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Mathias Wilde: Vernetzte Mobilität – Grundlagen, Konzepte und Geschäftsmodelle

  • Open Access
  • 24-06-2025
  • Rezension
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Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Mathias Wilde
Vernetzte Mobilität – Grundlagen, Konzepte und Geschäftsmodelle
ISBN 978-3-662-67833‑6, Springer Vieweg, Wiesbaden/Berlin 2023, 146 S., 49,99 €
Wer ernsthaft über die Mobilitätswende diskutieren möchte, muss nicht nur Kenntnisse zur Entwicklung der individuellen Mobilität mitbringen. Entscheidend ist zudem, dass moderne, digitale Konzepte und interdisziplinäres Denken eine wesentliche Rolle spielen. Dabei genügt es nicht, isoliert über einschlägige Apps, einzelne Funktionalitäten in Fahrzeugen oder neue, digitale Möglichkeiten in der Infrastruktur nachzudenken.
Vielmehr ist es notwendig, das Konzept „Mobilität“ ganzheitlich und allumfassend zu denken. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wird der Begriff „vernetzte Mobilität“ verwendet. Er signalisiert, dass der individuelle und der öffentliche Verkehr gemeinsam mit dem Umfeld betrachtet und dass entsprechende integrative Konzepte entwickelt werden müssen.
Das vorliegende Buch aus der Reihe „erfolgreich studieren“ befasst sich in kompakter Form mit dieser Herausforderung. Es versteht sich in erster Linie als Lehrbuch, das zentrale Begriffe und das Gesamtkonzept der vernetzten Mobilität einführen möchte. Der Autor legt dabei bewusst keinen technischen bzw. IT-Schwerpunkt. Positiv am Gesamtwerk ist, dass nicht nur im ersten Kapitel, sondern in jedem Kapitel Zusammenhänge auch aus sozialer und gesellschaftspolitischer Perspektive kritisch hinterfragt werden. Wenn diese Kritik, wie hier im Buch, so objektiv und konstruktiv wie möglich angesprochen wird, ist das eine gute Ausgangsbasis für Diskussionen über Lösungen. Positiv ist zudem, dass, wo möglich, die Mensch-Technik-Interaktion im Vordergrund steht und dass stets eine sehr umfangreiche Übersicht über gute weiterführende Literatur Vertiefungsmöglichkeiten bietet. Zahlreiche Praxisbeispiele beleben den leicht lesbaren Text zusätzlich. Wo notwendig und für die Diskussion oder die weiteren Arbeiten sinnvoll werden auch Normen und Standards referenziert.
Das Buch bietet damit durch die verständliche Art der textuellen Darstellungen und Graphiken allen am Themengebiet Interessierten einen gelungenen Überblick. Gleichzeitig ist es mit knapp 150 Seiten und klar voneinander abgegrenzten Kapiteln leicht lesbar. Es kann, muss jedoch nicht linear gelesen werden, auch ein Sprung zu einem bestimmten Thema ist problemlos möglich, wenn man mit den Grundlagen (auch aus anderen Quellen) ein wenig vertraut ist.
Seinen Anspruch setzt das Buch um, indem es nach einem ersten einführenden Kapitel in fünf weiteren großen Kapiteln die zentralen Themen aufgreift. Wie in jedem guten Lehrbuch sind alle für den Kompetenzerwerb besonders wichtigen Zusammenhänge optisch hervorgehoben und daher rasch erschließbar. „Merksätze“ unterstützen bei der Prüfungsvorbereitung und helfen auch außerhalb des Studienkontextes, Sachverhalte sicher einzuordnen.
Im zweiten Kapitel wird die Mobilität mit ihren Charakteristika und zentralen Faktoren vorgestellt und der Begriff vernetzte Mobilität definiert. Damit ist die Basis gelegt, um weitere Aspekte betrachten zu können. Positiv ist, dass klar zwischen dem heute oftmals negativ und sehr kontrovers besetzten Begriff Verkehr als physischer Bewegung und dem neutral oder gar positiv besetzen Begriff Mobilität als Fähigkeit/Potenzial zur Bewegung/Beweglichkeit differenziert wird. Hierunter fällt auch die kritische Betrachtung „öffentliches Gut“ versus „Konsumorientierung“ im gesamtgesellschaftlichen Kontext.
Kapitel 3 widmet sich ausführlich der für viele Länder wichtigen Automobilindustrie – Wie kann mit Connected-Car-Services und weiteren Mobilitätsdienstleistungen individuelle Mobilität verbessert werden. Um sich dabei nicht in technischen Detailfragen zu verlieren, werden Geschäftsmodelle und Dienstleistungen („Services“) in den Vordergrund gerückt. Lösungen, wie Staus und der Suchverkehr nach Parkplätzen vermieden werden können, gehören ebenso dazu, wie Infotainment und spezielle Datendienste. Die Diskussion ergänzen Fragen des Kundennutzens, der betriebswirtschaftlichen Tragfähigkeit, des Datenschutzes und der Informationssicherheit. Hervorgehoben werden soll beispielhaft der Abschnitt zur bereits seit längerem kontrovers diskutierten Frage der Dateneigentümerschaft und des Datenzugangs, wenngleich er durchaus noch etwas ausführlicher hätte ausfallen dürfen.
Werden in Kapitel 3 bereits Dienste angesprochen, widmet sich Kapitel 4 nun im Besonderen dem für vernetzte Mobilität zentralen Plattformbegriff. Es zeigt auf, wie eine Plattformökonomie in Deutschland und europaweit funktionieren kann, welche Mobility-as-a-Services konkret vorstellbar sind und welche Kritikpunkte es gibt, etwa bei der Preisgestaltung. Insbesondere wird bei eingehender Betrachtung deutlich, welche Macht eine gut aufgebaute und konsequent betriebene Plattform auf sich vereinen kann, aber auch, welcher hohe Wert dem Instrument „Bewertung“ zukommt und wie sich Regulierung (negativ) auswirken kann.
Einen Blick auf die Sharing Economy hinsichtlich notwendiger Nachhaltigkeitsüberlegungen wirft Kapitel 5. Nach kurzer Einführung in die Grundlagen, einer Vorstellung der zentralen Begriffe und der Diskussion typischer Kritikpunkte werden die beiden großen Bereiche „Carsharing“ und „Shared Micro Mobility“ ausführlich betrachtet. Es wird deutlich, wie eng verflochten Fragen nach Nutzung (auch kleiner und kleinster Fahrzeuge wie Fahrräder, E‑Bikes oder E‑Scooter) und „multimodal organisierter Mobilität“ insgesamt sind, welche – rechtliche – Komplexität zu bewältigen ist und dass es wesentlich auf das „Mindset“ ankommt, wenn Fragen nach dem tatsächlichen und langfristigen (gesellschaftlichen) Nutzen und der Akzeptanz solcher Modelle gestellt werden.
Das Buch schließt mit Kapitel 6, das die Vision einer Smart City betrachtet. Denn für das langfristige Gelingen attraktiver Smart-Mobility-Lösungen ist nicht zuletzt auch eine vernetzte Stadt notwendig. Bei ihrer Entwicklung muss multidimensional und gesamthaft gedacht werden. Denn viele Konzepte sind ohne entsprechende Unterstützung durch „intelligente Infrastruktur“ nicht sinnvoll realisierbar. Meist wird in sechs Komponenten unterschieden: Wirtschaft, Bevölkerung, Umwelt, Verwaltung, Lebensqualität sowie Mobilität und Verkehr. Mitunter werden Gebäude und die Architektur als siebte Komponente ergänzt. Wie bereits zuvor oft thematisiert wird auch hier die Problematik der Datenerfassung, -verfügbarkeit und -nutzung deutlich, ebenso die damit einhergehenden Kontroll- und Überwachungseffekte. Fragen zum Datenschutz und zur Datensouveränität liegen auch hier wie so oft in diesem Themenkomplex nahe. Dennoch: In der Summe ergeben sich trotz einiger Kritikpunkte vielfältige Vorteile einer Smart City. Sehr erfreulich ist, dass den Konzepten „Open Data“ und „Open Source“ Raum gegeben wird, wenngleich ein wenig knapp, aber das liegt vor dem Hintergrund der Eigeninteressen wichtiger Stakeholder in der Natur der Sache. Erfahrungsgemäß ist das mit Blick auf die Interessengruppen im Markt wohl auch nur schwer änderbar.
Mit der Literatur zu Kapitel 6 endet auch das Buch – ohne ein dediziertes Schlusswort oder einen Ausblick, vielleicht ein wenig unvermittelt? Andererseits: Es ist alles Wichtige gesagt. Insgesamt also ein rundum gelungenes und uneingeschränkt für einen einführenden Überblick empfehlenswertes Buch in Studium und Praxis.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://​creativecommons.​org/​licenses/​by/​4.​0/​deed.​de.

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Title
Mathias Wilde: Vernetzte Mobilität – Grundlagen, Konzepte und Geschäftsmodelle
Author
Matthias Knoll
Publication date
24-06-2025
Publisher
Springer Fachmedien Wiesbaden
Published in
HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik / Issue 4/2025
Print ISSN: 1436-3011
Electronic ISSN: 2198-2775
DOI
https://doi.org/10.1365/s40702-025-01199-z
Image Credits
Neuer Inhalt/© ITandMEDIA, Nagarro GmbH/© Nagarro GmbH, AvePoint Deutschland GmbH/© AvePoint Deutschland GmbH, AFB Gemeinnützige GmbH/© AFB Gemeinnützige GmbH, USU GmbH/© USU GmbH, Ferrari electronic AG/© Ferrari electronic AG