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27-06-2019 | Mifid II | Nachricht | Article

"Mifid II ist ins Extreme gegangen"

Author:
Jan F. Wagner
2 min reading time

Bafin-Präsident Felix Hufeld hat eingeräumt, dass die EU-Finanzmarkt-Richtlinie Mifid II zu einer Überregulierung geführt hat. Als Beispiel führte er unter anderem die Aufzeichnungspflicht von Telefongesprächen an.​​​​​​​

"Mifid II ist aus meiner Sicht ins Extreme gegangen. Und ich habe sehr viel Sympathie dafür, dass MiFID II von den deutschen Banken kritisch hinterfragt wird", erklärt Bafin-Chef Felix Hufeld auf einer Veranstaltung des Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). 

Mifid II empört Banken

Die deutschen Banken sind über die Auswirkungen von Mifid II schlichtweg empört. Im März legten ihre Verbände eine Studie vor, in der es heißt, die neuen Regeln – besonders die Aufzeichnungspflicht – hätten die Kunden entweder überfordert oder verschreckt. Laut der Studie wird nur noch jede zehnte Order für ein Wertpapier oder einen Fonds telefonisch erteilt.

"Mifid II ist ein Ärgernis für die Kunden und ein Alptraum für Kreditinstitute. Sie erweist dem Anlegerschutz und der Wertpapierkultur in Deutschland einen Bärendienst", sagte damals Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Bei einer geplanten Überprüfung von Mifid II fordern die hiesigen Institute die Abschaffung der Aufzeichnungspflicht und eine einfachere Handhabung der Informationen über das Produkt und die Kosten.

Zweifel an geringerer Beratungsqualität

Hufeld sagte allerdings, die Bafin könne nicht erkennen, dass Mifid II die Beratungsqualität oder den Zugang zu Finanzprodukten verringert hätte. "Was die Beratung angeht, kann ich nicht sagen, dass sie sich verschlechtert hat. Ich möchte mehr Zahlen sehen, da ist sehr viel Anekdotisches unterwegs." Die BaFin nimmt aber die Beschwerden ernst und will bei einer Überarbeitung der Richtlinie positiv mitwirken.

Der Bafin-Präsident geht nicht davon aus, dass die Telefonaufzeichnung abgeschafft wird. "Wir als Bafin haben uns schon vor der Verabschiedung von Mifid II gegen das Taping ausgesprochen. Wir haben uns aber nicht durchgesetzt. Es wäre also ein Wunder, wenn wir im Rahmen eines Reviews die Abschaffung des Tapings durchsetzen würden." 

Mifid II im Prinzip richtig

Trotz aller Kritik findet Hufeld das Prinzip von Mifid II richtig. Er sagte vor dem ICFW: "Es gibt eine klare Asymmetrie zwischen dem Produzenten von Finanzprodukten und dem nicht professionellen Käufer. Und es ist politisch und regulatorisch absolut akzeptabel, diese Asymmetrie durch Vorschriften wie Risikoeinschätzungen, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten auszugleichen."

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