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17-08-2021 | Lieferkettenmanagement | Gastbeitrag | Article

Digitalisierung schafft mehr Wettbewerb in Lieferketten

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Autor: Enno Arne Lückel, VP Sales bei Scoutbee

Nur durch Wettbewerb auf dem globalen Zulieferermarkt können Unternehmen ihre Lieferketten für die Zukunft rüsten, sie widerstandsfähiger und nachhaltiger aufstellen. Doch die Datenarmut in der Beschaffung verhindert jede Konkurrenzsituation. Digitalisierung ist die Lösung.

Unternehmen rund um den Globus restrukturieren derzeit ihre Lieferketten – teils freiwillig, teils gezwungenermaßen. Es geht um Krisenresistenz, Innovationsfähigkeit und Nachhaltigkeit. Dieser sprichwörtliche 'Wind of Change' hat mehrere Gründe. Der offensichtlichste ist die Corona-Krise.

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Resiliente Lieferketten in der VUCA-Welt

Supply Chain Management für Corona, Brexit & Co.

Krisen beschäftigen Supply Chain Manager immer wieder. Doch Komplexität und Ausmaß haben sich durch Corona, Brexit oder Klimawandel spürbar erhöht. Flexibilität und Agilität sind ebenso gefragt wie Widerstandsfähigkeit und Stabilität.

Die Pandemie hat die mangelnde Stressresistenz sowie Problemstellen der global vernetzten Lieferketten schonungslos offengelegt: zu dünne Lieferanten-Netzwerke, wenige Schlüssellieferanten, Fokussierung auf eine Region. Beispielhaft steht Wuhan als Zentrum der Automobilzulieferer als fragiles und störungsanfälliges Gebilde für Konzerne aus aller Welt. 

Das Beratungsunternehmen McKinsey prognostiziert, dass branchenübergreifende Krisenereignisse, mit monatelangen negativen Auswirkungen auf die globalen Warenströme, durchschnittlich alle dreieinhalb Jahre auftreten werden. Kleine oder lokale Krisen wie Naturkatastrophen, Handelsbeschränkungen oder Fabrikbrände sind in dieser Statistik noch gar nicht eingepreist. Resiliente Lieferketten betreffen daher alle Firmen.

Zulieferer müssen Geschäftsmodelle ändern

Das nahende Ende des Verbrenners oder fossiler Brennstoffe, die Digitalisierung, der Aufstieg nachhaltiger Technologien wie Photovoltaik, Handelskriege oder neue Freihandelszonen zwingen ganze Branchen, ihre Lieferketten und ihr Geschäftsmodell zu überdenken. Innovative Beschaffung wird zukünftig eine weitaus größere Rolle spielen. Flexible Lieferketten mit Zulieferern, die jederzeit auf dem neuesten Stand der Technik sind, sind bald das A und O, um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu bleiben.

Zu guter Letzt zwingen neue Standards wie das Lieferkettengesetz Unternehmen zu Veränderungen entlang ihrer Produktionsketten. aber auch andere Länder nehmen Unternehmen verstärkt für ihre soziale und Umweltverantwortung in die Pflicht. 

Beschaffungsteams bei Lieferketten im Blindflug

Der globale Zulieferermarkt ist derzeit oft eine Black Box. Selbst für große Unternehmen endet der Einblick in die Supply Chain mit den direkten Zulieferern. 80 Prozent der Entscheidungen pro oder contra eines Lieferanten werden auf Basis unvollständiger Informationen getroffen. Grund für diese Intransparenz ist die anhaltende Datenarmut im Beschaffungswesen. Viele Einkäufer wissen schlicht nichts über Alternativen. Die Kurzsicht des strategischen Einkaufs hat über Jahre in diesen Blindflug geführt.

Viele Unternehmen sahen Beschaffungsteams als reine Service-Center. Lieferanten wurden bei Bedarf gesucht. Das war der Key Performance Indicator der Einkäufer, oft strikt projektorientiert, mit klarem Anfangs- und Endpunkt. Kontinuierliches, proaktives Scouting von Lieferanten existierte in vielen Unternehmen nicht. Zudem fehlten Ressourcen und Tools zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben in der Beschaffung. Unterinvestitionen verschleppten die Digitalisierung des Einkaufs. Und so ist das Scouting neuer Lieferanten im Jahr 2021 weitestgehend ein manueller Prozess, der 45 Prozent der Arbeitszeit eines Einkäufers frisst.

Wettbewerb im Lieferantenmarkt durch Datenvielfalt

Es braucht daher digitale Tools, um mehr Transparenz und Wissen über den Lieferantenmarkt zu generieren, über Preise, Produktionsbedingungen oder Innovationen. Denn nur mittels Wettbewerb bauen Unternehmen resiliente, flexible, transparente und nachhaltige Lieferketten auf. Software und Künstliche Intelligenz automatisieren die Recherche, screenen und sammeln Lieferantendaten in kurzer Zeit - zugeschnitten auf die Bedürfnisse eines Unternehmens. Nur so wird eine umfangreiche Vergleichsgrundlage geschaffen, die auch Produktionsbedingungen, Arbeitsstandards und Umweltfaktoren berücksichtigen. 

Auswahl, die neue Währung im Supply Chain Management

Die Zeit der reinen Preisfokussierung bei der Lieferantenwahl ist vorbei. Fortan geht es neben dem Preis auch um Flexibilität, Resilienz und Nachhaltigkeit. Die Vorteile der Digitalisierung im Einkauf sind:

  • Aufbau diversere Lieferanten-Netzwerke,
  • Weniger Abhängigkeit von wenigen Lieferanten,
  • Lieferengpässe können leichter kompensiert werden,
  • Bedarfe lassen sich weltweit verteilen,
  • Lokale Krisenereignisse legen nicht ganze Branchen lahm,
  • Innovationen von relevanten Zulieferern weltweit, sind sichtbarer.

Und nicht zu vergessen steigt die Verhandlungsmacht und der Preisdruck der Einkäufer durch den Zugewinn an Wettbewerbsinformationen. Denn bislang hielten die Lieferanten alle Trümpfe in der Hand. Der Umstieg auf einen neuen Zulieferer dauerte Monate, wenn überhaupt eine Alternative ermittelt werden konnte. So gelang es einem Automobilkonzern nach über 40 Jahren den Lieferanten für Warnwesten zu wechseln und somit 25 Prozent der Kosten einzusparen.

Wettbewerb und Wissen sind im Supply Chain Management der heilige Gral. Und bitter nötig: Denn Unternehmen müssen ihre Lieferketten in den kommenden Jahren umstrukturieren. Ohne den Wettbewerb und die Datenvielfalt ist dies kaum möglich. Wir brauchen dringend mehr Wettbewerb im Beschaffungswesen – und die digitalen Hilfsmittel, um diesen zu erzeugen.

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