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2023 | Book

Mit Sustainable Finance die Transformation dynamisieren

Wie Finanzwirtschaft nachhaltiges Wirtschaften ermöglicht

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About this book

Wir befinden uns inmitten eines komplexen Strukturwandels, der alle Dimensionen der Gesellschaft und des Wirtschaftssystems betrifft. Die Bekämpfung der Klimakrise und konsequentes Verfolgen der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sind Jahrhundertaufgaben, die keinen Aufschub dulden. Die COVID-19-Pandemie und Putins Angriffskrieg verweisen auf die Bedeutung resilienter Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen. Welche Rolle spielt hierbei die Finanzwirtschaft? Ein nachhaltiges, zukunftsfähiges Finanzsystem ist eine der zentralen Voraussetzungen, um die Transformation unserer Wirtschaft zügig und gezielt zu gestalten.

Diese Momentaufnahme zum Agenda Setting für Sustainable Finance kann für die vielschichtigen Prozesse in Gremien und Unternehmen, in Banken und Versicherungswirtschaft auf europäischer, nationaler und betrieblicher Ebene Nutzen stiften. Expertise und Perspektive der verschiedenen Anspruchsgruppen, Akteurinnen und Akteure kommen zu Wort. Ihre Beiträge spiegeln diese Vielfalt und greifen an vielen Stellen die großen Möglichkeiten auf, die in kooperativen Ansätzen und Instrumenten schlummern.

Table of Contents

Frontmatter
1. Digitalisierung als Chance für nachhaltiges Bauen und Wohnen
Zusammenfassung
Nachhaltigkeit nimmt im Bankenbereich in Form der ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) immer mehr Einfluss auf Investitionsentscheidungen und Kreditvergabe. Die Volksbank Mittweida sieht darin eine große Chance, die längst überfällige Bauwende voranzutreiben: Nachhaltiges Bauen und Wohnen – insbesondere mit Blick auf Energieautarkie, neue Technologien und CO2-Neutralität – verspricht lukrative Geschäftsmodelle mit dauerhaft hoher Rendite, von denen Gemeinde, Eigentümer*innen, Mieter*innen und Umwelt gleichermaßen profitieren. Dahinter steht die Überzeugung, dass Nachhaltigkeit im Einklang mit Wirtschaftlichkeit stehen muss und kann. Neben der ökonomischen Förderung von nachhaltigen Bauvorhaben und der Schaffung eines Ökosystems für Nachhaltigkeit hat die Volksbank Mittweida deshalb mit dem TELEWERK und AMSEL Tiny Houses zwei Projekte gestartet, um digitale Technologien im Bereich neues Bauen und Wohnen zu erproben und regional sichtbar zu machen.
Leonhard Zintl
2. Mittelstand gestaltet Zukunft – die Chancen des Green Deal
Zusammenfassung
Alle reden von Nachhaltigkeit – und das zu Recht. Die Europäische Union hat mit ihrem Green Deal und der EU-Taxonomie erstmals Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten festgelegt. Damit ist auch eine umfassende Neuausrichtung der europäischen respektive deutschen Wirtschaft verbunden. Unternehmen müssen sich grundlegend transformieren, um in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben. Besondere Hoffnungen ruhen dabei auf dem Mittelstand. Ohne ihn und seine Erneuerungskraft sind die großen Nachhaltigkeitsziele nicht zu erreichen. Doch wie stehen mittelständische Unternehmen heute zum Thema Nachhaltigkeit? Wo liegen dabei ihre Stärken und Schwächen? Das zeigt Sabrina Kensy, Bereichsvorständin Mittelstandsbank Mitte/Ost der Commerzbank AG in ihrer Analyse.
Sabrina Kensy
3. Über die Evolution der Nachhaltigkeitsberichterstattung von ESG zur Relevanz und Wirkungsmessung
Über eine integrierte Berichterstattung zu einer integrierten Steuerung
Zusammenfassung
Mit dem Brundtland-Bericht „Our Common Future“ von 1987 wurde dem Begriff der nachhaltigen Entwicklung eine konkrete Definition und Perspektive gegeben. Seither versuchen Management- und Berichterstattungsansätze zu Nachhaltigkeit eine zunehmende Integration von ESG-Aspekten in die Steuerung von Organisationseinheiten zu erreichen. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Initiativen zum Teil maßgeblich in ihrer Fokussierung, Zielgruppendefinition, der Verwendung des Wesentlichkeitsbegriffs und Vergleichbarkeit der genutzten Inhalte und Datenpunkte. Bisher schaffen es nur sehr wenige Ansätze, den tatsächlichen Beitrag einer Organisation zu einer nachhaltigen Entwicklung zu beschreiben und verharren in einem Stadium der ESG-Fortschrittsberichterstattung anstelle einer Nachhaltigkeitsberichterstattung. Dieses Kapitel beschreibt die wesentlichen Eckpunkte der historischen Entwicklung der Debatte zur Berichterstattung, stellt zentrale Begriffsklärungen vor und bringt aktuelle regulatorische Entwicklungen in Verbindung zu den notwendigen Grundzügen einer Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Laura Mervelskemper, Sophia Orbach, Aida Jukas, Jan Köpper
4. Geld regiert die Umwelt: Können Banken das Klima retten?
Zusammenfassung
Zum 01.01.2022 trat die EU-Taxonomie zumindest in Teilen in Kraft. Das europaweite Klassifikationssystem gibt erstmals Standards für nachhaltige Finanzprodukte vor. Die Entwicklung der EU-Taxonomie bietet Banken eine große Chance, die Finanzbranche zum Treiber für die Transformation hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu machen. Denn Banken können Finanzströme gezielt in nachhaltige Projekte und Innovationsfinanzierungen lenken. Durch ein konsequentes Berichtssystem können Banken zudem den eigenen CO2-Fußabdruck reduzieren.
Erik Mundinger
5. Die Rolle der Versicherer in der nachhaltigen Transformation
Zusammenfassung
Politische Rahmenbedingungen, eine dynamische Produktentwicklung und eine engagierte Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette machen den Versicherungssektor zu einem prädestinierten Akteur für die nachhaltige Transformation. Sein Geschäftsmodell ist die Risikoübernahme im Kollektiv und über die Zeit. Das dafür benötigte Deckungskapital legen Versicherer am Kapitalmarkt an. Über die Risikobewertung und ihre Investitionen haben sie eine wichtige Lenkungsfunktion für eine nachhaltige Transformation. Gesetzgebung und Aufsichtsbehörden adressieren ihre Anforderungen und Erwartungen an den Sektor. Der macht seinerseits in einer Nachhaltigkeits-Roadmap Beiträge zum Erreichen der Klimaziele konkret.
Michael Gaedicke, Michaela Willert
6. Von den Anfängen auf europäischer Ebene bis zur Strategie der Bundesregierung: Eine Bilanz der Rolle von Multi-Stakeholder-Initiativen in Sustainable Finance
Zusammenfassung
Als einziger Vertreter aus Deutschland war Michael Schmidt sowohl Mitglied der High Level Expert Group on Sustainable Finance der EU-Kommission als auch des ersten Sustainable-Finance-Beirats der Bundesregierung. Er beschreibt in seinem Beitrag, wie er die Arbeit und das Umfeld dieser beiden für die Entwicklung von Sustainable Finance wichtigen Multi-Stakeholder-Initiativen erlebt hat und zeigt auf, welche wesentlichen Erfolgsfaktoren in deren Zusammensetzung, Vorgehen und Ergebnissen erkennbar sind.
Michael Schmidt
7. Coding for ESG: Mainstreaming von Sustainable Finance durch digitale Lösungen
Zusammenfassung
Die beiden zentralen Transformationen unserer Zeit, die digitale und die nachhaltige, müssen dringend viel konsequenter integrativ gedacht und umgesetzt werden. Sustainable Finance erfordert aus mehreren Gründen digitale, disruptive Geschäftsmodelle. Dieser Artikel schlägt ein Cluster von Green Fintech vor, das sich an den für Finanzmarktteilnehmer gängigen Herausforderungen der Transformationsfinanzierung ausrichtet. Ebenfalls wird mit dem Artikel ein Aufruf für den deutschen Green Fintech Markt gestartet.
Mica Valdivia
8. Nachhaltigkeit durch glaubwürdige Transformation: Das UniESG Transformationsrating
Zusammenfassung
Der Übergang zu einer nachhaltigeren Ökonomie kann nur erfolgreich sein, wenn die Vielzahl bislang nicht-nachhaltiger Unternehmen einen entsprechenden Transformationsprozess anstößt. Hier muss auch der Hebel der Finanzindustrie ansetzen. Die stärkste Wirkung haben ESG-Investments, wenn sie den Prozess zu mehr Nachhaltigkeit fördern – und nicht bereits erreichte Nachhaltigkeit belohnen. Die neu entwickelten Transformationsratings von Union Investment spiegeln eine qualitative Einschätzung wider, wie erfolgreich ein Unternehmen in den nächsten Jahren hier sein wird. Dieses Kapitel skizziert Grundzüge der Systematik.
Henrik Pontzen
9. Vom Dienstleister zum Lotsenschiff – Eine vorausschauende Praxisperspektive auf die Rolle der Banken bei der Klimatransformation
Zusammenfassung
Anfang 2021 entstand aus der deutschen Klimaselbstverpflichtung heraus die Net Zero Banking Alliance Germany (NZBAG). Hier erarbeiten acht Banken für zwei Jahre auf vorwettbewerblicher Basis Grundlagen für eine Paris-kompatible Portfoliosteuerung. Banken haben als Kapitalgeber*innen eine bedeutende Lenkungswirkung für die realwirtschaftliche Transformation einzubringen. Sie unterstützen Unternehmen wesentlich, klimafreundliche Investitionen zu finanzieren, die in hunderttausenden von Finanzierungsentscheidungen eine Rolle spielen und sich in erhebliche Finanzierungspotenziale übersetzt.
Thomas Mog
10. Sustainable Finance für die Daseinsvorsorge
Zusammenfassung
Für die stärkere Etablierung von Sustainable Finance bei öffentlichen Unternehmen ist der Dreiklang aus Wollen, Können und Handeln zu beachten. Das Wollen lässt sich durch eine Stadtwirtschaftsstrategie, eine konsequente Public Corporate Governance und eine nachhaltigkeitsorientierte Anlagerichtlinie konkretisieren. Für ein Mehr an Können hilft das Kennen der Chancen von Sustainable Finance. Das Handeln gelingt durch eine konsequente Umsetzung von nachhaltigen Projekten, nachhaltigen Finanzierungen und nachhaltigen Geldanlagen.
Klaus-Michael Ahrend
11. Herausforderungen bei der unternehmensinternen Umsetzung der EU-Taxonomie im Integrierten Geschäftsbericht
Effiziente Zusammenarbeit an der Schnittstelle Finanzen und Nachhaltigkeit
Zusammenfassung
Die EnBW hat für das Berichtsjahr 2021 die taxonomiefähigen und -konformen Geschäftsaktivitäten ausgewiesen und im Integrierten Geschäftsbericht 2021 veröffentlicht. Wir sind davon überzeugt, dass die Entwicklung der EU-Taxonomie einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele der EU leisten kann. Das Kernziel der Taxonomie ist die Mobilisierung privaten Kapitals der notwendigen Investitionen für die Finanzierung einer schnellen Transition. Ohne diese privaten Finanzmittel ist Klimaneutralität aufgrund des damit verbundenen immensen Kapitalbedarfs nicht erreichbar. Jedoch stellt die Vielzahl an Sustainable-Finance-Initiativen viele Unternehmen in den kommenden Jahren vor schwierige Aufgaben. Daher sollten bei weiteren Maßnahmen, wie der anstehenden Ausformulierung der weiteren Bewertungskriterien für die sonstigen Umweltziele oder der sozialen Taxonomie geeignete und realistische Zeiträume für die Umsetzung gewählt und bisherige Erfahrungen berücksichtigt werden. Nur so kann die Akzeptanz der Taxonomie bei Anwender*innen und Adressat*innen Schritt für Schritt gestärkt werden.
Christiane Brandmeier, Stefan Erlenbach, Lothar Rieth
12. Nachhaltigkeitsberichterstattung – Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Großunternehmen und Mittelständler
Zusammenfassung
Mit der Taxonomie-Verordnung und der Corporate Sustainability Reporting Directive stehen den deutschen Unternehmen große Veränderungen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung bevor. Die Gesellschaften sollten jedoch darauf achten, nicht nur den regulatorischen Vorgaben Rechnung zu tragen. Vielmehr sollte ihr Augenmerkt darauf liegen, die nötigen Daten effizient zu erheben und sie als effektive Basis für Strategie, Risikomanagement und Governance einzusetzen. Gerade den mittelständischen Unternehmen ist zu empfehlen, die entsprechenden Controlling- und Datensysteme möglichst frühzeitig zu implementieren. Diese sollten auf einer umfassenden Stakeholder-Analyse aufbauen, um so die wirklich wesentlichen Nachhaltigkeitsbereiche frühzeitig zu identifizieren und den weiteren Prozessablauf möglichst stark priorisieren zu können.
Christina Bannier
13. Im Dschungel der Berichtssysteme – Ein Beitrag zur internationalen Suche nach Transparenz
Zusammenfassung
International werden Forderungen nach mehr Transparenz und Konvergenz zwischen den verschiedenen Berichtssystemen gestellt. Auf globaler und europäischer Ebene gibt es aktuelle Anstrengungen, diese Forderungen zu erfüllen. Auf globaler Ebene entsteht das International Sustainability Standards Board, während auf europäischer Ebene regulatorische Änderungen der Treiber sind. Auf beiden Ebenen sollen einheitliche nachhaltige Standards zur Berichterstattung entwickelt werden. Es bleibt offen, wie diese zwei Ebenen nach Konvergenz streben.
Alexander Bassen, Kerstin Lopatta, Katharina Wolters, Yvonne Zwick
14. Sustainable Performance Accounting als Schlüssel für die Nachhaltigkeitstransformation – Einsichten aus dem Projekt QuartaVista
Zusammenfassung
Sustainable Performance Accounting bietet eine Methode zur Integration von ESG-Faktoren in die betriebliche Erfolgsrechnung, die anschlussfähig ist an SDGs, EU-Taxonomie und CSRD. Damit wird das Problem mangelnder Daten zur Erfassung und Bewertung nachhaltigen Wirtschaftens an der Wurzel gepackt. Die Erfahrungen aus dem Innovationsprojekt QuartaVista zeigen, welche Hürden noch bestehen und welche Chancen aus der Operationalisierung von ESG-Faktoren in KPIs und Bilanz erwachsen.
Jenny Lay-Kumar, Juliana Walkiewicz, Christian Hiß, Andreas Heck
15. Kohle für den Klimaschutz
Zusammenfassung
1940 sorgte Keynes mit seiner Schrift „How to pay for the war“ für Furore, in der er von der Wende „Vom Zeitalter des Überflusses“ zum „Zeitalter der Knappheit“ sprach. Sein damaliges Fazit könnte heute nicht besser passen. Unsere Entscheidungen – ökonomisch, sozial – wirken sich aus auf andere. Das gilt für Menschen genauso wie für unsere Lebensgrundlagen, Natur und Klima. Sobald wir das vergessen, sind allein egoistische Motive die Treiber unseres Handelns. Vielerorts ist die Dringlichkeit für eine Transformation in eine emissionsarme Wirtschaft angekommen. Doch noch immer hinken wir hinterher. Woran liegt es?
Vanessa Bolmer, David Knewitz
16. Das „S“ in ESG definieren: Was eine soziale Taxonomie für ein zukunftsfähiges Wirtschaftssystem leistet
Zusammenfassung
Die Europäische Union hat sich eine gerechte ökologische Transformation der Wirtschaft zum Ziel gesetzt und sich der Erreichung der UN-Entwicklungsziele bis 2030 verpflichtet. Privaten Finanzakteur*innen weist sie dabei zentrale Bedeutung bei der Finanzierung dieser Ziele zu. Mithilfe der Taxonomieverordnung will die Union private Finanzströme in ökologische und soziale wirtschaftliche Aktivitäten lenken. Diese Lenkungsfunktion kann die Taxonomie für soziale Ziele nur dann entfalten, wenn die bestehende Taxonomieverordnung um soziale Komponenten erweitert wird. Heutige Marktstandards- und Instrumente für Social Finance reichen nicht aus, um eine sozial gerechte Transition und die Erreichung der UN-Entwicklungsziele zu finanzieren.
Ulrike Lohr
17. Corporate Governance und Nachhaltigkeitsberichterstattung
Zusammenfassung
Spätestens mit dem Vorschlag einer EU-Lieferkettenrichtlinie (Corporate Sustainability Due Diligence Directive – CSDD) ist endgültig klar geworden, wie das Thema einer an Nachhaltigkeit orientierten Corporate Governance im Rahmen von EU-Regulierungsmaßnahmen behandelt werden soll. Die Europäische Kommission will grundsätzlich sicherstellen, dass Nachhaltigkeitsaspekte stärker in den Fokus der Unternehmenstätigkeit und der Unternehmensberichterstattung gerückt werden. Unternehmensführung und -aufsicht sollen von innen heraus verstärkt auf ökologische und soziale Erfolgskriterien ausgerichtet werden. Zuvor hatte bereits der Vorschlag für eine Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), deren Entwurf im April 2021 veröffentlicht wurde, eine umfassende Darstellung der Unternehmenstätigkeit in Bezug auf Nachhaltigkeit gefordert. Der nachfolgende Beitrag stellt das Zusammenspiel dieser Normen dar und setzt sich mit den Implikationen für die Unternehmenspraxis auseinander.
Georg Lanfermann
Metadata
Title
Mit Sustainable Finance die Transformation dynamisieren
Editors
Yvonne Zwick
Kristina Jeromin
Copyright Year
2023
Electronic ISBN
978-3-658-38044-1
Print ISBN
978-3-658-38043-4
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-38044-1