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2021 | OriginalPaper | Chapter

4. Methodik der empirischen Untersuchung

Author: Nicole Podschuweit

Published in: Medieninhalte im Gespräch

Publisher: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Zusammenfassung

Um zu erfassen, ob und wie sich Menschen innerhalb ihres sozialen Nahraums über Medieninhalte austauschen, setzt die vorliegende Studie auf die Kombination einer verdeckten Feldbeobachtung von Alltagsgesprächen mit einer anschließenden Befragung der beobachteten Gesprächsgruppen und einer Analyse der von ihnen thematisierten Medieninhalte. Das Herzstück bildet die Feldbeobachtung von mehr als 2.500 natürlichen Kleingruppen, deren Gespräche 40 geschulte Beobachter im Frühjahr 2016 mit einem standardisierten Beobachtungsschema erfassten. Inspiriert wurde die Beobachtungsstudie durch eine Untersuchung von Hans Mathias Kepplinger und Verena Martin (1986). Als methodisches Novum kann die Kopplung einer verdeckten Beobachtung mit einer mündlich-persönlichen Anschlussbefragung beobachteter Personen gelten. Das besondere Design der Studie ermöglicht zum einen extern valide Aussagen über den Stellenwert, den Medieninhalte in Alltagsgesprächen besitzen. Zum anderen bezieht die Studie medieninhaltsseitige, personale und Gruppenfaktoren ein, die das Zustandekommen und den Verlauf von Anschlusskommunikation beeinflussen, durch Beobachtung aber nicht zugänglich sind.
Appendix
Available only for authorised users
Footnotes
1
Die Untersuchungsanlage ist in der Magisterarbeit von Verena Martin (1980, S. 3–34) ausführlich dokumentiert.
 
2
Der Förderzeitraum erstreckte sich von Oktober 2014 bis Juni 2018. Gefördert wurde das Projekt (Projektnummer 256.231.860) mit insgesamt rund 340.000 €, die vorwiegend für Personalmittel (Eigene Stelle der Projektleiterin bzw. studentische Hilfskraftstellen) verausgabt wurden.
 
3
An der Universität und im privaten Raum hatten die Beobachter ein gewisses Maß an Flexibilität. Gemäß der Vorgabe sollten sie an jedem der beiden Orte mindestens 50 Minuten, höchstens aber 2 Stunden und 40 Minuten pro Woche tätig sein, wobei sich am Ende stets eine Gesamtdauer von dreieinhalb Stunden für Erhebungen an beiden Orten ergeben musste. Der Grund war, dass Erhebungen innerhalb des privaten Umfeldes für einige Beobachter einfacher zu realisieren waren als für andere, da ihre Familien z. B. aus der näheren Umgebung stammten oder sie in einer Wohngemeinschaft lebten. Die Untergrenze von 50 Minuten entsprach der Zeit, die die Aufzeichnung eines Gesprächs im privaten Raum inklusive späterer Codierung und Anschlussbefragung in etwa in Anspruch nahm.
 
4
In Erfurt wurden folgende Gebiete unterschieden: (1) „Domplatz“; (2) „Marktstraße“; (3) „Michaelisstraße“; (4) „Rathaus“; (5) „Wenigemarkt“; (6) „Krämerbrücke“; (7) „Steiger/Erfurt Süd“; (8) „Johannesstraße“; (9) „Anger“; (10) „Hauptbahnhof“. Die Gebiete in Mainz waren: (1) „Neubrunnenplatz“; (2) „Rheinstraße/Südstadt“; (3) „Hauptbahnhof Süd“; (4) „Höfchen“; (5) „Fischtor“; (6) „Rheinallee/Neustadt“; (7) „Augustinerstraße/Altstadt“; (8) „Gonsenheim/Breite Straße“; (9) „Hauptbahnhof/Neustadt“.
 
5
Gemäß den Einträgen der Beobachter betraf dies lediglich drei Gespräche.
 
6
Ethische Fragen der Studie werden ausführlich in Abschn. 4.3.1 diskutiert.
 
7
Von dieser Möglichkeit machte keine einzige Untersuchungsperson Gebrauch.
 
8
Der ma Tageszeitungen zufolge erreichte die BILD-Zeitung 2016 im gesamten Bundesgebiet durchschnittlich 9,96 Mio. Leser pro Tag. Nach Auskunft der Axel Springer SE erreichte BILD Thüringen 2016 pro Tag durchschnittlich 16,3 Prozent der Ab-16-Jährigen im Verbreitungsgebiet, die in Mainz erhältliche Ausgabe BILD Frankfurt/Rhein-Main 20,8 Prozent (E-Mail von Irina Hugo, Leitung Marketing und Anzeigenleitung Ost, vom 17.07.2019).
 
9
Nach Auskunft der Vermarktungsgesellschaft der Allgemeinen Zeitung, VRM Media Sales GmbH, lag deren Reichweite 2016 im Verbreitungsgebiet bei 43,7 Prozent unter den Ab-16-Jährigen (E-Mail von Carsten Böttner, stv. Leitung Produkt- und Kampagnenmanagement, vom 17.07.2019). Für die Thüringer Allgemeine Zeitung liegen keine Reichweitendaten vor. Bekannt ist aber, dass die drei Tageszeitungen der Mediengruppe Thüringen 2018 zusammengenommen 48,4 Prozent der Ab-14-Jährigen im Verbreitungsgebiet erreichten (E-Mail von Thomas Bärsch, stv. Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen, vom 24.07.2019).
 
10
Für Mainz wird die Relevanz der ausgewählten Medien auch durch eine telefonische Repräsentativbefragung von mehr als 800 Einwohnern bestätigt, die dort 2012 unter Leitung der Verfasserin durchgeführt wurde. Ihr zufolge nutzten die meisten Mainzer „häufig“ die ARD Tagesschau (59 %), ZDF heute (51 %) und die Allgemeine Zeitung (44 %), um sich „über das aktuelle Geschehen zu informieren“.
 
11
In der Printfassung wurde das Beobachtungsschema so verkleinert, dass zwei Excel-Register auf eine DIN-A4-Seite im Querformat passten. Da das Papier umseitig bedruckt wurde, genügten zwei Bögen Papier (ein doppeltseitig und ein einseitig bedruckter) für die Abbildung eines Schemas. Die Seiten wurde so zusammengetackert, dass die Beobachter bei der Codierung der Gespräche mühelos zwischen den fünf Registern wechseln konnten.
 
12
Sie wurden in Anlehnung an Neuberger et al. (2009) eingegrenzt.
 
13
Weber und Ziegele (2013, S. 248–249) schlagen in ihrer Abhandlung über „Anschlusskommunikation revisited“ eine ähnliche Abgrenzung vor, ebenso wie Porten-Chée (2017, S. 31).
 
14
Pretests hatten ergeben, dass es im Rahmen einer Adhoc-Verschlüsselung bzw. ohne Aufzeichnung eines Gesprächs kaum möglich ist, den Gesprächsverlauf zu einem Thema in noch höherer Auflösung nachzuzeichnen.
 
15
Nicht mehr als eigenständige Funktion erfasst wurde der „Gesprächsanlass“. Diese Funktion ist nicht trennscharf zu den übrigen Funktionen, da jede von ihnen diese Funktion miterfüllen kann.
 
16
Anhang B enthält das zugrunde liegende Codebuch.
 
17
Die Operationalisierung ist früheren Codebüchern der Verfasserin (Podschuweit, 2012) bzw. der Mainzer Wahlstudien (Kepplinger, Brosius et al., 1994; Kepplinger & Maurer, 2005) entlehnt.
 
18
Die Operationalisierung der Nachrichtenfaktoren Themenetablierung, Überraschung, Kontroversität, Schaden, Nutzen, Personalisierung und Prominenz wurde ausgehend von Eilders (1997) entwickelt. Als Indikator für die Negativität diente der Tenor der Beiträge (s. z. B. Podschuweit, 2012). Der Lokalbezug der berichteten Sachverhalte bzw. Ereignisse wurde in Anlehnung an Sommer et al. (2012, Teilstudie 1) erfasst.
 
19
Zur Logik von Rezeptionsanalysen bzw. ihrem Stellenwert als „Bindeglied“ zwischen Inhaltsanalyse und Befragung in Medienwirkungsstudien s. Kepplinger (1989) bzw. Kepplinger et al. (1995).
 
20
Die Relevanz der vier erstgenannten Kriterien lässt sich auf Basis der Rezeptions- (Früh, 1980; Wirth, 1997) und Persuasionsforschung (Hovland & Weiss, 1951) theoretisch umfassend begründen. Empirische Evidenz für ihre Bedeutung liefern Studien zur Anschlusskommunikation, denen zufolge die Massenmedien für die interpersonale Kommunikation vor allem eine Informations- und Persuasionsfunktion erfüllen (s. insbesondere Kepplinger & Martin, 1986). Da die Befundlage im Fall der drei anderen Indikatoren spärlich ist und bislang keine Belege für ihre Wirksamkeit als „Gesprächsfaktoren“ existieren (Porten-Chée, 2017, S. 231–242), wurden in der vorliegenden Arbeit keine eigenständigen Annahmen über ihre Wirkung formuliert.
 
21
Die Aufklärungsbögen und die Einwilligungserklärung sind am Ende der Beobachtungsanweisungen (Anhang A) abgebildet.
 
22
Da die Universität Erfurt zum Zeitpunkt der Beantragung des Ethikvotums noch über keine eigene Ethikkommission verfügte, sagte der damalige Präsident der dortigen Ethikkommission, Nikolaus Knoepffler zu, den Forschungsantrag auf seine ethische Unbedenklichkeit zu prüfen.
 
23
93 Prozent aller Gespräche wurden am Laptop verschlüsselt, die übrigen 7 Prozent mit Stift und Papier.
 
24
Alle Koeffizienten wurden mit dem Reliabilitätsprogramm von Jenderek (2006) berechnet. Die Auswahl der Reliabilitätskoeffizienten orientiert sich an den Empfehlungen der einschlägigen Methodenliteratur (Früh, 2017; Rössler, 2017; Raupp & Vogelgesang, 2009). Verbindliche Richtgrößen für die Interpretation von Reliabilitätskoeffizienten existieren nicht. Maßgeblich für die Beurteilung ist zum einen die Interpretationsleistung der Codierer, zum anderen die Art der Berechnung. Während bei formalen Variablen eine hohe Übereinstimmung zwischen den Codierern erwartet werden kann, sind insbesondere bei Schätzskalen geringere Anforderungen an die Reliabilität zu stellen. Bei konservativen Indizes wie Krippendorffs alpha gelten geringere Werte als akzeptabel als bei liberalen Indizes wie der prozentualen Übereinstimmung. Die in der Literatur genannten Richtgrößen liegen für formale Variablen nahe bei 1 (hundertprozentige Übereinstimmung), bei inhaltlichen zwischen .75 und .85. Bei Krippendorffs alpha gelten selbst Werte unter .70 noch als interpretationsfähig.
 
25
Als Übereinstimmung wurde gewertet, wenn die offene Themenbeschreibung eindeutig auf ein- und dasselbe Gesprächsthema schließen ließ. Exakt identisch waren die Einträge in den wenigsten Fällen.
 
Metadata
Title
Methodik der empirischen Untersuchung
Author
Nicole Podschuweit
Copyright Year
2021
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-34872-4_4