Skip to main content
main-content
Top

27-08-2020 | Logistik | Im Fokus | Article

Deutsche Unternehmen vergessen das Lieferantenmanagement

Author: Anne Steinbach

3:30 min reading time
share
SHARE
print
PRINT
insite
SEARCH

Was ist eigentlich wichtig in der Zusammenarbeit mit Lieferanten? Eine Frage, die sich viele deutsche Firmen öfter stellen sollten. Eine Studie zeigt auf, wie Lieferantenmanagement in Deutschland funktioniert – oder eben nicht.

Die Ergebnisse der weltweiten Studie der beiden Beratungsfirmen Ivalua und Forrester Consulting zeigen klar, dass deutsche Unternehmen das Lieferantenmanagement schlichtweg verschwitzt haben. 425 Entscheidungsträger aus den Bereichen Finanzen, Beschaffung, Vertrieb und Supply Chain Management wurden zur aktuellen Zusammenarbeit im Beschaffungswesen befragt. Herausgekommen sind erschreckende Ergebnisse.

Editor's recommendation

2019 | Book

Beschaffungsmanagement

Erfolgreich einkaufen mit Power in Procurement

Um sich auf den Weltmärkten erfolgreich positionieren zu können, agieren moderne Industrie- und Handelsbetriebe in dynamischen Wertschöpfungsnetzwerken. Ihre Fähigkeit, unterschiedliche Kernkompetenzen verbinden und in Produktangebote mit Mehrwert integrieren zu können, macht sie im Wettbewerb stark.

Gezieltes Lieferantenmanagement senkt Kosten

"Lieferantenmanagement bedeutet die proaktive Gestaltung aller Lieferantenbeziehungen des Unternehmens über alle Bereiche mit dem Ziel, durch bessere Zusammenarbeit mit direkten Lieferanten (aber auch Vorlieferanten) Produkte oder Dienstleistungen besser, schneller und zu niedrigeren Kosten zu entwickeln, zu beschaffen und herzustellen", erklärt Springer-Autor Mario Büsch im Buchkapitel "Hebel: Lieferantenmanagement und Kooparationen" aus dem Buch "Fahrplan zur Transformation des Einkaufs" (Seite 230).

Laut der Ivalua-Studie haben gerade einmal die Hälfte aller deutschen Unternehmen eine Strategie für ihr eigenes Lieferantenmanagement. Das könnte vor allem daran liegen, dass grundsätzlich nur 38 Prozent der befragten Unternehmen das Beschaffungswesen als wirklich wichtigen Geschäftsbereich ansehen. Gleichzeitig sind 80 Prozent der Umfrageteilnehmer überzeugt, dass vor allem innerhalb der Beschaffung die Digitalisierung um Längen beschleunigt werden muss.

Der Wunsch nach Supplier-Optimierung

Auffällig ist, dass ein Großteil der befragten Unternehmen zwar die Zusammenarbeit mit den meisten strategischen Lieferanten (90 Prozent) und deren breiteren Lieferantenbasis (91 Prozent) verbessert hat, jedoch dabei wenig bis gar nichts an Optimierungen spürbar wird. Vor allem einen fehlenden Mechanismus für die Koordination aller Beteiligten (Finance, IT, Zulieferer) zusammenzuarbeiten, kritisieren die Befragten immer wieder als großes Manko.

Auch wenn die Zusammenarbeit mit Lieferanten bisher anscheinend eher unwichtig war, sind sich die befragten Experten zu 77 Prozent sicher, dass sich eben dieser Prozess verbessern sollte. Dabei wünschen sich die Experten vor allem, die soziale Verantwortung der Unternehmen (41 Prozent) zu steigern, die Gewinnspannen (38 Prozent) zu erhöhen und das Innovationstempo zu beschleunigen (36 Prozent).

Laut Springer-Autorin Sabine Ebner ist es jedoch vor allem wichtig, eine gewisse Transparenz innerhalb des Lieferantenmanagements zu schaffen. "Im täglichen Betrieb ist eine Bestandstransparenz innerhalb jedes einzelnen Unternehmens sinnvoll, jedoch in kritischen Situationen, beispielsweise bei Versorgungsengpässen, ist diese Transparenz innerhalb eines Unternehmens des Öfteren nicht mehr gegeben und kann noch weniger zu den vor- bzw. nachgelagerten Lieferanten aufrechterhalten werden", erklärt sie im Buchkapitel "Digitalisierung von Bestandsketten im Lieferantenmanagement" aus dem Buch "Geschäftsmodelle in der digitalen Welt" (Seite 727).

Lieferanten als Partner betrachten

Das Problem dabei ist jedoch weiterhin der Kostenpunkt. "Die meisten Beschaffungsabteilungen sind bereits dabei, die Zusammenarbeit mit ihren Zulieferern zu verbessern. Deren Auswahl wird jedoch nach wie vor stark von Kosten dominiert. Zudem haben viele Unternehmen noch immer Mühe, die Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten strategisch auszurichten", erklärte Alex Saric, Experte für intelligente Beschaffung bei Ivalua. "Unternehmen müssen in der Lage sein, mit dem stetig wachsenden Innovationstempo Schritt zu halten und besser auf Veränderungen und Krisen wie Covid-19 zu reagieren. Sie sollten deshalb stärkere Beziehungen zu ihren Partnern aufbauen und sich als Kunde der Wahl etablieren. Gelingt dies nicht, riskieren sie erhebliche Wettbewerbsnachteile, da sich Zulieferer immer öfter aussuchen können, mit wem sie bevorzugt zusammenarbeiten wollen."

Mehr Transparenz für Lieferketten

Laut der Studie wünschen sich die Experten, dass in Zukunft Leistungsziele aufgestellt werden, um der Zusammenarbeit mehr Gewicht zu geben (76 Prozent). Gleichzeitig möchten 63 Prozent der befragten Unternehmen in Technologien investieren, die wiederum einen besseren Informationsaustausch mit den Zulieferern ermöglichen.

Im Zuge der Studie wurden auf Lieferanten befragt, von denen 88 Prozent angaben, dass die Hauptfaktoren, die ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit und zum Austausch von Innovationen mit einem bestimmten Kunden erhöhen, die Transparenz von Zahlungen sowie deren Pünktlichkeit sei. Die Digitalisierung ist entscheidend, um die dafür notwendige Zahlungseffizienz, Transparenz und Kontrolle sicherzustellen.

"Es liegt auf der Hand, dass Unternehmen ihre Beschaffungsprozesse digitalisieren müssen, um eine tiefere Zusammenarbeit über einen größeren Teil ihrer Lieferantenbasis hinweg zu sicherzustellen. Wenn dies gelingt, können sie Lieferkontinuität sicherstellen, Innovationen von Lieferanten besser nutzen und ihre strategischen Aktivitäten besser voranbringen", sagt Alex Saric.

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier

Related topics

Background information for this content

Related content

Premium Partner