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About this book

Mit diesem Band wird so etwas wie eine medienphilosophische Apotheke und Arztpraxis eröffnet. Medien werden nicht mehr bloß technologisch, ästhetisch oder begrifflich-philosophisch erklärt, vielmehr genealogisch in ihrer pharmazeutischen, epidemiologischen, ärztlichen und gesellschaftlichen Wirkung nachgegangen. Als Mittel sind sie kein begriffliches, ästhetisches oder technisches Instrument, sondern Pharmaka einer ärztlich-politischen Kunst und Wissenschaft, die – seit Platon – Heilmittel aber auch Gift heißen können.

Table of Contents

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Die Medienpharmakologie befasst sich nicht nur mit den Medien der digitalen Gesellschaft, mit ihren technisch-vermittelten Relationen (Netzwerke, Operativität, Verschaltung, Übertragung, Referenz), sondern ebenso mit den Medien der analogen Gesellschaft und ihren physisch-unmittelbaren Auswirkungen und Beziehungen (soziales Band, performative Praxis, Denken, Kreativität, Sprache, Reflexivität, Körper). Als eine pharmazeutische Medientheorie ist sie eine Theorie der digital-vermittelten und analog-unmittelbaren Gesellschaft, die Diagnosen erstellt und entsprechende Therapien durch dekontaminierte Pharmaka (Mittel) vorschlägt. Medien (digitale oder analoge) sind nämlich hochinfektiös nach beiden Seiten hin: nach der physisch-körperlich-unmittelbaren Seite und nach der kommunikativ-technisch-vermittelten Seite.
Stavros Arabatzis

Kapitel 2. ‚Sei vernetzt! Partizipiere! Sei in Relation!‘

Zusammenfassung
Soziologische Theorien weisen von Anfang an, seit Auguste Comte und Max Weber, eine Schlagseite in ihrer Theoriebildung auf und bleiben in ihrer Medienkonzeption beschränkt, wie wir es heute wieder in Entwürfen einer ‚Theorie der digitalen Gesellschaft‘ beobachten können. Diese Schlagseite im soziologischen ‚Medienbegriff‘ resultiert nicht nur aus ihrem modernen Blick auf die Gesellschaft, sondern ebenso aus einer medialen Abstraktion; trotz ihrer Empirie sind soziologische Theorien häufig mit einer blinden Stelle in ihrem ‚Medienbegriff‘ behaftet. Zu erinnern sei hier nur an Max Webers Begriff der Rationalität, der höchst abstrakt vom konkreten Lauf der Gesellschaft und ihrer Mittel abgezogen wurde; einer angeblich entzauberten Welt der Moderne, die jedoch in ihrer oikonomia der Pharmaka in Wahrheit erst recht vollständig verzaubert auftreten sollte.
Stavros Arabatzis

Kapitel 3. Eine archäologische Reise zu den Wirkstoffen

Zusammenfassung
Ich möchte Sie auf eine Reise in das archäologische Gebiet der Medien (der aktiv-wirkenden und der passiv-erleidenden) als Wirkstoffe mitnehmen, wie sie einmal kulturhistorisch auch Homer in seiner Odyssee und Ilias unternommen hat. Diese Reise findet heute allerdings nicht mehr im maritimen Medium (Wasser) oder in der Schrift statt, vielmehr im Medium der neuen, materiellen wie immateriellen Netzwerke, im Medium des WWWebs, im Gewebe des neuen Webers, in den partizipatorischen und kollaborierenden Schöpfungen des hyphántes würde heute Platon wohl sagen. Dabei wird, dies sei vorweg als Warnung gesagt, die Reise zuweilen sehr stürmisch werden. Wir werden Klippen des Medialen umgehen und Medienengen zwischen Skylla und Charybdis passieren.
Stavros Arabatzis

Kapitel 4. Pharmakologie des Medialen

Zusammenfassung
In der Coronakrise bestand das Problem weniger darin, Kommentare, Meinungen, Argumente oder Diagnosen über eine biologische Viruskrankheit abzugeben – dafür sind die Virologen zuständig soweit sie Einblick in das Phänomen haben –, oder Strategien zu Bekämpfung der ‚biologischen Krankheit‘ zu entwickeln. Sondern in der Verwicklung der biologischen Krankheit mit der sozialen Krankheit, des natürlichen Lebens mit dem politischen Leben, des Privaten mit dem Öffentlichen, des Drinnen mit dem Draußen, der Familie mit der Stadt, der Unmittelbarkeit mit der Vermittlung. Bleibt nämlich diese ‚Dialektik‘ und Verwicklung der beiden Sphären aus, so müssen in der Sache notwendig Konfusionen entstehen, die schließlich jede Differenz als bloße Verschwörungstheorie brandmarken.
Stavros Arabatzis

Kapitel 5. Pharmakologie der Kulturen

Zusammenfassung
In diesem Abschnitt werde ich zunächst auf die Geschichte der neueren Kulturmittel eingehen und darin die Problematik der kulturellen Vielfalt sowie die Einheit der globalen Kultur entfalten.
Stavros Arabatzis

Kapitel 6. Politische Pharmakologie

Zusammenfassung
In einem kurzen, denkwürdigen Fragment schrieb einmal Benjamin: „Kapitalismus ist eine Religion aus bloßem Kult, ohne Dogma.“ Und ergänzt: „Der Nachweis dieser religiösen Struktur des Kapitalismus (…) als einer essenziell religiösen Erscheinung, würde heute noch auf den Abweg einer maßlosen Universalpolemik führen.
Stavros Arabatzis
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