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15-07-2022 | Lieferkettenmanagement | Gastbeitrag | Article

So macht Digitalisierung die Supply Chain resilienter

Author: Maximilian Kissel

3:30 min reading time
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Immer häufiger kämpft die Industrie mit unterbrochenen Lieferketten. Dazu kommen Rohstoffmangel und steigende Energiepreise. Wie gelingt es da, auch im Falle einer Krise lieferfähig zu bleiben?
 

Kaum war die Wirtschaft auf dem Weg, sich von der Pandemie zu erholen, befinden wir uns mitten in der nächsten Krise. Vor allem global vernetzte, produzierende Unternehmen spüren die Auswirkungen. Sie stehen jetzt vor der Herausforderung, den Schaden zu begrenzen, der durch die gestörte Supply Chain entsteht. Doch das ist leichter gesagt als getan. Oft ist es nicht möglich, betroffene Lieferanten schnell durch andere zu ersetzen. Denn um Kosten zu senken, betreiben viele Unternehmen seit Jahren Single Sourcing, sodass hohe Abhängigkeiten entstanden sind.

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In dieser neuen geopolitischen Lage fordert Gunther Friedl, Wirtschaftswissenschaftler an der TU München, ein radikales Umdenken von allen Unternehmen: "Statt Single Sourcing und Just-in-Time-Konzepten müssen Unternehmen nun auf Resilienz setzen. Das funktionierte nur, wenn Unternehmen ihr Produktportfolio genau kennen und vollständige Transparenz über ihre Wertschöpfungsketten und Lieferantenbeziehungen haben. Das ist eine strategische Mammutaufgabe."

Lieferkettenresilienz erfordert Transparenz

Transparenz über Abhängigkeiten im gesamten Produktportfolio zu gewinnen, ist die Voraussetzung sowohl für die akute Krisenbewältigung als auch für eine künftige resiliente Aufstellung der Supply Chain. Um in der aktuellen Situation die richtigen Entscheidungen zu treffen, müssen Unternehmen genau wissen, welche Kundenbestellungen von der Krise betroffen sind:

  • Wo werden zum Beispiel besonders viele Komponenten aus der Ukraine verbaut? 
  • Welche Produkte sind ausgesprochen energieintensiv und daher stark von den steigenden Energiepreisen betroffen? 
  • Was zählt zum kritischen Kerngeschäft? 
  • Wo lohnen sich Lagerbestände mit höherer Reichweite? 

Wer die Antworten auf diese Fragen kennt, kann Ressourcen auf die lukrativsten Aufträge fokussieren und dort sparen, wo es am wenigsten wehtut.

Viele Unternehmen versuchen gerade fieberhaft, solche Fragen für einzelne Komponenten zu beantworten und die Auswirkungen der akuten Lieferantenausfälle zu bewerten. Doch herkömmliche Business Intelligence Tools stoßen an ihre Grenzen, wenn es darum geht, Abhängigkeiten zwischen Lieferanten, Bauteilen, Produkten und Kundenbestellungen über das gesamte Produktportfolio bis ins Detail zurückzuverfolgen und übersichtlich darzustellen. 

Gerade in einem großen Portfolio sind die Beziehungen hochkomplex, sodass sie sich mit Bordmitteln nur in langwieriger, mühevoller Arbeit erfassen lassen. Das führt häufig dazu, dass Unternehmen in der Krise nicht wissen, wo sie zuerst anpacken sollen. Aufgrund zu hoher Komplexität und mangelnder Transparenz treffen sie entweder gar keine oder die falsche Entscheidung. Beides ist gefährlich und kann am Ende zu Kollateralschäden führen, die das initiale Problem noch überschreiten.

Abhängigkeiten sichtbar machen

Gefragt sind also Lösungen, die sämtliche Abhängigkeiten im Produktportfolio auf Knopfdruck transparent machen und übersichtlich in einem Dashboard darstellen. Möglich wird das mithilfe von Datenanalysen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Anhand von Enterprise Resource Planning (ERP) und anderen vorhandenen Daten können fortschrittliche Tools ein Enterprise Digital Twin des Unternehmens errechnen. Das Modell lässt sich auf komplexe Muster durchsuchen und kann Auswirkungen von Ereignissen simulieren. Dadurch sind Unternehmen schnell in der Lage, richtig zu priorisieren und wirksame Maßnahmen abzuleiten.

Für den künftigen Geschäftserfolg sollten Unternehmen das Thema Lieferkettenresilienz langfristig strategisch angehen und dabei einen produktzentrischen Ansatz fahren. Denn das Produktportfolio ist der Dreh- und Angelpunkt für die Lieferfähigkeit und den Geschäftserfolg. Hier laufen alle Fäden zusammen. Die zentrale Frage lautet: Welche Produkte sind potenziell von Lieferkettenproblemen betroffen und wie lassen sich Produktportfolio und Lieferantenbasis so optimieren, dass die Kernprodukte sicher produziert und die Kernkunden zuverlässig beliefert werden können? Bisher fokussieren die meisten Unternehmen auf das Thema Prozessoptimierung. Noch besser wäre es aber, eine Ebene tiefer, also direkt an den Produkten, anzusetzen. Denn bevor man sich mit dem "Wie" befasst, sollte man erst das "Was" klären. Sonst optimiert man vielleicht Prozesse für Produkte, die man gar nicht braucht.

Ein produktzentrischer Ansatz ist gefragt

Produzierende Unternehmen müssen das Risiko für Lieferkettenprobleme reduzieren und auch in Krisen lieferfähig bleiben. Dafür brauchen sie eine produktzentrische Strategie: Wer mithilfe eines Enterprise Digital Twin-Transparenz über die Abhängigkeiten in der gesamten Wertschöpfungskette gewinnt und dabei die Produkte in den Mittelpunkt stellt, kann faktenbasierte Entscheidungen treffen, um sich zukunftssicher aufzustellen.

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