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04-11-2015 | Management + Führung | Im Fokus | Article

Führung à la Netflix und Thomas Tuchel

Was treibt meine Mitarbeiter an?, ist eine Frage, auf die Führungskräfte eine Antwort haben sollten. Denn nur so können sie Rahmenbedingungen schaffen, in denen sich Angestellte wohlfühlen. Eine Kolumne von Irg Torben Bührer.

Für Führungskräfte ist es heutzutage erfolgskritisch, nicht nur die eigenen persönlichen Ziele, sondern ebenso die der Mitarbeiter zu kennen. So verschieden die Persönlichkeiten der Mitarbeiter sind, so verschieden sind deren Bedürfnisse. Nicht immer ist der hohe Bonus das Ziel. Vergütung ist zwar die Grundlage für gute Mitarbeit und Zusammenarbeit, "aber mehr Geld führt nicht unbedingt zu mehr Motivation und Leistung“, meint beispielsweise Katharina Heuer, Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Gesellschaft für Personalführung.

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Oftmals spielen weiche Faktoren, wie ein gutes Arbeitsklima basierend auf Vertrauen, eine viel wichtigere Rolle für die individuelle Leistung. Das US-Unternehmen Netflix hat dies erkannt und orientiert sich deshalb – auch vor dem Hintergrund zunehmender Komplexität – an den Prinzipien der Selbstorganisation, die auf Vertrauen basieren. Damit solch ein System der Selbstorganisation in der Praxis funktioniert, ist ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Eigeninitiative der handelnden Personen unerlässlich. Beides ist wiederum nur möglich, wenn ein Bewusstsein für die eigenen Ziele vorhanden ist. Die Führungskraft hat dabei die Aufgabe, die Zielerreichung der Teammitglieder im Sinne des Unternehmens zu fördern.

Mitarbeiter brauchen persönliche Ziele

Um zu verdeutlichen, welch positiven Einfluss und Bedeutung Ziele grundsätzlich haben, hilft ein Blick auf außergewöhnliche Leistungen. Die Bergsteigerin Heidi Sand erhielt im Jahr 2010 die Diagnose Darmkrebs. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie auf Berge mit einer Höhe um die 6.000 Meter gestiegen. Als sie die niederschmetternde Diagnose bekam, setzte sie sich das herausragende Ziel, den Mount Everest zu besteigen. Dieses Ziel hat ihr in der Folge so viel Kraft gegeben und Energie freigesetzt, nicht nur den Krebs zu besiegen, sondern bereits eineinhalb Jahre später tatsächlich auf dem Gipfel des höchsten Berges der Erde zu stehen. In der Folge stand sie auf zwei weiteren 8.000ern (unter anderem als erste deutsche Frau auf dem Makalu) und profitiert sowohl gesundheitlich als auch in Punkto Leistung von der Formulierung und Verfolgung ihrer persönlichen Ziele.

Besondere Leistungen sind meistens damit verbunden, tief verwurzelte persönliche Ziele erreichen zu wollen. Unzweifelhaft besteht auch eine enge Verbindung zwischen Selbstmotiviertheit, dem eigenen Wohlbefinden und damit der individuellen Gesundheit. Wer sich der eigenen Ziele bewusst und in der Lage ist, diese verfolgen zu können, wird gesundheitlich davon profitieren. Wer jedoch im Unklaren über seine persönlichen Ziele ist, wird tendenziell eher Schwierigkeiten haben, eine Zufriedenheit in der eigenen Tätigkeit zu finden. Die Folge: langfristig negative Auswirkungen auf die eigene Gesundheit.

Führungskräfte sind auch Feelgood Manager

Da sich moderne Führungskräfte nicht mehr nur isoliert die Frage stellen, wie die Leistung der eigenen Mitarbeiter optimiert wird, sondern ebenfalls verstärkt die Gesundheit und das Wohlbefinden der Belegschaft im Auge haben, geraten Aspekte wie persönliche Zielsetzung, Vertrauen und Optimierung der Rahmenbedingungen für die Teammitglieder immer mehr in den Fokus. Die Studie "Rewarding and Sustainable Health Promoting Leadership" (ReSuLead) kommt in diesem Kontext zu dem Schluss, dass eine Führung, die Mitarbeiter unterstützt und Freiheiten der Belegschaft stärkt, eine positive Auswirkung auf die Stimmung, die Vitalität und die Leistung der Mitarbeiter hat. Gesundheit, Wohlbefinden und Leistung stehen dabei zweifellos in engem Zusammenhang. Wie die ReSuLead-Studie formuliert, liegt das größte Potenzial einer wertschätzenden und nachhaltig gesundheitsförderlichen Führung in der Gestaltung der Aufgabenbereiche und der Arbeitsanforderungen der Angestellten.

Die Ergebnisse der Studie stellen somit einen klaren Auftrag an die Führungskräfte, die Rahmenbedingungen für ihre Angestellten entsprechend zu gestalten. Dabei sollten Vorgesetzte nicht die große Bedeutung der individuellen Zielsetzungen ihrer Mitarbeiter außer Acht lassen. Das Bewusstsein für die einzelnen Ziele der Mitarbeiter ist sowohl ein Schlüsselfaktor für das Wohlbefinden als auch für die individuelle Leistung eines jeden Mitarbeiters. Herausragende Chefs haben dies erkannt und unterstützen ihre Mitarbeiter bei der persönlichen Zielerreichung – oftmals losgelöst von Gehalt und Bonus.

Fazit: Kürzlich wurde der Trainer von Borussia Dortmund, Thomas Tuchel, mit folgenden Worten zitiert: "Ich allein kann kein Spiel gewinnen, die Mannschaft kann das ohne mich sehr wohl. Ich versuche zu helfen, versuche Dinge zu erkennen, versuche Grundordnungen zu modellieren oder Leute auf dem Feld zusammenzubringen, aber letztlich ist es meine Aufgabe, mich auf alle Bedürfnisse und Motive der Spieler einzulassen.“ Für eine Führungskraft im Unternehmen gilt im übertragenen Sinn dasselbe. Netflix und die Philosophie von Thomas Tuchel könnten vielen Unternehmen als Beispiel dienen.

Zur Person

Irg Torben Bührer ist Geschäftsführer der AthletenWerk GmbH, die sich darauf spezialisiert, Erkenntnisse aus dem Spitzensport in Unternehmen über Vorträge, Seminare und Projektbeteiligungen zu transferieren. Nach seiner Tätigkeit in internationalen Unternehmen ist er davon überzeugt, dass ausgebildete ehemalige Spitzensportler wertvolle Mitarbeiter für Unternehmen darstellen.

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