"Während die Risiken neuer Infektionswellen offenbar stark beachtet werden, ist das Interesse für die unverkennbaren Signale einer beginnenden Überhitzung von Teilen der Wirtschaft gering", kommentiert Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft am ZEW Mannheim, die Entwicklung in einem aktuellen Statement. "Geldpolitisch sollte eigentlich der fast schon dramatische Anstieg der Produzentenpreise genauso sorgfältig beachtet werden wie die Pandemie-Entwicklung", führt der Experte aus. Heinemann sieht "Anzeichen dafür, dass die Inflation in der Zielfunktion der EZB mit der neuen Strategie an Gewicht verloren hat".

Der Krise folgt nicht automatisch die Inflation

Aus Sicht von Peter Bofinger müssen die Programme der Notenbanken gegen die Folgen der Corona-Pandemie nicht zwangsläufig in einer höheren Inflation münden. Warum, das erläutert er in seinem Beitrag "Kommt nach der Corona-Krise die Inflation?" aus der November-Ausgabe der Zeitschrift "Wirtschaftsdienst". Der Rückblick auf die Finanzkrise und auch auf die Eurokrise zeigten, dass die damals weitverbreiteten Inflationsszenarien nicht eingetreten sind. Bei dem noch vergleichsweise kurzen Erfahrungshorizont mit der Corona-Pandemie ist es aus Bofingers Sicht zudem "nicht einfach, die davon möglicherweise ausgehenden inflationären Impulse angemessen zu beurteilen".

Heinemann geht nach der Sitzung des EZB-Rates davon aus, dass die Null- und Negativzinsen bis mindestens 2023 weiter bestehen bleiben. Das sieht Reinhold Rickes, Leiter Volkswirtschaft beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV), ähnlich. Er erläutert gegenüber Springer Professional, "dass ein Ende der Sondermaßnahmen und ihrer ultra-expansiven Geldpolitik damit noch lange auf sich warten lassen und Leitzinsänderungen in weite Ferne rücken".

Notfallprogramme zurückschrauben

"Europas Konjunktur läuft nach den harten Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie allmählich wieder an", sagt Rickes. Wenn der Erholungsprozess in der zweiten Jahreshälfte 2021 anhält und ein Bruttoinlandsprodukt auf Vorkrisenniveau Anfang 2022 erreichbar wird, müsse die EZB im Laufe des Jahres klare Signale an die Märkte senden, wie sie mit den Sonderaufkaufprogrammen im Jahr 2022 umgehen will. "Es gilt, die Notfallprogramme geschickt zurückzuführen, wenn die Corona-Krise überwunden ist", so der DSGV-Experte.

Auch Kreditinstitute befinden sich aktuell in einer schwierigen Situation. "Die Konditionen der gezielten langfristigen Refinanzierungsgeschäfte (GLRG/TLTRO III), scheinen generös, insgesamt mindern sie aber nur teilweise die Belastungen der Kreditwirtschaft durch die Niedrigzinssituation", sagt Rickes. Die Kunden würden den Sparkassen nach wie vor viel Geld zur Verwahrung geben, die diese jedoch kaum mehr rentierlich anlegen können. Sinnvoller als eine Bezuschussung in den Langfristtendern wäre aus Sicht von Rickes, wenn die EZB den Freistellungsfaktor erhöhen würde, der Einlagen der Kreditinstitute bei der Bundesbank von den Negativzinsen ausnimmt.

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