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10-06-2022 | Liquidität | Gastbeitrag | Article

Instrumente für ein krisenfokussiertes Kostenmanagement

Author: Marion Gutheil

4:30 min reading time
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Bereits ein Vierteljahr dauert der Krieg in der Ukraine nun an, der deutsche Unternehmen deutliche Auswirkungen auf die eigene wirtschaftliche Entwicklung spüren lässt. Doch Unternehmen haben Stellschrauben im Vertrags- und Kostenmanagement, an denen sie drehen können. 

Weiter erhöhte Energiepreise, fehlende Gaslieferungen, ausfallende Lieferanten aus Bereichen außerhalb des Energiesektors und wegfallende Absatzmärkte in Russland und der Ukraine sind nach einer Umfrage des Institutes der deutschen Wirtschaft aus dem Frühjahr 2022 die wesentlichen Belastungen durch den völkerrechtswidrigen Angriff Russlands.

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Finanz-Controlling: „Homo sine pecunia est imago mortis“ (Oder: Wege zur Sicherstellung der Liquidität und damit der Handlungsfähigkeit von Unternehmen)

Dem Finanz-Controlling kommen drei Aufgaben zu: Kurzfristig optimiert es den Ressourceneinsatz, in Krisenzeiten häufig als "Retten über Durststrecken". Mittelfristig steht die Planung und Koordination der erwarteten Ressourcenzuflüsse im Fokus. Langfristig unterstützt es schließlich Finanzierungsentscheidungen, die strukturell das ökonomische Fundament für den unternehmerischen Handlungsspielraum schaffen. 

Fehlen Zulieferprodukte, steht die Produktion still. Davon betroffen ist nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch dessen Lieferant. Bis zum 30. Juni 2022 steht mit dem erleichterten Zugang zur Kurzarbeit noch ein gutes Mittel bereit, um Personalkosten zu reduzieren. Bereits wenn mindestens zehn Prozent der Mitarbeiter vom Arbeitsausfall betroffen sind, können Unternehmen das Kurzarbeitergeld beantragen. Ob diese Voraussetzungen vorliegen, sollte das Unternehmen zur Personalkostenentlastung immer prüfen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob der Gesetzgeber die erleichterten, aus der Corona-Krise stammenden Regelungen verlängern wird.

Rückverbürgte Kredite bei kriegsbedingten Finanzproblemen

Weitere staatliche Unterstützung bietet das neue Förderprogramm UBR (Ukraine, Belarus, Russland) der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Unternehmen, die am 31. Dezember 2021 nicht in finanziellen Schwierigkeiten waren, haben die Möglichkeit, ein Darlehn, das über die KfW mit bis zu 80 Prozent rückverbürgt wird, von ihrer Hausbank zu erhalten.

Das Programm ist zunächst bis zum Jahresende befristet. Anders als bei den Hilfen zur Pandemiezeit sind die Zugangsvoraussetzungen allerdings höher und das Volumen ist geringer. Nichtsdestotrotz sollten Unternehmen, denen aufgrund des Angriffskrieges Umsatzrückgänge bei Geschäften mit der Ukraine, Belarus oder Russland drohen, die Produktionsausfälle erleiden oder gar Produktionsstätten schließen müssen, über diese Art der Schaffung von Liquidität nachdenken. Hilfen gibt es auch, wenn Rohstoffe aus der Ukraine, Belarus oder Russland fehlen. Letztlich können auch gestiegene Energiekosten einen Antrag begründen, wenn der Energiekostenanteil in 2021 mindestens drei Prozent des Jahresumsatzes betrug. 

Zahl ich mehr, zahlst Du mehr

Steigende Energiepreise, Verteuerung von Rohstoffen und anderen Produkten aufgrund von Verknappung, steigende Personalkosten aufgrund des erhöhten Mindestlohns und des Fachkräftemangels - all dies sind Faktoren, die Unternehmen finanziell nachhaltig belasten und die Kosten in die Höhe schnellen lassen. 

Im Sinne des Unternehmers ist es, diese gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben. Doch bei Verträgen nach einer öffentlichen Ausschreibung braucht man über diese Möglichkeit gar nicht erst nachzudenken. So fällt dem Gastronomen, der nur die Preise auf seiner Speisekarte anheben muss, um steigende Kosten für Lebensmittel, Energie und die Entlohnung der Angestellten weiterzuberechnen, eine Preisanpassung deutlich leichter als etwa dem Transportunternehmer, der über langfristige Verträge gebunden ist.

Preiserhöhungen sind im letzten Fall ohne den Goodwill des Vertragspartners nur möglich, wenn der Vertrag sogenannte Preisgleitklauseln enthält, die es dem Unternehmer etwa bei erhöhten Rohstoffpreisen ermöglichen, diese an den eigenen Kunden weiterzuberechnen. Auch sollten bestehende Verträge auf kurzfristige Kündigungsmöglichkeiten hin untersucht werden: besser kein Geschäft als ein unrentables. Werden neue Verträge abgeschlossen, empfiehlt es sich, Preisgleitklauseln oder kurzfristige Kündigungsmöglichkeiten immer aufzunehmen. 

Steigenden Logistikkosten kann ein Unternehmen auch dadurch begegnen, dass es seine Produkte zukünftig "ab Werk" anbietet. Werden Angebote abgegeben, können diese mit Verweis auf die volatilen Rohstoffpreis nur noch als "freibleibend" gekennzeichnet werden und sind somit zum Zeitpunkt ihrer Abgabe nicht rechtlich bindend. Nachdenken sollten Unternehmer auch über eine Befristung des eigenen Angebotes: Nur solange der Vorlieferant einen Preis garantiert, fühlt sich der Unternehmer gegenüber seinem Kunden an das eigene Angebot gebunden. 

Alternative zu steigenden Absatzpreisen: sinkende Kosten

Ist es nicht möglich, gestiegene Kosten weiterzugeben, ist der Weg zurück zur Rentabilität der, diese zu reduzieren. Es empfiehlt sich, gerade in Krisenzeiten das eigene Unternehmen auf den Prüfstand zu stellen und umfassend Einsparpotential zu identifizieren. 

  • Ist es wirklich sinnvoll, ein Produkt in zig Varianten anzubieten oder akzeptiert der Markt auch die Reduzierung des Portfolios auf die gängigen Modelle? 
  • Ist es ratsam, alles im eigenen Haus anzubieten oder macht die Vergabe an Dritte Sinn, als make or buy? 
  • Wird mit einem Produkt überhaupt Geld verdient oder legt das Unternehmen drauf? Ist Letzteres der Fall: Werden die Kunden die Einstellung akzeptieren oder gehen sie verloren? 
  • Ist die Investition in die Digitalisierung bestimmter Prozesse sinnvoll und finanziell möglich?

Einkaufsverbank macht Unternehmen stark

Letztlich kann auch der Anschluss an einen Einkaufsverband gerade für kleine und mittelständische Unternehmen sinnvoll sein. Denn deren Verhandlungsposition gegenüber starken Lieferanten ist häufig schwach und sie können aufgrund ihrer geringeren Abnahmemengen Preisvorteile von Großkunden nicht nutzen. Geeignet ist dies insbesondere für Standardartikel mit wiederkehrenden Bedarf, weniger für sehr spezifische Produkte. Allerdings hat die Einkaufskooperation auch eine Kehrseite: Direkte Mitbewerber können Einblicke in Einkaufsvolumen und -prozesse erhalten. Hier müssen Entscheider Nutzen und Risiken genau abwägen.

Um die durch den Ukraine-Krieg entstandenen finanziellen Herausforderungen erfolgreich zu meistern, gilt es, Risiken frühzeitig zu identifizieren und rechtzeitig gegenzusteuern. Gibt es dauerhaft keine Lösung, sollte auch der Weg über die Sanierung mittels eines Restrukturierungs- oder Insolvenzverfahren nicht außer Betracht gelassen werden. Immerhin eröffnet sich dadurch eine Chance, das eigene Unternehmen zu erhalten.

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